Dienstag, 4. Oktober 2011

Kuchen, verflucht: Apfeltarte mit Zimt und Kardamom

Der Kuchen ist perfekt durchgegart, klar?!
Wenn Du öfter hier vorbeischaust, hast Du es sicher schon gemerkt: Oft kokettiere ich nur damit, dass ich weder kochen noch backen kann.

Gelegentlich finde ich sogar in aller Bescheidenheit, dass mir das eine oder andere Gericht ganz gut gelingt. Gelegentlich finden das sogar andere. Volker zum Beispiel, der mir seit März monatlich das Kochen beibringt und im Juni nur noch kurz auf meinen Posten guckte, murmelte: "Was gucke ich eigentlich bei Dir?! Dich kann ich doch laufen lassen", was mir neidische Blicke der anderen Kursteilnehmer einbrachte.

Oder der Profi-Koch, der anfragte, ob ich für ihn Platz in meiner Küche hätte. Auf meine eloquente Gegenfrage "Hä???" stellte sich heraus, er dachte, ich hätte ein Restaurant. Ich wuchs um ein paar Zentimeter, bis mich Volker wieder auf den Boden zurückholte, indem er sich vor Lachen am Herd festhalten musste, als ich ihm die Geschichte erzählte.

Und dann passiert so was wie das hier. Ich mache ein einfaches Rezepte, das seit Jahren zu meinem Standard-Repertoire gehört, das ich sogar fast auswendig kann. Tja, und dann, plötzlich, will es nicht mehr so, wie ich will. Und ich weiß nicht, warum.

Diese Tarte sah immer so aus, wie auf dem Foto im Kochbuch "Kochen mit Kräutern und Gewürzen". Na ja, fast. Im Originalrezept werden Backpflaumen statt Rosinen verwendet. Ich habe die Tarte vor drei Jahren zuletzt gebacken. Damals dachte ich, ich müsste auf Silikonbackformen umstellen. Ich hätte auf meine Mutter hören sollen. Als ich ihr vom Kauf der ersten Silikonform berichtete, meinte sie: "Kind, liest Du keine Zeitung? Silikon kommt mir nicht ins Essen! Die Silikonimplantate müssen aus den Brüsten 'raus, weil sie lebensgefährlich sind, und wir sollen jetzt mit dem Zeug kochen? Nicht mit mir!" Nun wäre es müßig gewesen, meiner Mutter zu erklären, dass ich mir mit der Backform weder meine Oberweite vergrößern lassen möchte, noch, dass meine Backform aus dem Silikon ehemaliger Brustimplantate hergestellt wurde (hoffe ich zumindest).

Die Silikonform, mit Knöpfchen an der Seite und schicker Glasplatte im Boden, sollte laut Hersteller gut für flüssige Teige sein, also geradezu perfekt für diese Apfeltarte - dachte ich und schritt frohen Mutes zur Tarte. Tja, als ich die Form in den Ofen befördern wollte, fiel mir ein, dass da ja noch das Brühpulver trocknet. Also das Blech mit dem Brühpulver aus dem Ofen genommen, und, da gerade alle Arbeitsplatten vollgestellt waren, auf den Hocker unter der Arbeitsplatte geschoben. Als ich die Silikonform am Rand von der Arbeitsplatte aufhob, um sie aufs Rost zu stellen, lief der Teig schon langsam unten raus.

Also tief durchgeatmet, Alufolie hervorgekramt, die Form mit beiden Händen angehoben und mit der dritten Hand die Form auf die Folie geschoben - äh, welche dritte Hand? Flugs die Form wieder auf die Arbeitsplatte gestellt und versucht, die Folie unter die Form zu schieben, um sie dann mit der Folie zu umwickeln. Dabei löste sich der Silikonrand von der Glasplatte, und der flüssige Teig ergoss sich über die Arbeitsplatte, tropfte auf das Blech mit dem Brühpulver unter der Arbeitsplatte. Aber immerhin war die Form jetzt auf der Alufolie.

Ich musste jetzt nur noch einen Alufolien-Damm falten, um das Brühpulver-Blech zu retten, auf die Leiter klettern, um die alte Springform zu holen, die Teigreste in die (vorher mit Alufolie ummantelte) Springform gießen, einen neuen Teig machen, den Kuchen ins Rohr schieben, den Rest des alten Kuchens entsorgen, die Küche putzen, Mandelblättchen rösten, Sahne schlagen - und schon konnte ich lecker Apfelkuchen essen.

Von diesem Desaster musste ich mich anscheinend drei Jahre erholen, denn solange hatte diesen Kuchen nicht mehr gebacken. Bis jetzt. Die Silikonform habe ich ausgemustert. Stattdessen habe ich wieder eine ganz normale Springform, die ich mit Alufolie ummantelte. Ich bekam den Kuchen heil in den Ofen hinein und heil wieder hinaus. Allerdings wurde er diesmal nicht gar. Keine Ahnung, warum. Die Temperatur stimmte, die Backzeit war richtig, einzig die Mandeln wurden durch Pinienkerne ersetzt, aber das kann's ja nun wirklich nicht gewesen sein. Geschmeckt hat der Kuchen trotzdem, aber perfekt ist anders.

Apfeltarte mit Zimt und Kardamom

Zutaten für eine 26er Tarte- oder 26er Springform:

6 EL Öl
1 kg Äpfel
50 g Rosinen
½ TL Kardamom, gemahlen
½ TL Zimtpulver
125 g Zucker
1 TL Vanillezucker
3 Eier
150 g Mehl
250 ml Milch
30 g Mandelblättchen oder Pinienkerne

Für die Sahne:
250 ml Sahne
1 TL Vanillezucker
1 Prise Kardamom, gemahlen
1 Prise Zimtpulver

Zubereitung

Den Backofen auf 225 Grad vorheizen. Die Äpfel schälen und in dünne Spalten schneiden. Eine Tarteform mit 1 EL Öl auspinseln. Alternativ kann man eine Springform nehmen, sollte die aber mit Alufolie ummanteln, denn der Teig ist sehr flüssig.

Die Apfelspalten und die Rosinen in die Springform geben.

5 EL Öl mit Zucker und 1 TL Vanillezucker schaumig rühren, dann Eier, Zimt und Kardamom unterrühren. Zuletzt Mehl und Milch unterrühren, dann den Teig über die Äpfel gießen.

Bei 225 Grad (Umluft) 35 bis 40 backen (ggf. zwischendrin mit Alufolie abdecken), dann die Mandelblättchen oder Pinienkerne über den Kuchen streuen. Noch 5 bis 10 Minuten weiter backen, bis die Mandeln bzw. Pinienkerne leicht gebräunt sind.

Die Sahne mit 1 TL Vanillezucker und je einer guten Prise Zimt und Kardamom würzen und steif schlagen. Zum lauwarmen Kuchen servieren.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    das ist doch mal eine schöne Geschichte, ich konnte mir dich so richtig bei deinem kleinen Küchendesaster vorstellen. Sehr unterhaltsam :)
    Vielen Dank für das Lächeln das du mir aufs Gesicht gezaubert hast.

    Liebe Grüße
    Isabell

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  2. Ich empfehle Dir, beim nächsten Versuch Arthurs Enkelin einzuladen. Die rockt das! ;)

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  3. Sogar wenn Du nich Kochen oder Backen keonntest deine Geschichte ist wie Sahne licken:))

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  4. @ Isabell,
    freut mich :o)

    @ AT,
    das Kind hatte an diesem WE ja was anderes vor *tsetsetse* Dabei hättse sogar Nudelsalat, Würstchen und Thunfisch bekommen während des Backens. Übrigens ist das Kind verwöhnt: Macht den Kühlschrank auf, um Butter zu holen und sieht als erstes die Wachteleier. Nochmal *tsetsetse* ;o)

    @ Dzoli,
    danke ;o)

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  5. ...eigentlich wollt ich ja nur mal kurz kucken und angesichts von Bildern mit Essen drauf wieder wegklicken, aber der Text war zum Wegschmeißen lustig (mich selbst, nicht den Text). Solche Dinge häufen sich auch, wenn man sein Lieblingskuchenrezept auf einmal in einem anderen Land unter ganz anderen Umständen backen muß (kein Quark, anderes Backpulver, kein passendes Kuchenblech, Ofenfeuer geht nur an oder aus, nix mit Temperaturangabe, etc etc.
    Danke auch für den Splitter einer Unterhaltung von Ehemann zu Ehefrau. Gnihi.

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  6. Danke für das Feedback, Kerstin. Putzigerwiese kann ich Pfannekuchen nur in fremden Ländern mit schrammeligen Pfannen auf öddeligen Herden richtig perfekt zubereiten. Noch so'n Trauma. Aber ich arbeite daran. Und Arthus Enkeltochter wurde schon zur Nachhilfe verpflichtet.

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