Montag, 10. September 2012

Besuch in der Vinothek von Schloss Saaleck in Hammelburg

Logo des neuen Privat-Weinguts Schloss Saaleck.
Vor unserer Abreise besuchten wir die Vinothek von Schloss Saaleck, die zentral am Hammelburger Marktplatz liegt und zwischen Juni und Oktober sonntags geöffnet hat. Bis vor etwa einem Jahr war das Weingut in städtischem Besitz, dann zwang das leere Stadtsäckel zum Verkauf. Seitdem wird das Weingut von Ulrike Lange und ihrer Familie geführt. Sie übernahmen die Mitarbeiter, 19 Hektar Weinberge, den Weinbestand, das Keltereigebäude auf Schloss Saaleck und die Vinothek neben dem Hammelburger Rathaus.

Die Saalecker Weine wachsen auf Muschelkalk in Steillage mit bis zu 80 Prozent Steigung, sind dadurch mineralisch und von der Sonne verwöhnt ("Schahatz, wusstest Du das? 80 Prozent Steigung! Boah, dat is steil!" - "Jau, bin ich oft genug durchgerobbt. Is' sausteil." - "Und mineralisch heißt, dass der Wein lecker is', nich?" - "Jau. Und dass der Soldat nach dem Robben von Kopf bis Fuß weiß ist.").

Steillagen sind aber auch schwierig zu bewirtschaften, brauchen viel Handarbeit und verfallen zunehmend, weil sie als unwirtschaftlich gelten. Häufig ist die Produktion nicht kostendeckend, liegen die Weinberge brach, was sich negativ auf die Kulturlandschaft und die Umwelt auswirkt. Seit diesem Jahr wird das Weingut von Familie Lange biologisch bewirtschaftet.

Blick auf die Vinothek am Marktplatz.
Auf den Lagen Saalecker Schlossberg und Hammelburger Heroldsberg wachsen überwiegend Weißweine (Müller-Thurgau, Silvaner, Bacchus, Weiß- und Grauburgunder und Exoten wie Perle und Ortega). Rotweine (Dornfelder, Domina, Spätburgunder, Blauer Zweigelt und Schwarzriesling) machen etwa 20 Prozent aus.
In der Vinothek.
Wir waren die ersten Gäste, so dass die Vinothek noch leer war, ich ungestört Fotos machen konnte. Lange blieben wir nicht, denn wir wussten im Prinzip schon, was wir haben wollten, verkosteten nur Müller-Thurgau und Rotling. Hätten wir anschließend nicht die Heimfahrt angetreten, hätten wir sicher mehr probiert. Für den nächsten Besuch habe ich mir den Silvaner vorgemerkt. Die Rebsorte soll zukünftig den Schwerpunkt von Saaleck bilden. Der, den wir am Vortag bei Müller kosteten, schmeckte uns beiden zu flach ("Schatz, wie sacht man "flach" auf Weinchinesisch?" - "Der Wein hatte keine Tiefe." - "Sach ich doch, er schmeckte flach." - "Nee, flach sacht man nich. Er hatte wenig Geschmack. Wie 'ne Schorle. Oder mit Wasser verdünnt." - "Also flach. Ey, wat schnaufste denn so komisch, Schatz?").

In der Vinothek.
In der Vinothek. 
In der Vinothek.
In der Vinothek. Ich liebe Bocksbeutel, weil's die in meiner Kindheit oft zu Hause gab, und freue mich immer, wenn ich diese Flaschenform sehe.
Der Gatte verlädt den Wein. Wenn Du genau hinsiehst,
siehst Du auf dem Wagendach eine Baccarra. Die bekam ich
vom Gatten, als ich in Dachau ankam. Wir transportierten
sie ganz vorsichtig nach Hamburg zurück, wo sie mir noch
viele Tage Freude bereitete.
Rotling hatten wir zum ersten Mal am Vorabend in der Heckenwirtschaft des Weinguts Eilingsfeld probiert und mochten den Wein sofort. "Das ist so'n richtig leckerer Terrassenschlabberwein, nich, Schatz?" - "Jau, den sollten wir mitnehmen!" Dass wir nicht auch bei Eilingsfeld kauften, hing damit zusammen, dass wir im Hotel mal wieder zugeparkt waren, den Wein nicht schleppen wollten.

Auf den ersten Blick scheint Rotling ein Rosé zu sein, aber anders als beim Rosé werden beim Rotling Rot- und Weißwein zusammen gekeltert. Rotling ist ein Verschnitt, die Sorten werden nicht angegeben. Auf der Weinkarte wird er entweder als Weißwein oder als Rotwein geführt, nicht als Rosé.

Mit dem Müller-Thurgau kauften wir einen Wein aus dem beim Verkauf übernommenen Bestand, aus 2010. Der Rotling war dann schon aus der 2011er Produktion. Ich bin gespannt, wie sich die Weine unter neuer Leitung entwickeln werden.
Die Rotweine probierten wir gar nicht, denn der kellermeisterische Gatte beschied, dass unser Rotweinkeller noch sehr gut gefüllt ist. Schade, denn ich hätte gerne den Zweigelt verkostet, kenne bislang nur die Österreicher. Aber den Zweigelt heben wir uns für's nächste Mal auf - oder für eine Bestellung, wobei mir der Gatte mit der Bemerkung "Ab 250 Euro liefern sie versandkostenfrei." schon ein wenig Angst machte. Scheint so, als schmeckte ihm der Wein.

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