Mittwoch, 7. März 2012

London calling 2012: The Long Dark Tea-Time of the Soul

Als ich im Oktober letzten Jahres zusammenbrach, war ich optimistisch, dass sich das Problem schnell in den Griff kriegen läßt. Auch mein Arzt meinte, Ausschlafen, Spaziergänge, Sport und Entspannung könnten helfen. Allerdings zeigte sich schnell, dass mich Panikattacken und einiges mehr fest im Griff hatten. Als der Gatte fünf Tage nach dem Zusammenbruch mit mir im Hirschpark spazierengehen wollte, musste er mich mehr tragen als dass ich selbst gehen konnte. Mir war schwindelig, ich war ständig kurz davor, umzufallen.

Als ich Anfang November zum Kochtreffen nach Bad Honnef fahren wollte, brach ich bei dem Versuch zusammen, den Koffer zu packen. In den folgenden Monaten hangelte ich mich von Zusammenbruch zu Zusammenbruch und verließ das Haus bis auf eine Handvoll Ausnahmen nur, um zum Arzt zu fahren, wobei die Busfahrt hin und zurück oft schon reichte, um mich erneut zusammenbrechen zu lassen. Immer wieder wurde mir nahegelegt, doch ein paar Tage aus der Stadt raus zu fahren, ans Meer oder aufs Land - allein: Es ging schlichtweg nicht.

Die ganze Zeit hing wie ein Damoklesschwert über mir, dass ich im letzten August für diesen Februar eine London-Reise über ein verlängertes Wochenende gebucht hatte - als Geburtstagsgeschenk für den Gatten und anläßlich unseres zehnten Hochzeitstages. Umbuchen wollten wir nicht, mit jemand anderem fahren wollte der Gatte nicht, Stornieren wäre nur zum vollen Reisepreis möglich gewesen und wurde vom Gatten abgelehnt - eine blöde Situation. Nach langen Gesprächen mit Ärzten und Shrink wurde entschieden: Ein Tapetenwechsel könnte mir gut tun, also fahre ich, selbst, wenn ich nur wimmernd im Hotel liege - vorausgesetzt, ich schaffe es überhaupt, meinen Koffer zu packen, zum Flughafen, ins Flugzeug und nach London zu kommen ...

Um's kurz zu machen: Ich hab's geschafft! Es gab zwar die eine oder andere Panikattacke, aber die hatte ich im Griff - nicht sie mich. Ein großer Schritt nach vorne! Am Montag war ich zwar so fertig, dass ich von London kaum noch etwas mitbekam, dass man mich in Hamburg fast aus dem Flieger tragen musste, auf den Fotos sehe ich aus wie Angela Merkel, und zu Hause fiel ich samt Koffer und Klamotten ins Bett, um erst zwölf Stunden später wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben, aber: Ich habe es geschafft! Ein großer Schritt Richtung Normalität ist getan.

In den nächsten Tagen gibt es hier also ein bisschen London-Content. Und Ende des Monats fahre ich zum Kochen nach Bad Honnef. Außerdem gibt es ein vorsichtiges Datum, ab dem ich wieder arbeiten darf. Ich freue mich wie Bolle!

Noch mehr London 2012:

London calling 2012: Kundenmagazine von Waitrose und Sainsbury's
London calling 2012: T.G.I. Fridays am Leicester Square
London calling 2012: Twinings
London calling 2012: Bierschenke
London calling 2012: The Diner in Soho
London calling 2012: Wieder besucht: Chin Chin Labs
London calling 2012: Ab in den Osten! Rund um die Brick Lane
London calling 2012: Patrick Stewart in "Bingo. Scenes of Money and Death" im Young Vic
London calling 2012: The Fire Station
London calling 2012: Notting Hill, rund um die Portobello Road

Kommentare:

  1. Klingt gut. :)
    Ich bin auf die Berichte gespannt.

    AntwortenLöschen
  2. Das klingt schrecklich, so will man sich nicht wirklich fühlen. Du hast mein vollstes Mitgefühl. Probiere es doch mal mit autogenem Training, das soll angeblich unterstützend gegen diese Panikattacken helfen. Gute Besserung & LG Nadja

    AntwortenLöschen
  3. Ich hatte vor Jahren auch mal so eine Phase, wo ich nicht mal das Haus verlassen konnte. Frustrierend. Aber langsam und stetig kommt man drüber weg und irgendwann geht es dann wieder.

    Ich bin froh zu hören, dass es dir etwas besser geht! Onwards and upwards!

    Und ich freue mich schon, wenn Du dann tatsächlich mal hier aufschlägst und wir zusammen losziehen können! :)

    AntwortenLöschen
  4. @ Hesting, danke.

    @ Nadja, die Panikattacken sind nur ein Symptom eines Burn Outs, das mich seit Mitte Oktober beschäftigt. Normalerweise mache ich neben Krafttraining Progressive Muskelentspannung und habe mich so in Streßzeiten gut im Griff. Ich sah's diesmal leider überhaupt nicht kommen, und als ich es merkte, war's zu spät ...

    @ Andrea, ja, wir müssen uns unbedingt mal treffen, zumal der Gatte seit dem Besuch in Kew Steampunk-Fan ist, diesmal einschlägige Literatur kaufte und fast schon bedauerte, dass er gegen ein diesmaliges Treffen ein Veto einlegte *g* Es wäre aber auch wirklich zu viel geworden. Es war so schon Reizüberflutung pur, und der alte Freund, mit dem wir uns trafen, hat mich in über 20 Jahren vermutlich noch nie so schweigsam erlebt.

    AntwortenLöschen
  5. Das ist schön, wenn es bergauf geht! Freut mich!

    Krafttraining find ich gut. Wenn ich schlecht drauf bin, tut es mir sehr gut, mich körperlich total auszupowern. (Was bei mir allerdings leicht zu erreichen ist ...)

    AntwortenLöschen
  6. Ach das mit dem Treffen läuft ja nicht weg, ich bin ja die ganze Zeit hier! :D

    Soso, generelles Interesse an Steampunk ist auch vorhanden? Falls ihr im Sommer nochmal vorbeikommen solltet (weiten Bogen um die Olympiade machen!!!) dann können wir mal ein Punknic veranstalten, mit cucumber&salmon sandwiches, eaton mess und was uns sonst noch so einfällt. :)
    Die Truppe hier ist unglaublich liebenswürdig und für jeden Blödsinn zu haben!

    AntwortenLöschen
  7. @ Danke, Turbohausfrau!

    @ Andrea, das ist eine schöne Idee! Momentan können wir noch keine Urlaubspläne machen, aber wenn ich was weiß, melde ich mich bei Dir!

    AntwortenLöschen

Ein Kommentar, wie schön! Ich bemühe mich, alle Kommentare zu beantworten. Allerdings kann das manchmal etwas dauern - das Leben neben dem Blog, Du verstehst. Wenn Du Dich durch eine Sicherheitsabfrage quälen musst oder der Kommentar erst moderiert wird, heißt das, dass es gerade viele Spamkommentare gibt. Last but not least: Ich behalte mir vor, einzelne Kommentare zu löschen. Für die Löschung von Kommentaren, die zu kommerziellen Webseiten führen, stelle ich dem Webseiteninhaber 200 Euro in Rechnung.