Samstag, 29. Oktober 2011

Szenen einer Ehe: Von der Unzulänglichkeit männlichen Planens

Sonnabend: Sie kocht in Kronshagen. Er erledigt Essensplanung und Wocheneinkauf. Er ist schon groß. Er kann das. 

Sonntag: Er teilt ihr beim Frühstück mit, was es in der nächsten Woche zu essen gibt. Montag kocht Sie Mock Rabbit Pie, Dienstag gibt es die Reste. Die Zutaten sind alle noch von der Vorwoche da, als es statt Pie spontan Pizza gab. Mittwoch kocht Er Rindfleisch mit Spinat und Mango, Donnerstag gibt es die Reste mit Reis. Freitag macht Er Lachs mit Lauch, Sonnabend gibt es die Reste mit Kartoffeln. Sie stellt fest, dass eine der beiden Mangos, die er kaufte, schon braun wird und teilt ihm mit, dass Sie die Mango noch am gleichen Tag verwerten wird. Er nickt und sagt, er kaufe Dienstag eine neue. Er isst auswärts. Sie lässt Kürbissuppe kochen.

Montag: Sie macht Mock Rabbit Pie

Dienstag: Auf dem Rückweg von der Werkstatt fährt Er in der Metro vorbei, um für den kommenden Tag Mangos zu kaufen. Es gibt die Reste vom Pie.

Mittwoch: Sie arbeitet länger, weil sie ja nicht kochen muss. Sie informiert ihn beim Verlassen des Büros fernmündlich, wann sie zu Hause sein wird, damit Er planen kann. Sie trifft fünf Minuten vor der angekündigten Zeit ein. Sein Auto steht nicht auf dem Parkplatz. Die Wohnung ist dunkel, die Küche kalt, der Esstisch leer. Sie vermutet ihn im Spielzeugladen Baumarkt oder in der Werkstatt, denkt sich, das kann dauern, und überlegt, was sie sich schnell kochen kann, weil sie Hunger hat. Kurze Zeit später kommt Er nach Hause, schwenkt freudestrahlend Pizzakartons und sagt: Du hast jetzt bestimmt keine Lust mehr zu kochen, nach dem anstrengenden Tag, mein armer Schatz. Aber ich hab' Tiefkühl-Pizza und Eis gekauft.

Donnerstag: Er hat das Rindfleisch-Mango-Rezept verlegt. Sie schlägt Brotauflauf  aus einem missglückten Salbeibrot, Tomaten und Scamorza vor. Brotauflauf mögen beide nicht. Er sucht und findet das Rezept, murmelt dann die Zutatenliste vor sich her: Chili. CHILI. Schatz haben wir Chili?  - Sie nickt. - Spinat. SPINAT???? Schatz, haben wir Spinat? Sie schüttelt den Kopf, schlägt Chicoree, Rettich, Gurke oder Salatherzen vor. Er kann so nicht arbeiten und fährt Spinat kaufen. Sie holt sich eine Flasche ein Glas Wein und Käse für den ersten Hunger. Zurück, räumt er die Küche auf, denn er kann so immer noch nicht arbeiten. Damit fertig, greift er in den Kühlschrank, um das Fleisch rauszuholen. Er greift ins Leere. Beide machen Spinat, Kartoffeln und Eier mit Scamorza überbacken und Béchamelsauce.

Freitag: Lachs ist da. Lauch nicht. Es gibt die Reste vom Vortag. Und später Bratwurst auf die Hand.

Sonnabend: Auf dem Wochenmarkt. Er: Und noch einen Beutel Spinat, bitte. Händler: Okay, ich verkaufe Ihnen den Spinat. Aber beschweren Sie sich hinterher nicht, wenn er nach Grünkohl schmeckt.

Kommentare:

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob das am Chromosomensatz liegt: Ich habe eine Freundin, von der ich genau dieses Verhalte kenne. (Und wenn sie Gäste hat, fängt sie erst mit dem Kochen an, wenn die Gäste alle da sind.)

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  2. @ kaltmamsell, diese Verpeiltheit, die der Gatte in der Woche an den Tag legte, ist auch sonst eher meine Spezialität. Nicht umsonst habe ich meinen Nick gewählt ;o)

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