Freitag, 31. August 2012

Kochen ohne Tüte: Nasi Goreng mit Hühnerfleisch und Curry - oder zumindest so was in der Art

Nasi Goreng mit Hühnerfleisch und Curry.
Der Gatte liebt Nasi Goreng - aus der Dose. Ich mochte es auch gerne, bis mich eine Dose komplett umwarf. Gründlich. Chinarestaurant-Syndrom, meinte der konsultierte Arzt knapp, bevor er mich für eine Woche krankschrieb. Das war vor fast 30 Jahren, und seitdem aß ich kein Nasi Goreng aus der Dose mehr. Aber Nasi Goreng muss doch auch ohne Dose gehen. Die Rezeptsuche ist mühselig, ich habe die Qual der Wahl. Ein indonesisches Kochbuch kommt auf den Weihnachtswunschzettel, und nach stundenlanger Rezeptsuche im Netz entscheide ich mich für das aus Rezepte-Wiki als grobe Orientierung.

Was ohne Dose geht, geht natürlich auch ohne Tüte, und so verzichte ich auf eine 35 g Würzzubereitung für Reis mit
Maltodextrin, Meersalz, Zwiebeln, Reismehl, Palmöl, Hefeextrakt, Champignons, Rohrohrzucker, Ingwer, Paprika, Karotten, Lauch, Curry (mit Sellerie, Senf), Petersilie, Knoblauch, Säuerungsmittel Zitronensäure, Chili.
Außerdem ist Nasi Goreng auch prima zur Verwertung von übriggebliebenem Reis, denn Du brauchst dafür Reis vom Vortag.

Nasi Goreng mit Hühnerfleisch und Curry

Zutaten für 4 Portionen:

4 Lauchzwiebeln
1 Stange Lauch
1 rote Paprikaschote
1 gelbe Paprikaschote
1 Wurzel
5 kleine Putenbrustfilets
100 g Garnelen (gerne auch mehr, aber wir hatten nicht mehr)
100 g gekochter Reis vom Vortag
4 Eier
mildes Curry (z.B. Vadouvan)
scharfes Curry (z.B. Madras oder Pondichéry)
helle Sojasauce
Austernsauce
Salz
Pfeffer

Zubereitung:

Kochen mit farbenfrohen Zutaten sorgt bei mir für
gute Laune.
Lauchzwiebeln und Lauch in feine Ringe schneiden und gründlich waschen. Paprikaschoten waschen, entkernen und in feine Streifen schneiden. Wurzel schälen und in feine Streifen schneiden.
Putenbrustfilets in Streifen schneiden. Erdnussöl im Wok oder in einer großen Pfanne erhitzen. Fleisch und Garnelen kurz farbgebend anbraten und herausnehmen.

Ggf. frisches Öl erhitzen und Reis darin anbraten, bis er leicht braun ist. Gemüse dazu geben und braten, bis es etwas Farbe genommen hat, dann das Fleisch und die Garnelen dazu geben und garen. Mit Curry, Soja- und Austernsauce, Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Eier aufschlagen, verquirlen und in die Pfanne geben. Stocken lassen und alles durchrühren. Portionsweise servieren.

Mittwoch, 29. August 2012

Schnelle Bananen-Toffee-Törtchen nach Jamie Oliver

In der Küche lagen mal wieder Bananen, die uns zu reif zum Essen waren und verwertet werden mussten. In einem Kochforum unterhielt man sich über die Schnelle Bananen-Toffee-Torte aus Jamie Olivers "30 Minuten Menüs". Die sähe so lecker aus. Grund genug, das Kochbuch mal wieder zur Hand zu nehmen.

Ich habe das Rezept ein wenig verändert. Zum Einen bin ich kein kochender Duracell-Hase, sondern kann mir Zeit lassen. Zum Anderen fand ich kleine Törtchen praktischer als einen großen Tortenboden, gerade, weil alles in den Kühlschrank bzw. Tiefkühler soll. Wobei ich mir das Erkalten im Kühlschrank hätte sparen können, denn da ich eben kein kochender Duracell-Hase bin, brauchte ich nicht gleichzeitig eine Fischpfanne aus dem Ofen, Jersey-Royal-Kartoffeln, Salsa Verde und Spinatsalat zubereiten. Ich gab die Törtchen trotzdem kurz in den Kühlschrank und erledigte zwischendrin einen kleinen Abwasch.

Die Törtchen schmecken wie Banana Split ohne Eis - sehr lecker. Am Besten schmecken sie übrigens, wenn sie einen Tag im Kühlschrank durchziehen konnten (zwei oder drei Tage machen ihnen auch nichts).

Schnelle Bananen-Toffee-Törtchen nach Jamie Oliver

Okay, bei Jamie Oliver ist der Karamell ein
wenig dunkler als bei mir ...
Zutaten für 12 Törtchen:

4 gehäufte EL Kristallzucker
Zitronensaft (fehlt im Original, aber ich habe gelernt, den braucht's für Karamell)
4 reife Bananen
100 ml Milch
12 Wiener Torteletts (im Original ein süßer Mürbeteigboden)
300 ml Sahne (wenn Du 400 ml nimmst, passt es auch, 200 ml sind aber zu wenig)
1 EL Schokoladensirup (im Original 1 EL Kaffeesirup)
Bitterschokolade, geraspelt (oder Raspelschokolade)

Zubereitung:

Zwei Bananen pellen und mit der Milch und einem Spritzer Zitronensaft pürieren.

Torteletts bereitstellen. Wenn Du welche in einer Plastikschale gekauft hast, lass' sie darin, dann lassen sie sich besser in den Kühlschrank stellen. Später, wenn die Törtchen serviert werden, kannst Du sie dann vorsichtig mit einem Löffel aus den Mulden heben.

Bananen-Toffee-Törtchen im Werden.
Zucker mit einem Spritzer Zitronensaft in einem Topf erhitzen, gleichmäßig verteilen und schmelzen lassen. Ist der Zucker zu goldgelbem Karamell geworden, die Bananenmilch dazu geben (Achtung, das spritzt!). Weiterrühren, bis die Mischung goldbraun ist, dann die Mischung gleichmäßig über die 12 Torteletts verteilen und ggf. glattstreichen.

Während die Bananencreme (ggf. im Kühlschrank oder Tiefkühler) abkühlt, die Sahne stief schlagen. Laut Rezept soll mensch dafür eine große Rührschüssel nehmen. Ich muss meine Küche selbst putzen und nehme einen Rührbecher. Schokoladensirup unter die Sahne ziehen, möglichst so, dass ein Marmoreffekt entsteht.

Die restlichen beiden Bananen pellen und schräg in Scheiben schneiden. Törtchen aus dem Kühlschrank holen und die Bananenscheiben darauf verteilen. Dann die Sahne auf die Törtchen verteilen und sorgfältig verstreichen. Schokolade über die Törtchen raspeln und bis zum Servieren kalt stellen.

Montag, 27. August 2012

Nachgekocht: Lescó / Letscho

Zum Rotsehen: Tomaten und Spitzpaprika warten darauf,
zu leckerem Lescó zu werden.
Spitzpaprika und Tomaten waren reichlich da, weil Schwiegermutter in Urlaub fuhr.

Zufällig telefonierte ich mit Anikó, die meinte: "Das schreit nach Lescó!"

Das passende Rezept fand sich natürlich in ihrem Blog. Anikó empfiehlt ein Verhältnis von 2:1 für Paprika und Tomaten, woran ich mich nicht hielt, weil zwei Tomaten weg mussten.

Lescó / Letscho

Zutaten für 1 großzügige Portion:
250 g rote Spitzpaprika
250 g Tomaten
1 Zwiebel
Öl
Tomatenmark oder Paprikapaste
Salz
Pfeffer
Zucker
evtl. etwas Wasser

Zubereitung:

Leckeres Lescó mit kleinen Kartoffeln und Rindswürstchen.
Paprika und Tomaten waschen und putzen. Paprika in Ringe oder Streifen schneiden, Tomaten in Stücke schneiden.

Zwiebel schälen und würfeln, dann in etwas Öl bei mittlerer Hitze weich dünsten. Paprika dazu geben und ebenfalls dünsten, dann die Tomatenstücke. Salzen und pfeffern, dann mit geschlossenem Deckel bei mittlerer Hitze ca. 20 Minuten sanft köcheln lassen. Gelegentlich kontrollieren, ob sich genügend Flüssigkeit bildet. Falls nicht, etwas Wasser dazu geben. Zum Ende der Garzeit das Lescó mit Tomatenmark oder Paprikapaste und etwas Zucker abschmecken.

Mit Weiß- oder Fladenbrot ist das Lescó eine schöne vegetarische Hauptmahlzeit. Ich mag's aber auch mit Kartoffeln und klein geschnippeltem Rindswürstchen.

Sonntag, 26. August 2012

Szenen einer Ehe: Urlaubserinnerungen

Er, nach Inspektion des Kühlschranks: Wir müssen was mit dem Speck machen, der noch übrig ist.

Sie, lesend und daher nur physisch anwesend: Hm.

Er, aufgeregt: Erinnerst Du Dich noch an diese geile Speck-Ei-Pfanne, von der ich so satt war?

Sie Hä?

Er, leicht genervt: Na, in Tirol.

Sie, wieder mental abwesend: Ich war noch nie in Tirol.

Er: Na, Südtirol.

Sie: Wo? Wann?

Er: Na, da im Tal, auf dem Berg, unten auf der Alm, wo das Tal zu Ende war.

Sie: Ultental? Ist das einzige Tal mit Sackgasse, das ich kenne.

Er, verwirrt: Oder war das nicht Südtirol, sondern Berchtesgaden?

Sie: Berchtesgaden? Da, wo wir die Burg auf dem falschen Berg suchten? Oder da, wo Du irgendwann alleine unterwegs warst, weil ich nicht mehr konnte?

Er: Nee, Du hast es gerade noch röchelnd bis zur Hütte geschafft.

Sie: Ich röchle immer, wenn ich mich auf einen Berg wuchten muss und schaffe es meistens gerade noch so bis zur Hütte.

Er: Egal, war lecker.

Er meinte übrigens die Mastaunalm im Schnalstal in Südtirol. War schön da. Und er hat gerade das Glück, wieder in Südtirol zu sein.

Samstag, 25. August 2012

Rückblick: Kühlschrank und Wochenplan KW 34

Speiseplan der letzten Tage. An den ersten beiden
Tagen versuchten wir noch, der Masse von
Nudelsalat Herr zu werden.
In den letzten Tagen hatte ich nur wenig Lust zu kochen, und da ich ausnahmsweise nur für mich sorgen musste, war's auch gar nicht notwendig. Der Gatte isst gerne zwei Mal am Tag warm, worauf ich total verzichten kann, vor allem bei (hoch-)sommerlichen Temperaturen. So konnte ich abends Käse und Chutneys essen, was für den Gatten keine vollständige Mahlzeit ist.

Die Abwesenheit des Gatten ist außerdem eine schöne Möglichkeit, kalte Suppe oder Innereien zuzubereiten, denn beides mag er nicht. Kalte Suppen haben zudem den Vorteil, dass sie sich ohne großen Aufwand in der Mittagspause essen bzw. trinken lassen.

Der Wocheneinkauf war ziemlich schnell erledigt, denn neben diversen Non Food-Artikeln brauchte ich nur Milch und Butter sowie Fladenbrot und Fleisch für das Grillen am Sonnabend. Der Sonnabendbesuch brachte wie in der Vorwoche koschere Knabbereien mit, diesmal eine andere Chipssorte und wieder das leckere Popcorn. Da wir neben dem Nudelsalat nicht alles schafften, hatte ich noch Knabberzeugs für die Woche, sehr praktisch. Die koscheren Chips von Terra gibt es hier übrigens bei so ziemlich jedem Edeka im Sortiment, falls Du sie selbst mal ausprobieren möchtest.

Außerdem wurde in dieser Woche viel von dem verbraucht, was in der Gemüseschublade war bzw. was ich bekam, weil ich gerade eine Wohnung einhüte und die Lebensmittel dort während des Urlaubs sonst verdorben wären: Tomaten, Spitzpaprika, Wurzeln, Nektarinen, Birnen, Lauchzwiebeln, Eisberg- und Romanasalat, eine Gurke ... Im Vorratswägelchen waren außerdem reichlich Kartoffeln, Zitronen, Zwiebeln und Knoblauch.

Der Kühlschrank am Montag. Heute ist er
ziemlich leer, weil ich systematisch aus
dem Vorrat lebte.
Aus der Gurke wurde kalte Gurkensuppe, einmal als Abendessen, einmal als Mittagessen (sehr zu Freude der knobophoben Kollegen *hüstel*). Spitzpaprika und ein Teil der Tomaten wurden zu Lescó nach Anikó. Dazu gab's ein Rindswürstchen, das vom Grillen übrig und eingefroren war, und Kartoffeln, die ebenfalls weg mussten. Aus den Nektarinen wurde Kompott, das ich mittags mit Quark bzw. Joghurt aß.

Donnerstag gab's Bohnen, Birnen und Speck aus dem Tiefkühler, von Mudderns zubereitet, und Freitag wurden die Wurzeln mit Minz-Couscous gegessen. Den gibt es heute noch mal - ich hatte gestern keinen richtigen Hunger. Außerdem buk ich Birnen-Schokoladen-Crumble für's Wochenende.

Im Laufe der Woche war ich wieder mal bei Edeka, diesmal bei Wiedner und Mölgaard. Eigentlich brauchte ich nicht viel, aber wenn mich bei Edeka von der Leine lässt ... Die haben ein noch umfangreicheres Pferdewurst-Angebot als Struve, also wanderte eine Salami in den Korb. Außerdem ist ja die Erdbeersaison bald zu ende, da gab's dann noch welche als Spontan-Mittagessen, und eine Hershey's-Schokolade, lustige Brausen, Servietten mit Hamburg-Wappen sowie der aktuelle Feinschmecker mussten auch mit. Rote und Kochbananen sowie anderes exotisches Obst ließ ich aber liegen, weil ich spontan nicht wusste, was ich damit anfangen kann.

Heute könnte ich zum Markt fahren, aber ich bin noch unentschlossen, denn eigentlich könnte ich die nächste Woche wieder relativ locker aus dem Vorrat bestreiten, brauche nur Milch, Aufschnitt, Brot und Joghurt, vielleicht etwas Fleisch. Im Gemüsefach sind noch Tomaten, zu denen mir was einfallen muss (vermutlich werden sie zu Chutney), und wir haben ziemlich viele Kartoffeln und Eier.

Freitag, 24. August 2012

Zitronen-Ingwer-Limonade nach Jamie Oliver

Zitronen-Ingwer-Limonade.
Bei diesen Temperaturen freue ich mich über selbstgemachte Limonade. Was mir daran besonders gut gefällt: Ich kann den Zuckergehalt selbst bestimmen. Gekaufte Brause, bei uns Blubberlutsch genannt, ist mir inzwischen nämlich zu süß und wird mit meistens mit Mineralwasser verdünnt. Nach diesem Jamie Oliver-Rezept ist die Limonade ratzfatz zubereitet, ohne lange Wartezeit.

Natürlich kannst Du sie auch länger stehen lassen. Dann setzt sich der Minzgeschmack besser durch, aber die Kohlensäure verschwindet. Die benötigte Dose Zitronenbrause kannst Du dann durch diese Zitronenlimonade ersetzen (ohne das Basilikum). Ansonsten mag ich nachwievor gerne die Limonata von San Pellegrino und nehme die auch gerne für dieses Rezept.

Im Originalrezept wird eine große Kanne (keine Ahnung, wie groß) zur Hälfte mit Eiswürfeln gefüllt. Ich verzichtete darauf, denn die kann man später immer noch dazu geben. Ich gebe zu: Statt Eiswürfeln mag ich auch gerne eine Kugel Zitronensorbet. Es können auch zwei sein. Irgendwo muss ja der Zucker wieder her kommen, auf den ich bei selbstgemachten Limonaden verzichte ;o)

Zitronen-Ingwer-Limonade im Werden.
Zitronen-Ingwer-Limonade nach Jamie Oliver

Zutaten für einen Ein-Liter-Krug:
330 ml Zitronenbrause
3 Stängel Minze
2 cm Ingwerwurzel
Mineralwasser mit Kohlensäure zum Auffüllen

Zubereitung:

Ingwer in den Krug raspeln, dann die Minze und die Zitronenbrause dazu geben. Mit Leitungswasser oder Mineralwasser auffüllen. Gut umrühren, einige Zeit zum Ziehenlassen in den Kühlschrank stellen (mindetens 30 Minuten - je länger die Mischung zieht, um so intensiver wird der Minzgeschmack).

Zum Servieren Eiswürfel in ein Glas geben und die Zitronen-Ingwer-Limonade durch ein Sieb eingießen (andernfalls hat Du die Ingwerspäne im Glas - ich mag das nicht).

Mittwoch, 22. August 2012

Essen ist Erinnerung, und das Leben ist ein Fest: Oma und Bella - ein Filmtipp

Bella Katz (links) und Regina Karolinski beim Einkaufen
(Copyright: Salzgeber & Co. Medien GmbH).
Morgen läuft im Abaton und in der Koralle ein überaus entzückender Film über Freundschaft, Familie, Liebe und Essen an: "Oma und Bella".

Ich hatte im Rahmen des Jüdischen Salons am Grindel schon vor vier Wochen das Glück, die Premiere der Dokumentation in Anwesenheit der Regisseurin Alexa Karolinski (und in Begleitung zweier wunderbarer Frauen) zu erleben. Alexa Karolinski ist die Enkelin der 85jährigen Regina Karolinski, der Oma, die zusammen mit ihrer Freundin Bella Katz in Berlin lebt.

Die Wohngemeinschaft der beiden Frauen, die sich seit 60 Jahren kennen, ist bemerkenswert: Ursprünglich wollte Katz nur ein paar Tage bleiben, bis sich die Freundin von einer Hüftoperation erholt hatte. Inzwischen bleibt sie seit fünf Jahren, besucht ihre eigene Wohnung nur noch, um nach der Post zu sehen.

Bella Katz in der Küche.
(Copyright: Salzgeber & Co. Medien GmbH).
Mittelpunkt des Lebens beider Frauen ist nicht nur, aber auch die winzige Küche, und schnell wird klar, dass Kochen und Essen Erinnerung ist. Karolinski begleitet die beiden Frauen beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt (Gemüseverkäufer: "Ich habe die besten Erdbeeren für Sie aufbewahrt." - Karolinski, mit völliger Selbstverständlichkeit: "Natürlich!") und zum Schlachter, wo sie sich von einer geduldigen Verkäuferin Hühner vorführen lassen, bis sie das richtige finden, zum Beispiel für die goldne Joich, das jüdische Penicillin, auf einer Spreefahrt, bei Ausflügen in ein Gartenlokal, zum Kartenspielen, an Silvester, beim Schabbath oder wenn sie den Gang zu einer Beerdigung auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße antreten.

Karolinski und Katz strahlen eine unwahrscheinliche, mitreißende Lebensfreude aus, wenn sie beispielsweise mit ihren Friseuren flirten (und die mit ihnen), Katz das angebotene Glas Wasser ablehnt, der Friseur bedauert, dass es für Wodka noch zu früh sei, worauf die 89jährige Katz erstaunt fragt: "Wer sagt das?" Eben, mit 89 Jahren ist immer Zeit für Wodka!

Personifizierte Lebensfreude: Regina Karolinski beim
Reiben von Wurzeln.
(Copyright: Salzgeber & Co. Medien GmbH).
Es macht unwahrscheinlich Spaß, wie den beiden Frauen zuzusehen, wie sie schnippeln, würfeln, reiben, um zu kochen, dünsten, braten; wie sie Kalbsfüße und Hühnerbeine mit Einwegrasieren (ein von mir bislang total unterschätzter Küchenhelfer) bearbeiten. "Schon morgens um zehn wird die erste Pfanne mit Zwiebeln aufgesetzt und schmort etwa 40 Minuten", berichtet die Enkelin im Gespräch nach der Filmpremiere.

Ursprünglich wollte sie die Rezepte ihrer Oma und deren Freundin in einem Kochbuch sammeln, stellte aber fest, dass sie dazu erst mal Kochen lernen müsste und dass ein Buch kaum das, was die Rezepte der beiden Damen ausmacht, transportieren würde. So begleitete Karolinski die beiden Frauen über mehrere Wochen mit der Kamera und finanzierte das Filmprojekt schließlich über Kickstarter, einer Möglichkeit für Einzelpersonen, kreative und kulturelle Projekte zu unterstützen.
Bella Katz bei der Herstellung von Kohlrouladen.
(Copyright: Salzgeber & Co. Medien GmbH).

Je nach Höhe der eingezahlten Summe erhielten die Geber noch vor der Filmpremiere als Gegenleistung eine Dose mit Hagelzuckerkeksen, gebacken von Oma Karolinski (wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, sind diese Kekse ausgesprochen lecker) und drei Rezeptkarten, werden im Abspann genannt, bekommen eine DVD oder ein Kochbuch.

Das stellte Karolinski gerade fertig; es wird im Herbst erscheinen. Dafür machte sie alle Rezepte von Karolinski und Katz nachkochbar. Die beiden Damen kochen nämlich nach Gefühl, mit "ein Teller voll" als Maßeinheit und "bis es gut aussieht" als Zeitangabe. Sympatisch, sehr sogar, aber nur bedingt zum Nachkochen geeignet.

Kochen ist für die beiden Frauen auch eine Art, ihre Liebe auszudrücken, und die verteilen sie überschwenglich. "Wer zu Besuch kommt, bekommt etwas zu essen und bekommt Essen mit", berichtet Karolinski. "Der Tiefkühler ist voll. Ein Teil des Essens geht auch an Bewohner eines Altenheimes."

Die gefüllten Paprika sind fertig.
(Copyright: Salzgeber & Co. Medien GmbH).
"Oma und Bella" ist auch ein Film über zwei jüdische Frauen aus Osteuropa, die die Shoah überlebten. Es war der Wunsch der beiden Frauen, dass dies nicht das Thema des Films ist, aber wer die Shoah überlebte, kann das nicht aus seinem Leben ausklammern, und so bekommt der Film gelegentlich eine bedrückende Wendung.

Regina Karolinski, geboren als jüngstes von fünf Kindern in Kattowice, kam mit 14 Jahren in ein Lager im Sudetenland, wurde viereinhalb Jahre später befreit. Ihre Freundin Bella Katz wurde 1923 in Vilnius geboren und als 18jährige mit ihrer Familie in das dortige Ghetto deportiert. Als es 1943 geräumt wurde, gelang ihr die Flucht, schloss sie sich den Partisanen an. Sie ist die einzige aus ihrer Familie, die überlebte.

Beide Frauen kamen nach der Befreiung Deutschlands nach Berlin und wollten auswandern. Bis es so weit sein sollte, waren sie in einem DP-Lager am Stadtrand untergebracht, lernten ihre Ehemänner kennen, bekamen jeweils einen Sohn und blieben in der Stadt. Ihre osteuropäische Heimat haben sie bei sich - in Form von Riten und Gebräuchen und in Form ihres Essens.

Montag, 20. August 2012

Tchibo-Blogparade: Steak, Burger & Co. - Produkte im Test

Gemüse- und Backblech mit gefüllten Paprika und Zucchini.
In dieser Woche gibt es bei Tchibo zahlreiche Utensilien rund um Steak, Burger & Co. zu kaufen. Das Unternehmen fragte an, ob ich, gemeinsam mit anderen Bloggern, wie im März bei den Cupcakes, Lust hätte, im Rahmen einer Blogparade ein paar Produkte vorab zu testen. Wie hier erwähnt, fragt Tchibo immer sehr höflich und individuell an, so dass ich sehr aufgeschlossen bin, wenn's passt. Hier geht es zur Abstimmung über die Beiträge zur aktuellen Blogparade inkl. Verlosung.

Tchibo stattete mich mit einer Grillpfanne, einen Gemüse- und Backblech, einer Burgerpresse, einem Fingerschutz und einem Chefmesser aus. Dafür vielen Dank! Alles wurde in der vorletzten Woche getestet.

Fingerschutz und Chefmesser kamen beim Nasi Goreng zum Einsatz. Normalerweise nutze ich keinen Fingerschutz, wie unschwer an meinen Fingernägeln zu erkennen ist - die trifft es, wenn der Klauengriff nicht richtig war. Der Fingerschutz ist sicher eine gute Idee, allerdings müsste ich mich so auf den richtigen Sitz konzentrieren, dass ich mich nicht mehr aufs Schneiden konzentrieren kann. Für mich ist er überflüssig.

Oben das Chefmesser von Tchibo, unten das aus unserem
Haushalt. Die Griffe sind gleich lang, aber bei dem von
Tchibo ist die Klinge länger und der Griff hohl. Dadurch
kippt es vorne über, liegt nicht gut in der Hand.
Das Chefmesser ist für meine kleinen Hände zu groß und zu schwer, aber ich konnte damit in Rekordzeit Julienne schneiden. So was gelingt mir auch nicht oft. Außerdem ist das Messer höllisch scharf. Trotzdem finden wir es irgendwie merkwürdig. Weder beim großhändigen Gatten noch bei mir liegt es gut in der Hand. Das Verhältnis von Klinge zu Griff ist nicht stimmig. Der Griff ist schwerer als die Klinge. Der Schwerpunkt stimmt nicht. Das Messer hätten wir nicht gekauft.

Hähnchenbrustfilets in der Grillpfanne.
Begeistert war ich von der Grillpfanne. Die liegt gut in der Hand, und der Kunststoffgriff ist bis 180°C backofenfest, so dass Fleisch nach dem Anbraten im Ofen zu Ende gegart werden kann. Das Jerk Chicken wurde tadellos und schön saftig (was vermutlich nicht nur an der Pfanne lag, sondern auch daran, dass ich es briet, und ich mag, im Gegensatz zum Gatten, mein Fleisch nicht doppelt tot), und die Cajun Burger konnte ich ohne zusätzliches Fett braten. Nichts blieb kleben, wirklich klasse!

Ich habe mich bislang immer gegen den Kauf einer Grillpfanne gewehrt, auch, weil wir genug Pfannen und einen Grill haben, aber jetzt freue ich mich, dass wir sie haben. Die Grillpfanne ist seit Erhalt öfter im Einsatz. Sie ist spülmaschinengeeignet, aber auch ratzfatz mit der Hand abgewaschen, so dass sie noch nicht in der Maschine war.

Burger-Patties in der Steakpfanne.
Falls Du einen Kauf erwägst: Sie ist nicht für Induktion geeignet. Das verblüffte mich schon, denn Induktion ist ja inzwischen sehr weit verbreitet, dass ich gar nicht mehr auf die Idee kam, Kochgeschirr könne nicht induktionstauglich sein. Für uns ist es egal, wir haben Ceran. Die Pfanne ist übrigens relativ leicht, was ich gut finde, da ich ein Gym-Abo habe und deswegen auf Kraftübungen in der Küche gerne verzichte. Ich weiß aber, dass es auch Menschen gibt, die auf schwere Pfannen schwören ... Wir haben selbst so ein Trumm, das komischerweise ganz unten hinten im Topfschrank steht und noch nicht zum Einsatz kam, selbst dann nicht, als es die letzte saubere Pfanne war ...

Beim Gemüse- und Backblech erwartete ich etwas ganz anderes, nämlich so ein Lochblech für den Grill. Stattdessen kam eine Art Muffinblech mit quadratischen Mulden, in dem gefülltes Gemüse gebacken werden kann. Okay, das hätte ich mir sicher nicht gekauft, denn gefülltes Gemüse mache ich in Auflaufformen oder im Tischdampfgarer. Wenn man aber öfter kleine Kuchen oder Brote backt oder keine Auflaufform oder viel Platz in der Küche hat, ist das Blech sicher eine gute Investion. Leider ist es nicht spülmaschinengeeignet (was leider bei den meisten Blechen oder Formen mit Antihaftversiegelung der Fall ist - keine Ahnung, warum Pfannen in die Spülmaschine können, Backbleche aber nicht).

Patty und Burgerpresse.
Die Burgerpresse war ein Gadget, das der Gatte schon länger mal haben wollte, bislang aber nicht kaufte. Als er sie nun bekam, fand er sie einfach nur niedlich. Seine handgemachten Patties sind nämlich um einiges größer als die der Presse. Ich fand sie nicht so klein, denn ich mache die Patties mit Anrichteringen, die etwa den gleichen Durchmesser haben wie die Presse. Ich finde die Presse überflüssig und bin gespannt, ob der Gatte sie öfter nutzen wird. Gut finde ich, dass sie auseinandergenommen und in die Spülmaschine gegeben werden kann, allerdings vermute ich, dass die Schraube, die alles zusammenhält und abgedreht werden muss, um die Einzelteile in die Maschine zu geben, eher über kurz als lang verschwinden wird. Ich bin aber auch sicher, dass dem heimwerkenden Gatten dann dazu was einfällt.

Unser Fazit: Die Grillpfanne werden wir bestimmt oft nutzen. Bei den anderen Küchenhelfern bin ich mir noch nicht so sicher. Das Messer hätten wir nicht gekauft.

Sonntag, 19. August 2012

Szenen einer Ehe: Traumtänzer

Er steht glücklich wie ein kleiner Junge vor dem Gasgrill, hat einen Russstreifen längs über dem Nasenrücken, wedelt mit der Grillzange und sagt: Du, also der Grillkauf, das war die beste Idee, die ich diesen Sommer hatte!

Sie weiß, wann sie lieber nicht das letzte Wort haben und ihm seine Illusionen lassen sollte ...

Samstag, 18. August 2012

Rückblick: Wochenplan und Kühlschrank KW 33

Koschere Gemüsechips von Terra Originals aus
Taro (Wasserwurzel, teilweise mit Rote-Bete-Saft gefärbt ),
Yucca, Süßkartoffel, Kartoffel und Petersilienwurzel.
Sehr lecker, obwohl mit reduzierte, Salz- und Fettanteil.
Die Woche würde ohne großartige Änderungen des Speiseplans verlaufen - dachte ich zumindest bis gestern Abend. Es war mal wieder Zeit, sich dem Inhalt der beiden kleinen Tiefkühler anzunehmen, denn die quollen über, und über den Inhalt hatten wir den Überblick verloren. An zwei Tagen lebten wir mit Bolognese und Bouneschlupp also aus dem Tiefkühler, und der Spinat sowie die Kokosmilch für das Wurzel-Spinat-Curry am Mittwoch kamen auch aus dem Eis.

Da wir am Sonnabend nicht auf den Markt mussten und auch nicht wollten, weil ja möglichst viel aus dem Vorrat gekocht werden sollte, hatten wir einen sehr entspannten Vormittag, den wir vertrödelten. Wir kümmerten uns ein wenig um Wäsche und Haushalt, ich buk einen Kuchen, und am frühen Nachmittag fuhren wir dann schnell zu Supermarkt und Discounter. Der Einkauf war schnell erledigt, allerdings recht umfangreich. Wir brauchten zwar nicht viele Lebensmittel, aber Getränke, und das läppert sich recht schnell. Abends aßen wir die Reste des Blumenkohlauflaufs vom Vortag mit Grillwürstchen, die ebenfalls aus dem Tiefkühlvorrat kamen.

Popcorn, koscher (von Osem).
Sonntag Abend besuchte mich die werte Frau K. Eigentlich sollte sie mit Shepherd's Pie bewirtet werden, thematisch passend zu einem Film, den wir uns an diesem Abend ansahen, aber sie brachte, ebenfalls passend zum Film, koscheres Popcorn und koschere Gemüsechips mit. Zusammen mit American Pretzels kamen wir gut über den Abend.

Popcorn und Chips erwiesen sich als ausgesprochen lecker (na ja, und American Pretzels mag ich eh). Das Popcorn war richtig von einer zuckrigen Kruste umhüllt, also jedes Körnchen, viel besser als das, was man im Kino bekommt. Die Chips, ich traue es mich kaum zu sagen, schmeckten besser als die von Tyrells, die ich bislang für meine Lieblingschips hielt.

Speiseplan der zurückliegenden Woche.
Koschere Lebensmittel in Hamburg zu bekommen, war phasenweise nicht ganz einfach, aber seit Januar 2011 gibt es sie bei Edeka Anders in der Grindelallee. Zu verdanken ist es dem ausgesprochen charmanten Rabbiner Shlomo Bistritzky, der viel dafür tut, dass in Hamburg jüdisches Leben in einer nichtjüdischen Umwelt langsam wieder zu so was wie Normalität wird. Bei Edeka Anders gibt es knapp 100 koschere Lebensmittel, die zwischen treifen Artikeln stehen, nicht etwa in einer "Koscher-Ecke". Gekennzeichnet durch einen blauen Punkt am Preisschild am Regal, sind die Produkte auch für diejenigen leicht zu finden, die sich nicht mit der Kaschruth auskennen. Und die, die nicht koscher leben, können einfach ihren Geschmack entscheiden lassen.

Ein wenig vorbei ging der Umstand, dass der Laden koschere Lebensmittel führt, an der Kassiererin. Frau K. durfte erst die Beherrschung ihrer Gesichtsmuskulatur unter Beweis stellen, als die Kassiererin ganz stolz erzählte, sie sei gerade erst für 38 gehalten worden, obwohl sie kurz vor der Rente stehe. Dann bewies die Dame, die Lebensmittel doch lieben sollte, ihre Produktkenntnisse: "Was ist das denn?!" meinte sie angesichts des Popcorns. "Soll das Popcorn sein?!" "Ja, koscheres", antwortete Frau K. und erntete wieder ein "Was ist das denn?!" Hm, die Dame scheint Zielgruppe für diesen Bildungsurlaub zu sein ...

Kühlschrankinhalt der vergangenen Woche,
mit vielen Getränken und einem
Bickbeern-Käsekuchen-Brownie
in der Auflaufform.
Montag war ich auf dem Rückweg noch schnell bei Struve. Ich hatte des Gatten Shortbread vernichtet, worüber er sich zurecht beschwerte, und bei real gab's keines. Abends gab's den Pie, der eigentlich für zwei Tage reichen sollte, aber langsam muss ich bei der Wochenplanung auch wieder daran denken, dass nicht nur der Gatte mittags ein Büroessen braucht, sondern auch ich. Dementsprechend gab's für uns beide mittags die Reste im Büro. Zukünftig wird's für mich wohl eher Salat oder Joghurt mit Früchten geben, denn mittags esse ich ungern warm.

Mittwoch gab's dann endlich mal wieder was Vegetarisches: Wurzel-Spinat-Curry mit Würzreis. Obwohl ich mir diesmal Mühe gab, wenig zu machen, war es zu viel, blieben zwei bis vier Portionen übrig. Die sollte es eigentlich heute Abend geben. Eigentlich ...

Auf Frau Ks Anregung hin besuchten wir gemeinsam mit ihr am Freitag das Restaurant Teigtasche.

Zwei Gerichte tauschten wir: Dienstag gab's Bohnensuppe - der Gatte musste Donnerstag eh' Nudeln kochen für einen 30-Personen-Nudelsalat für eine Bürofeier und machte da einfach mehr, so dass es auch noch für uns reichte. Allerdings machte er gleich so viel mehr, dass ich gerade nicht weiß, wohin damit.

Momentan stehen also im Kühlschrank vier Portionen Spaghetti ohne Sauce, eine mittelgroße Schüssel mit Nudelsalat, eine sehr große Schüssel mit Nudelsalat und ein Topf mit zwei bis vier Portionen Wurzel-Spinat-Curry. Eine weitere mittelgroße Schüssel Nudelsalat wurden wir an Schwiegermutter los. Für heute Abend haben wir zum Spontangrillen eingeladen und den Gästen ganztägiges Fasten verordnet. Wenn sie den  Nudelsalat schafften, bekommen sie zur Belohnung noch 'ne Wurst ;o) Aber egal, wie ich es drehe und wende: Diese Woche wird Essen im Müll landen.

Mal schauen, was die nächste Woche kulinarisch so bringt.

Freitag, 17. August 2012

Cajun Burger mit Sweet Potato Fries aus dem Ofen

Cajun Burger mit Sweet Potato Fries
aus dem Ofen
Irgendwann als Kind hörte ich mal im Radio, vermutlich in der Sendung "Zwischen Hamburg und Haiti", über die Cajun. Sie sind Nachfahren von nach Kanada ausgewanderten Franzosen (den sogenannten Acadiens) und leben im Cajun Country im US-Bundesstaat Louisiana, seit sie im 18. Jahrhundert aus Kanada vertrieben wurden. Etwa zu der Zeit hörte ich auch "Der letzte Mohikaner" auf einer Hörspiel-LP. Mein Fernweh bekam neue Nahrung, auch durch Gerichte mit so spannenden Namen wie Crawfish Pie, Gumbo, Dirty Rice oder Jambalaya, denen Hank Williams ein musikalisches Denkmal (hier in einer Willie Nelson-Version) setzte. Mit der Reise zu den Bayous hat's zwar noch nicht geklappt, aber eines Tages wird es so weit sein, da bin ich sicher.

Cajun Küche ist eher einfach, durch lokale Zutaten geprägt und sehr würzig. Dementsprechend wird in der Gewürzmischung Cajun Rub auch nicht mit Cayenne gespart. Normalerweise wird ein Rub, wie es der Name sagt, auf Fleisch oder Fisch gerieben und sorgt beim Braten für eine dunkle, würzige Kruste, ähnlich wie beim Jerk Chicken.

Rezepte für Cajun Rub mit frischen oder getrockneten Zutaten gibt es zuhauf im Netz. Ich hatte Glück und brauchte nur meine Wunderdose mit der Aufschrift "Diverse Gewürze" zu öffnen, in die alles kommt, was im Gewürzregal und -schrank gerade keinen Platz findet, denn aus dem Londoner Spice Shop nahm ich Cajun Seasoning mit.

Die Cajun Burger sind mein zweiter Beitrag zur Tchibo-Blogparade Steak & Co.

Cajun Burger mit Sweet Potato Fries aus dem Ofen

Zutaten für 4 Portionen:

Für die Burger:
400 g Rinderhack
Cajun Rub bzw. Cajun Seasoning, Menge nach Geschmack
Salz
Pfeffer
4 Burger Buns / Hambuger Brötchen
ein paar Blätter Eisbergsalat
ein paar Tomatenscheiben
ein paar Gurkenscheiben
Ketchup
Mayonnaise

Für die Fries:
2 große Süßkartoffeln
Salz
Pfeffer
Olivenöl

Zubereitung:

Für die Fries die Süßkartoffeln schälen und in Stifte schneiden. Olivenöl, Salz und Pfeffer mischen, über die Süßkartoffelstifte geben und sorgfältig durchmischen, so dass sich das Öl gut verteilt. Die Süßkartoffeln bei 220°C (Umluft) für etwa 30 Minuten in den Ofen geben, ggf. zwischendurch mal wenden und den Gargrad prüfen.

Während die Süßkartoffeln im Ofen sind, das Hack mit dem Cajun Seasoning mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann abgedeckt in den Kühlschrank stellen, bis die Fries gar sind. Achtung, die Gewürzmischung zieht nach, also nicht so kräftig abschmecken, sondern vor dem Braten ggf. nachwürzen.

Sind die Fries gar, die Temperatur zum Warmhalten reduzieren. Die Buns aufschneiden und zu den Fries in den Ofen geben, um sie etwas aufzubacken.

Das Hack aus dem Kühlschrank nehmen, zu Patties formen und in einer Pfanne (ggf. mit etwas Fett) garen.

Wenn die Patties gar sind, die Buns aus dem Ofen nehmen. Die Unterteile mit Mayonnaise bestreichen, dann Eisbergsalat daruf geben, den Patty, Ketchup, Tomaten- und Gurkenscheiben und dann das Bun-Oberteil.

Fries aus dem Ofen nehmen und zusammen mit den Burgern servieren.

Mittwoch, 15. August 2012

Jerk Chicken-Variante mit gefülltem Gemüse

Jerk Chicken-Variante mit gefülltem Gemüse.
Vom Nasi Goreng hatten wir noch etwa 100 g Reis, Hähnchenbrustfilet und einiges an Gemüse übrig, weil ich beim Schreiben des Einkaufzettels ein paar Rezepte durcheinander brachte bzw. mehr kaufte, als wir brauchten. Im Kühlschrank war zudem noch ein Rest Halloumi von diesen Spießen, und alles sollte zu einem Gericht werden, bei dem ich Grillpfanne, Chefmesser, Fingerschutz und Gemüsebackblech für den einen Produkttest nutzen konnte.

Normalerweise wird das Jerk Chicken, das unter Jamaikanern sehr verbreitet ist, aus einem ganzen Huhn auf dem Grill gemacht. Dabei wird das Huhn nicht mariniert, sondern mit der Jerk-Mischung eingerieben. Beim Grillen bildet sich dann eine leckere schwarze Kruste. Da ich nur die Filets nahm, marinierte ich sie.

Es gibt viele Jerk-Varianten. Die Mischung, die ich zurzeit verwende, besteht aus Thymian, Pfeffer, Piment, Zimt, Ingwer, Macis, Nelken, Orangenschale, Zwiebel, Knoblauch und Chili.

Ofengemüse im Gemüseblech.
Mit dem Jerk Chicken und der jamaikanischen Küche kam ich erstmals in den späten 1980er Jahren in Berührung, als ich S. kennenlernte, Tochter einer jamaikanischen Großfamilie aus dem Londonder Stadtteil Brixton, die in Hamburg Deutsch lernen wollte und mir im Gegenzug Englisch beibrachte. Wir besuchten uns häufig, und wenn sie bei mir wohnte, kochte sie für mich. In London waren wir kaum bei ihr zu Hause, weil sie jede Gelegenheit nutze, dem quirligen, chaotischen Haushalt zu entfliehen. Oft planten wir, gemeinsam nach Jamaika zu fliegen, aber leider kam es nie dazu. Der Kontakt hielt bis zu ihrer Hochzeit 1998, brach dann leider ab. Meine Telefonnummer hatte sie aufbewahrt, so dass mich ihr Mann darüber verständigen konnte, dass sie sich das Leben nahm - im Sommer vor zehn Jahren.

Was so'n Huhn für Erinnerungen mit sich bringen kann ...

Das Jerk Chicken ist mein erster Beitrag zur Tchibo-Blogparade Steak &Co.

Hähnchenbrustfilets in der Steakpfanne.
Jerk Chicken-Variante mit gefülltem Gemüse

Zutaten für 2 Portionen:
2 Hähnchenbrustfilets (insgesamt ca. 500 g)
Jamaikanisches Jerk
Olivenöl
2 Paprikaschoten
2 Zucchini
1 Wurzel
ca. 100 g Reis, gekocht, vom Vortag
ca. 50 g Halloumi oder ein anderer Käserest, der gerade da ist
Salz
Pfeffer
Zitronensaft

Zubereitung:

Aus Olivenöl und Jerk eine Marinade mischen und das Filet ca. drei Stunden darin einlegen (im Kühlschrank). Zwischendurch immer mal wieder durchrühren oder schütteln, damit sich die Marinade gut verteilt.

Paprika und Zucchini waschen, die Wurzel schälen. Paprika aushöhlen. Eine Zucchini in vier Teile teilen und diese aushöhlen. Das Innere würfeln und zum Reis geben. Die zweite Zucchini, die Wurzel und den Käse ebenfalls würfeln und zum Reis geben. Den Reis mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken, dann in die Paprika und die Zucchini füllen - Achtung, Du hast die Zucchini ausgehöhlt. Damit der Reis nicht unten wieder raus fällt, solltest Du sie vorher auf dem Boden einer Auflaufform stellen oder darfst hinterher die Küche fegen. Aber vielleicht bist Du ja auch nicht so verpeilt wie ich *g* Die Paprika ebenfalls in die Auflaufform geben und im Ofen bei 200°C (Umluft) ca. 30 Minuten garen, dann die Temperatur zum Warmhalten reduzieren.

Wenn das Gemüse im Ofen ist, die Hähnchenfilets aus dem Kühlschrank nehmen, damit sie Raumtemperatur bekommen. Wenn das Gemüse gar ist, die Hähnchenfilets in eine heiße, beschichtete Pfanne geben und von beiden Seiten braten (durch das Öl in der Marinade wird kein zusätzliches Fett zum Braten benötigt).

Filets und gefülltes Gemüse auf Tellern anrichten und servieren. Falls noch Reis von der Füllung übrig ist, kann der kurz in der Pfanne erwärmt und dazu gereicht werden.

Montag, 13. August 2012

Resteverwertung: Aprikosen-Nektarinen-Kompott mit Zitronenverbene

Aprikosen-Nektarinen-Kompott mit Zitronenverbene
auf Joghurt.
Da meine Allergien Kapriolen schlagen und ich plötzlich rohe Aprikosen nicht mehr essen kann, musste ich sie irgendwie anders verwerten. Dem Gatten waren sie zu süß. Er wollte lieber Nektarinen essen. Vier lagen nach Tagen noch immer im Kühlschrank, und die beiden, die noch essbar waren, wurden kurzerhand mit den Aprikosen und einem Zweig Zitronenverbene zu Kompott. Das schmeckt zu Joghurt und als Dessert, aber auch zu Käse, Ofenkäse und Gegrilltem.

Aprikosen-Nektarinen-Kompott mit Zitronenverbene

Zutaten für 2 - 4 Portionen
1 EL Kristallzucker
1 Spritzer Zitronensaft
1 Handvoll Zucker-Aprikosen
2 Nektarinen
1 Schuss Wasser
2 TL Riesling-Gelee
1 Zweig Zitronenverbene

Zubereitung:

Aprikosen-Nektarinen-Kompott mit Zitronenverbene zu
Käse und Dinkelbrot.
Aprikosen und Nektarinen waschen, entsteinen und grob würfeln.

Zucker mit einem Spritzer Zitronensaft in einen Topf geben und karamellisieren. Obst dazu geben (Achtung, spritzt!) und ein paar Mal umrühren. Mit einem Schuss Wasser ablöschen. Riesling-Gelee und Zitronenverbene dazu geben und bis zur gewünschten Konsistenz einkochen lassen. Erkalten lassen, Zitronenverbene entfernen und servieren.

Wenn Du kein Riesling-Gelee hast, kannst Du den Schuss Wasser durch Riesling ersetzen.

Sonntag, 12. August 2012

Szenen einer Ehe: Bauernleben

Sonnabend Morgen, beim Kaffeetrinken am Schreibtisch. Sie liest. Er spielt.

Sie, erstaunt: Blumenkohl hat gerade Saison?!

Er: Bei Farmville oder in echt?

Samstag, 11. August 2012

Rückblick: Kühlschrank und Wochenplan KW 32

Wochenplan der 32. Kalenderwoche. Dienstag
aßen wir spontan auswärts.
Der Speiseplan in dieser Woche war durch einen Produkttest bestimmt, über den ich erst in der nächsten Woche schreiben kann. Außerdem waren aus der Vorwoche ein paar Lebensmittel übrig, die verbraucht werden mussten.

Da wir Sonnabend vormittags ziemlich früh unterwegs sein mussten und eigentlich nichts vom Markt brauchten, kauften wir auf dem Rückweg bei Edeka ein. Den großen Markt mag ich wirklich gerne, denn es gibt dort vieles, wonach ich sonst suchen müsste, zum Beispiel Mischungen von 1001 Gewürze. Während der Gatte also den Einkaufszettel abarbeitete, nutzte ich die Zeit, mir die Regale genauer anzuschauen. Dementsprechend fiel der Einkauf üppiger aus als geplant. Nachmittags besorgte der Gatte dann noch Getränke, die ihm bei Edeka zu teuer waren.

Während er ausgiebig die Getränkemarkt-Preise studierte, hatte ich das Vergnügen, neben einem Valess-Stand warten zu dürfen und dem Propaganisten zuzuhören, der den Tapetenkleister als Soja-Alternative anpries. Die Testesser waren begeistert darüber, dass es tatsächlich kein Fleisch war. Na ja, wenn's schmeckt ... Montag war ich dann noch mal schnell bei 'nem anderen Struve, um das zu kaufen, was wir zwei Tage vorher vergessen hatten ...

Der Kühlschrank ist mal wieder proppevoll,
was vor allem an den vielen Getränken liegt.
Als humorvoll erwies sich die Lebensmittelfachverkäuferin, die ich mit "Moin, tschulligung, wo gibbet denn hier Fisch?" ansprach. Knappe Antwort: "Nordsee, Ostsee, Tiefkühltruhe." - "Äh, okay, und Frischfisch?" - "Nordsee, Ostsee." Ah, jaaa. Sie wies mir dann den Weg zur Tiefkühltruhe und setzte hinzu, da gäbe es sogar Lachs. Wie süß. Zum Glück gab's da auch Rotbarbe, die brauchte ich nämlich.

Gestern war ich dann noch mal bei Struve, 'n büschen was Frisches holen, und hatte einen gut gelaunten Kassierer. Mit der Kundin vor mir diskutierte er darüber, dass es nicht schneller geht, mit fixen Tüten zu kochen, was sie nicht glauben wolle. Mit drei Kindern und Bernhardiner sei sie auf solche Helferlein angewiesen. Er bot ihr an, in seiner halbstündigen Mittagspause vorbei zu kommen, um das Gegenteil zu beweisen. Mich begrüßte er mit einem strahlenden "Schön, Sie heute hier zu sehen!" - nicht, dass wir uns vorher schon mal irgendwo gesehen hatten, aber ich ging gut gelaunt in den Nachmittag.
Die Woche war wieder fleichlastiger als mir lieb ist. Montag gab's gefüllte Paprikaschoten mit schnellem Jerk Chicken - Resteverwertung der Zutaten, die vom Nasi Goreng übrig waren. Dienstag war ich auf Ärztetour (vier Praxen in neun Stunden) und abends zu platt zum Kochen, also gab's nach dem Hantelschwingen Currywurst in der Sportlerkneipe.  Mittwoch gab's Cajun Burger mit Sweet Potato Fries. Die Fries wollten wir ausprobieren, seitdem wir sie im Diner kennenlernten. Donnerstag gab's dann den Blumenkohlauflauf nach Jamie Oliver. Freitag befand der Gatte, es sei zu kalt, um Lachs zu grillen und nahm sich ein Rindersteak aus dem Tiefkühler. Für mich gab's Pferdesteak, die hatte ich nämlich bei Struve entdeckt. Dazu gab's Maiskolben und Süßkartoffeln vom Grill mit Gewürzbutter.

Für heute Abend hätten wir noch zwei Portionen Blumenkohlauflauf und Salat. Mal schauen, wonach uns ist.

In der nächsten Woche werden wir so weit wie möglich aus dem Vorrat leben. Die beiden Tiefkühler sind nämlich mal wieder mehr als voll. Der Gatte wurde schon panisch, als er dort zwei Dosen mit Bouneschlupp unterbringen sollte ...

Freitag, 10. August 2012

Burger essen im Louisiana Othmarschen

Endless Summer Cocktail.
Früher, als wir unter der Woche noch öfter ins Kino gingen, waren wir vorher regelmäßig im Louisiana Othmarschen zum Essen. Irgendwann fanden wir es dann schöner, sonnabends zu Hause zu kochen und erst zur Spätvorstellung ins UCI zu fahren. In der letzten Woche beschlossen wir, wieder mal Kino und Louisana miteinander zu verbinden. Keine Ahnung, wie lange wir nicht mehr dort waren.

Der Gatte freute sich auf den Cajun Burger, wie er den Acadien Burger nennt. Ich saß etwas überfordert vor der Speisekarte, entschied mich schließlich für den California Grill Burger. Dazu gab's jeweils Cajun Fries, die mir, wie früher gelegentlich schon mal, unangenehm scharf vorkamen. Das freute den Gatten, denn er konnte meine Portion aufessen (und ich wurde auch so satt).

Während wir uns früher immer auf das Essen im Louisiana freuten, war der Gatte diesmal enttäuscht. Er behauptete, der Patty seines Burgers schmeckte wie einer von Lidl. Die kaufte er früher, bevor er befand, dass selbstgemachte Burger besser schmecken. Ich war mit der Qualität meines Burgers durchaus zufrieden.

Acadien Burger mit Cajun Fries.
California Grill Burger.
Kurzer Schnappschuss, bevor sich der Platz vor dem Lokal bis auf den letzten Platz füllte. Es war draußen einfach zu schön und drinnen viel zu stickig.
Der Service ist flink und freundlich wie immer, aber ich habe das Gefühl, dass wir zukünftig unsere Burger zu Hause essen. Dennoch: Das Lokal ist nett, um sich in geselliger Runde zu Bier oder Cocktail zu treffen Wenn Du an einem Freitag oder Sonnabend hingehst, erschrecke nicht, wenn plötzlich laute Musik erklingt, die Kellner hektisch vorm Tresen rumhüppeln und rhythmisch zucken: Das ist nur das Louisiana Dancing Team in Aktion.

Mittwoch, 8. August 2012

Arthurs Enkeltochter backt Camembert im Ofen mit grünem Pfeffer nach Wolkenfee und Chakall

Camembert aus dem Ofen, aufgeklappt, mit Honig,
grünem Pfeffer und Toast-Segel.
Lange haben Arthurs Enkeltochter, kurz "die AET" oder "das Kind" genannt, und ich nicht mehr miteinander gekocht. Wenn sie hier war, kam sie meistens direkt zum Essen. Das Kind isst halt lieber als dass es kocht. Wobei: Einmal kochte sie für mich Nudeln, und ich steuerte nur das Rauke-Petersilien-Pesto bei. Sie kann also kochen.

Die AET mag Ofenkäse und gebackenen Camembert, und so kam es, dass wir uns schon im Februar vornahmen, dieses Rezept nachzukochen. Jetzt war ein kühler Sommerabend, also passte es.

Wir waren ein wenig skeptisch, ob es nicht ein wenig zu schwierig für uns ist - immerhin sind es ganze drei Zutaten, von denen wir eine auch noch ersetzten - aber die Mutter wurde quasi live zugeschaltet und auch die virtuelle Kochgruppe fieberte mit uns mit.

Ums vorwegzunehmen: Wir haben das Rezept gemeistert! Uff! Tschakka! Aber mensch ahnt ja nicht, wieviel Diskussionsbedarf es für ein Rezept mit drei Zutaten geben kann, vor allem, wo eine von uns noch nie Camembert im Ofen machte. Dementsprechend mussten wir manchmal improvisieren.

Hier das Kochexperiment im Detail:

Hinter dem Ofenkäse ist der schicke
Toastständer zu sehen, den ich hier
schon lange mal zeigen wollte. Er stammt
vom Londoner Portobello Market.
AET: Das ist ja Camembert! Warum hast Du keinen richtigen Ofenkäse gekauft?

KK: Im Rezept steht, man soll Camembert in der Holzschachtel nehmen. Der Ofenkäse war inna Papptüte. [KK nimmt den Käse aus der Schachtel, um das Papier zu entfernen.] Du, kuckma, der Boden ist ja aus Pappe und nur angeheftet. Das ist ja gar keine ganze Holzschachtel! Ob das trotzdem geht? Nich, dass uns die Küche abfackelt!

AET: Nee, das wird schon gehen. Der bleibt ja nur kurz im Ofen.

KK guckt skeptisch, schneidet den Käse kreuzförmig ein, gibt Backpapier auf das Ofenrost, falls doch was nebenbei geht, stellt die Käseschachteln darauf und schickt sich an, Honig über den Käse zu geben.

AET, mit einem leichten Anflug von Panik in der Stimme: WAS MACHST DU DA?

KK, irritiert: Äh ... Im Rezept steht, dass ich Honig auf den Käse träufeln soll.

AET: Jetzt schon?!

KK: Ja.

Camembert mit Honigklecksen vor dem Ofen.
AET: Sicher? Normalerweise ritzt man den Käse nach dem Backen, klappt dann die vier Flügelchen auf und gibt den Käse nochmal in den Ofen, bis er braun ist.

KK trabt ins Arbeitszimmer zum PC, schaut noch mal nach, kommt in die Küche zurück und vermeldet: Camembert kreuzweise einschneiden, mit Honig beträufeln und in den Ofen. Kannich auch nix für, steht so im Rezept.

AET: Na, wenn das so im Rezept steht, machen wir das mal so. Ich mach' das abba imma anders. Von wem issen das Rezept?

KK: Von Chakall.

AET: Wer ist das? Kann der kochen?

KK: Ein Argentinier, lebt in Berlin und kocht bei Lanz im ZDF.

AET: Das guck' ich nich. Wassen das für'n komischer Honig?

KK: Aus Kroatien, Geschenk von Mudderns Nachbarn, die komm' von da, ham da Bienen und machen den selbst [schiebt den Käse in den Ofen.].

AET: Hast Du Brot?

Camembert aus dem Ofen mit Honig und grünem Pfeffer.
KK: Kannst Du nicht warten, bis der Käse fertig ist? Dauert doch nicht mehr lange!

AET: Nee, das Brot isst man zum Käse!

KK: Ach! Davon stand nichts im Rezept. Hab' mich schon gewundert, dass man den Käse so essen soll. Liegt doch schwer im Magen. Deswegen hab' ich noch das Wurzelgemüse und die gefüllten Champignons dazu. Hm ... Wir haben Toast.

AET: Okay, das passt [beginnt mit dem Toasten.]. Was steht denn noch im Rezept?

KK: Rosa Pfeffer. Hab' ich nicht gekauft. Ist kein Pfeffer und schmeckt nicht. Wolln wir stattdessen Lavendel nehmen? Oder was anderes? Nur was? Hibiskusblüten? Annatto seeds? Der Gatte sagte vorhin: Grüner Pfeffer.

AET, in trauter Eintracht mit der virtuellen Kochgruppe und dem Gatten: Grünen Pfeffer.

KK: Okay. Ich hab' aber auch noch Chutneys.

AET: Was sind Chutneys?

KK: Lecker. Äh, ach so: Sonne Art süß-saure Marmelade.

AET: Ich bleib' beim grünen Pfeffer. Nichts Süßes! Der Käse ist fertig. Wir können essen.

Camembert aus dem Ofen mit Honig und grünem Pfeffer

Zutaten für 2 Portionen:

2 Camembert in Holzschachteln oder Ofenkäse
2 TL Honig
1 TL Grüner Pfeffer, eingelegt

Zubereitung:

Ofen auf 180°C (Umluft) vorheizen.

Käse aus Holzschachtel und Papier nehmen, ohne Papier wieder zurück in die Holzschachtel geben und kreuzweise einschneiden.

Je einen Klecks Honig auf den Käse geben und ca. 10 Minuten im Ofen backen, bis der Honig verlaufen und die Oberfläche des Käses leicht gebräunt ist.

Käse auf Teller geben, grünen Pfeffer darauf verteilen und mit Brot und Chutneys servieren.

Für das Rezept braucht mensch nur drei Zutaten. Drei? Da war doch was? Genau!

Geschenke für 3 Jahre Arthurs Tochter kocht

Montag, 6. August 2012

Rezension: Der Toten gedenken – Indische Frauen bitten zu Tisch von Bulbul Sharma

Der Toten gedenken - Indische Frauen bitten zu Tisch (Front-Cover)Manchmal ist das virtuelle Leben merkwürdig: Kurz nach einer FB-Plauderei über Blumenkohlcurry sehe ich, dass Blumenkohl das Juli-Thema im Gärtnerblog ist und stolpere bei Blogg Dein Buch über das Cover von „Der Toten gedenken – Indische Frauen bitten zu Tisch“. Bei so viel Blumenkohl auf einmal bewarb ich mich gleich um das Buch und bekam ein Rezensionsexemplar.

Das Cover ist schon ein wenig blutrünstig. Ich musste spontan an ein im Hirn steckendes Messer denken. Die Assoziation zum Krimi aber kam mir nicht (das Buch ist auch kein Krimi), aber zum Kochbuch, weil ich kochbekloppt bin und wegen des Untertitels, und so war ich dann doch ein wenig enttäuscht, dass in dem Buch keine Rezepte sind. Um es vorweg zu nehmen: Das ist, neben einem fehlenden Glossar, aber auch schon der einzige Wermutstropfen. Das Buch ist ansonsten sehr lesenswert und zieht den Kauf eines indischen Kochbuchs nach sich.

In dem schmalen Buch stecken eine Fülle von Schilderungen und Erlebnissen des Alltags indischer Frauen, eingebettet in einen Leichenschmaus zu Ehren des Todestags des Familienoberhauptes Bhanurai Jog. Es ist Sitte, dass die Frauen aus seinem engen Umfeld all die Lieblingsmahlzeiten des Verstorbenen als Leichenschmaus persönlich zubereiten, und so treffen sich morgens um sechs neun Frauen unterschiedlichen Alters, bereiten die Zutaten vor und die Speisen zu und kommen dabei ins Erzählen. Vorher war die Hauptköchin sogar schon auf dem Markt – den Frauen steht also ein langer Tag bevor.

So wichtig wie die Auswahl der Zutaten ist auch, wer sie verarbeiten darf. So wird der Kürbis traditionell von der zweitältesten Frau geschnitten, die gemeinsam mit der ältesten die Gemüseschneider anführt und auf keinen Fall schnell schneiden darf als die älteste.

In dem schmalen Buch sind neu Geschichten gesammelt, kurze Geschichten, die sich zügig hintereinander weg lesen lassen. Sie handeln beispielsweise von einer jungen Frau, die von ihrem Mann betrogen wird und die Dinge, die sie auf diesen Betrug hinweisen, wie Kinokarten, sammelt, ohne zu wissen, was sie damit machen wird, wie Souvenirs aus einer für sie verschlossenen Welt oder von einer alten Frau, die, verwitwet, von ihrer Familie getrennt in London lebt, wo ihr Mann durch einen Sprung aus einem Hotelfenster starb. Jetzt, alleinstehend, ist sie wie gestrandet in einer für sie noch immer fremden Welt, während ihr Sohn in den USA lebt und nicht daran denkt, seine Mutter zu sich zu holen.

Das Buch zeigt auf wunderbare Weise, dass Familien und Familienbande überall auf der Welt gleich funktionieren, denn auch jemand wie ich, dem Indien sehr fremd ist, erkennt in den von Sharma geschilderten Dramen des alltäglichen Lebens durchaus den einen Verwandten oder die andere Verwandte wieder – oder sich selbst. Sharma charakterisiert ihre Figuren knapp, treffend und liebevoll. Das Büchlein mit witzigen, bewegenden und traurigen Geschichten lässt sich flott lesen, die Sprache ist sehr anschaulich.

Interessant ist der Verlag epidu, den ich vorher genauso wenig kannte wie die Autorin. Epidu ist Deutschlands erster Web 2.0-Verlag, das heißt, die Leser bestimmen u.a. über Facebook mit, welche Manuskripte erscheinen. Ein spannendes Konzept, trifft doch die digitale Welt auf nicht-löschbare nicht-lineare Datenspeicher. In Indien erschien das Buch bei Zubaan, einem unabhängigen feministischen Verlag. Gerne erführe ich mehr über die Autorin als dass sie als Künstlerin, Autorin und Lehrerin für behinderte Kinder arbeitet, früher einmal russische Literatur in Moskau studierte und ein Buch über die Vogelwelt Indiens illustrierte. Google half ein wenig. Hier und hier gibt es ein wenig mehr über sie zu erfahren, und hier gibt es ein Video mit ihr zu sehen. Hier kannst Du "Der Toten gedenken" kaufen. Ich hoffe, dass weitere Bücher von Bulbul Sharma ins Deutsche übersetzt werden.

Sonntag, 5. August 2012

Szenen einer Ehe: Ausgleichende Gerechtigkeit

Es gibt ein paar Verhaltensweisen des Gatten, die mich auch nach zwölf Jahren noch auf die Palme bringen können. Umgekehrt gibt es an mir natürlich nichts auszusetzen. Ich bin pflegeleicht und liebreizend *hüstel*

So sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass der Gatte die Wohnung umbaut, sobald ich einen Fuß aus der Tür setze, mindestens eine Nacht aushäusig bin und er frei hat. Bis ich ihn kennenlernte, dachte ich, das Umräum-Gen hätten nur Frauen. Seit ich ihn kenne, kann es passieren, dass ich mich nach einem aushäusigen Wochenende abends auf’s heimische Sofa fallen lassen möchte und auf dem Laminat lande, weil das Sofa umzog.

Wenn bei uns was rum steht, denke ich „Das müsste mal weggeräumt werden ... Morgen ...“ Der Gatte hingegen denkt „Wir brauchen ein neues Regal! Sofort!“ So ist jeder Millimeter der Wohnung mit Regalen zugehängt, und der heimwerkende Gatte lässt sich da ganz bezaubernde Konstruktionen einfallen, die jeden Tischer erblassen lassen – vor Neid oder vor Schreck, ich bin mir da nicht immer so sicher.

Als ich nach sechswöchiger Reha nach Hause kam, war mir klar, dass meine Abwesenheit nicht ungeschoren an der Wohnung vorüber gegangen sein kann. Der Gatte erzählte von mitwachsenden Tomatenschutzkonstruktionen, die er baute. Von verlegten Platten im Garten. Von Fotoregalen im Esszimmer. Von angeschraubten Türknöpfen an der Wohnzimmerschrankwand. Von neuen Gartenstühlen und neuen Auflagen dafür.

Er erzählte nicht vom selbstgebastelten neuen Küchenwagen, der die zweite Küchentür blockiert. Und vom umgehängten Tupperdeckelregal, das er dort anbrachte, wo er eigentlich meine Trophäensammlung, also Autogrammkarten von Köchen und Restaurantsouvenirs, anbringen sollte. Das durfte ich selbst entdecken. Abends fragte er mich, ob ich die Veränderungen in der Küche bemerkte. „Mmmm“, meinte ich einsilbig.

Der Gatte sollte mich gut genug kennen, um zu wissen, dass Einsilbigkeit bei mir kein gutes Zeichen ist. Und dass er schon gar nicht hinzusetzen sollte: „Also, meiner Mutter gefällt das richtig gut!“ Es könnte nämlich sein, dass ich auf die Bemerkung für einen kurzen Moment nicht entspannt reagiere.

Okay, der Gatte kennt mich auch nach zwölf Jahren immer noch nicht gut genug.

NEIN, ICH SCHRIE NICHT!

Ich versuchte lediglich, meiner unermesslichen Freude über diesen Rammbock im Durchgang zum Esszimmer angemessen Ausdruck zu verleihen.

Nachdem ich meine Palme wieder verlassen hatte, blätterte ich im Metro-Prospekt und fand eine Kompressor-Eismaschine. Die wollte ich schon lange haben. Der Gatte verweigerte die Anschaffung, weil: „Wir haben zu wenig Arbeitsfläche! In der Küche steht schon so viel rum!“

Mmmmm …

Moment …

Wir haben doch jetzt bummelig 80 cm mehr Arbeitsfläche, weil dieses Trumm die Esszimmertür blockiert. Abends fragte Mudderns, was ich mir zum Geburtstag wünsche. „Eine Eismaschine!“, meinte ich bestimmt.

Küchenmaschine unter der Decke im
Londoner Science Museum.
 
Eine Woche später durfte der Gatte die Eismaschine erst aus dem Metro-Regal in den Einkaufswagen, dann aufs Kassenlaufband, ins Auto und in die Wohnung wuchten. Aus dem Karton und auf die Arbeitsplatte wuchtete ich sie dann ganz alleine.

Seitdem ist bei uns Eiszeit.

Am nächsten Tag meinte der Gatte mit verkniffenem Mund: „Du weißt, dass in der Werkstatt auch noch die Küchenmaschine von meiner Mutter steht, die Du unbedingt haben wolltest?! Wohin soll die denn jetzt bitte?“

Mmmm …

Moment ...

Ich hab's: Unter der Decke hängt noch nichts!

Samstag, 4. August 2012

Rückblick: Wochenplan und Kühlschrank KW 31

Als wir letzten Sonnabend zum Markt wollten, brach gerade eine Wolke. Der Gatte guckte missmutig aus dem Fenster und meinte, er wolle da nicht raus. "Dann müssen wir das Huhn im Supermarkt kaufen", gab ich zu bedenken. "Nein!", beschied er, "die Hühner kaufe ich nicht mehr! Und überhaupt, bei dem Wetter mag ich nicht grillen!" Also gab's abends Spaghetti carbonara.

Sonntag sagte sich die werte AET zum Essen an. Es gab Ofenkäse, das restliche Wurzelgemüse und die restlichen gefüllten Champignons.

Montag wollten wir eigentlich auswärts essen und ins Kino, blieben dann aber doch zu Hause, was gut war, denn sonst wäre uns womöglich diese Überraschung entgangen. Der Gatte machte Klopse mit Bohnen und Kartoffeln. Davon aßen wir dann auch noch Dienstag.

Mittwoch holten wir das geplante Auswärts-Essen nach.

Blick in den Kühlschrank der
31. Kalenderwoche.
Da der Gatte ein Kilo Bohnen kaufte, was für zwei Personen als Beilage dann doch irgendwie zu viel war, machte ich aus dem Rest Donnerstag Bouneschlupp, die auch für Freitag gereicht hätte, da ich am Vortag keinen Hunger hatte. Irgendwie leide ich momentan an Appetitlosigkeit. Na ja, kann mir nichts schaden. Da wir Freitag Lust auf Nudeln hatten, wurde die Suppe eingefroren, gab's stattdessen Spaghetti carbonara.

Keine Ahnung, was wir heute kochen. Die Zutaten für das Nasi Goreng und den Blumenkohl mit Scampi wären noch da. Vielleicht grillen wir, dann plane ich das Gemüse für die nächste Woche ein.

Der Kühlschrank zeigt sich ziemlich voll, was an diversen Bier- und anderen Flaschen und den Milch-Tetrapacks auf dem untersten Bord liegt. Dort lagert auch das Hack, das der Gatte morgens kaufte. Ich wäre lieber Montag oder Dienstag zum Schlachter gefahren. Sei's drum. Lange werde ich eh' nicht mehr den Luxus haben, zum Schlachter gehen zu können, weil meine Arbeitszeiten, wenn ich wieder voll arbeite, mit seinen Öffnungszeiten kollidieren.

Im Gemüsefach sind Blumenkohl, Wurzeln, Zucchini, Obst und Paprika. Im "Milchregal" sind noch ein paar von den Bananen-Toffee-Törtchen, die ich zwei Tage zuvor machte. Ansonsten enthält der Kühlschrank etwas mehr Käse als sonst.

Donnerstag, 2. August 2012

Weiße Mandeltorte hoch drei

Weiße Mandeltorte. Für mich. Und für Arthurs Tochter.
Ausgerechnet 'ne Drei will sie. Dabei fällt mir bei ihr eher 'ne Eins ein. Genauer gesagt: One. One singular sensation. One thrilling combination. One smile and suddenly nobody else will do. You know you'll never be lonely with you know who. One moment in her presence and you can forget the rest for the girl is second best to none. Und jetzt alle einstimmen in die Chorus Line: "Sheeeee's the ooooooneeee!"

Aber gut, sie will 'ne Drei. Weil sie Geburtstag hat. Nein, sie wird nicht drei. Auch wenn mensch das manchmal denken könnte. Ihr Blog hat Geburtstag. Und die Quersumme ihres Alters, das vier Wochen vor ihrem Geburtstag auch meines wurde, ist 9, und 3 x 3 ist 9. Doch, das stimmt. Ich habe den Gatten befragt. Und den Taschenrechner. Außerdem: Die 9 lässt sich nur drei Mal teilen: Durch 9, durch 1 und durch 3. Auch da habe ich sicherheitshalber den Gatten und den Taschenrechner befragt, denn ich bin ein Mathe-DAU.

Also gut, die Drei. Ich hab 'n büschen die kabbalistische Zahlenmysthik bemüht und im Sohar geblättert. Ich hab' mal gelernt, dass Männer den Sohar nicht lesen sollen, bevor sie 30 (da ist die Drei schon wieder) sind, weil sie sonst irre würden. Ich las ihn zum ersten Mal, als ich 22 war. Ich bin ein Mädchen. Für mich gilt so was nicht. Oder doch? Sie schreibt jedenfalls über mich: "Is(s)t total irre." Ich habe keine Ahnung, wie sie darauf kommt. Gegen Irrsinn hilft aber auch die Drei. Sie vermittelt zwischen den Gegensätzen, sorgt für Erdung zwischen Körper, Seele und Geist. Seele kann mensch nicht genug haben. Der Sohar geht deswegen auch von der Dreiheit der Seele und ihrer Zusammenfassung in drei Stufen aus: Nefesch, die Triebseele; Ruach, der Bestand, der über die Seele waltet, und Neschama, die oberste Seelenstufe.

Weiße Mandeltorte, diesmal ohne Kerzen-Gelbstich.
Nachts verläßt Nefesch den Körper des schlafenden Menschen. Rabbi Schimon meint, sie steige zahllose Stufen hinauf, um im Idealfall das Antlitz Gottes, des Königs, zu erblicken, aber wer weiß das schon so genau? Ihre rennt vielleicht lieber durch die Weinberge. Keine Ahnung, was meine macht. Stufen sind ihr sicher zu anstregend. Meine Seele ist eher der Fahrstuhltyp, zumindest, seitdem sie nicht mehr beruflich über viele nabatäische Stufen auf jordanische Berge keuchen muss. Vielleicht wird sie zu einer Cheshire Cat und gönnt sich einen langen, dunklen Fünf-Uhr-Tee. Ich frage sie, wenn ich sie das nächste Mal sehe.

Außerdem ist so 'ne Seele 'n komplexes, empfindliches Gebilde, kann schon mal aus dem Takt kommen und sich verlaufen. Da tun Weinberge gut. Oder, in Ermangelung derselben, auch nur der Wein.

Okay, okay, ich schweife ab. Auch ich kann in vielen Worten wenig sagen. Hier geht's ja eigentlich ums Kochen. Oder, in diesem Fall, ums Backen. Wobei der Sohar auch dazu was zu sagen hätte, zum Beispiel über den bösen Trieb als Sauerteig. Daraus könnte mensch Brot backen, und mit Broten, nicht nur mit denen, um die mensch drei Mal laufen muss, hat sie so ihre Erfahrungen. Aber Sauerteig brauchen wir heute nicht, denn wir backen eine Mandeltorte, genauer gesagt, eine weiße Mandeltorte, die aus - natürlich - drei Komponenten besteht.

Cover des aktuellen Ella Danz-Krimis.
Copyright: Gmeiner Verlag.
Das Rezept stammt aus dem Krimi "Geschmacksverwirrung" von Ella Danz, den ich Dir sehr ans Herz lege, weil er spannend, packend und kulinarisch ist. Außerdem geht's ums Bloggen, um industrielle Lebensmittelproduktion, Lebensmittelskandale und Massentierhaltung. Passt also.

Bemerkenswert ist bei diesen kulinarischen Krimis außerdem, dass die Rezepte funktionieren. Manchmal sind sie ja nur lieblos zusammengeklatscht, dass selbst ich schon beim Lesen merke, das kann nicht funktionieren. Hier nicht. Dass mir der Mandelbiskuit abschmierte, lag also nicht am Rezept, sondern an mir, weil ich Doof die Mandeln nach dem Häuten  und vor dem Mahlen nicht trocknen ließ. Wenn Du also Deine Mandeln auch selbst häutest statt gehäutete zu kaufen, planst Du besser einen Tag Vorlaufzeit ein. Die Torte schmeckt außerdem am Besten, wenn sie mindestens einen Tag durchgezogen ist. Also: An Tag eins Mandeln schälen, an Tag zwei backen, an Tag drei essen. Hier geht's um die Drei, falls Dir das noch nicht klar war.

Seit dem ersten Kontakt mit dem aktuellen Krimi von Ella Danz, die ich bislang als Autorin nicht kannte, kaufe ich mir auch die anderen sechs Krimis rund um den kochenden Kommissar Georg Angermüller, den es aus Franken nach Lübeck verschlug. Momentan bin ich bei Band drei. Da ist sie schon wieder, diese magische Zahl.

Geschenke für 3 Jahre Arthurs Tochter kocht

Weiße Mandeltorte

Wenn Du Dich entscheidest, die Mandeln selbst zu enthäuten,
leg' sie eine Zeitlang in warmes Wasser. Sie lassen sich
dann ganz leicht aus der Haut drücken. Danach müssen
sie gut trocknen, ehe sie weiterverarbeitet werden können.
Zutaten für eine 26er Springform:

Für die Tortenböden:
Für den Mandelteig:
6 Eier, getrennt
250 g abgezogene fein gemahlene Mandeln
250 g Kristallzucker
1 - 2 EL Mehl

Für den Mürbeteig:
100 g Mehl
65 g kalte Butter
30 g Kristallzucker
1 EL Vanillezucker

Die fertig gehäuteten Mandeln.
Für die Füllung:
50 g Stärkemehl (im Original 1 Päckchen Mandelpudding für 0,5 l Milch)
0,5 l Milch
2 EL Kristallzucker
250 g zimmerwarme Butter
150 g gemahlene Mandeln

Außerdem:
4 - 5 EL Erdbeermarmelade (im Original Johannisbeergelee)
100 g abgezogene, ganze Mandeln
250 g Puderzucker
ca. 6 EL Rum

Zubereitung:

Für die Füllung Milch, Stärke und Zucker zu einem Pudding kochen, in eine Schüssel füllen und diese abdeckeln, mit Folie bespannen oder den Pudding beim Abkühlen regelmäßig umrühren, damit sich keine Haut bildet. Wenn's draußen warm ist, kann die Schüssel auch gut in den Kühlschrank, dann kühlt die Masse schneller (keine Angst, der Kühlschrank geht nicht kaputt, wenn man ihn mit warmen Massen füttert).

Während der Pudding abkühlt, den Mandelteig vorbereiten. Dafür das Eiweiß steif schlagen, dann das Eigelb mit dem Zucker zu einer schaumigen Creme rühren. Eiweiß, Mandeln und Mehl vorsichtig unter die Creme heben, dann die Masse in eine gefettete und bemehlte Springform füllen und bei 160°C (Umluft) zwischen 30 Minuten und 45 Minuten backen. Auskühlen lassen und aus der Form nehmen. Mit einem Tortenschneider, einem Draht oder einem Messer in drei dünne Böden teilen.

Solange der Mandelteig auskühlt, alle Zutaten für den Mürbeteig schnell zu einem glatten Teig verkneten (ich mache den Anfang immer mit dem Handrührgerät und nehme erst zum Schluss die Hände, damit der Teig nicht so schnell warm wird), in eine Folie wickeln und ca. 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.

Ist der Mandelteig abgekühlt und aus der Form genommen. die Form erneut fetten, bemehlen, mit Backpapier auslegen, den Mürbeteig auf Springformgröße ausrollen, in die Form geben und bei ca. 160°C (Umluft) 12 Minuten bis 15 Minuten backen. Abkühlen lassen, vorsichtig aus der Form und vom Backpapier nehmen und auf eine Tortenplatte legen.

Mittlerweile dürfte auch der Pudding abgekühlt sein und wird mit Butter und Mandeln zu einer Creme vermischt. Ggf. nochmal mit Zucker abschmecken.

Den Mürbeteigboden dünn mit Erdbeermarmelade bestreichen, darüber einen Mandelboden legen und die Hälfte der Buttercreme darauf geben. Den zweiten Mandelboden darauf geben, dann den Rest Buttercreme und den dritten Mandelboden. Die Torte im Kühlschrank fest werden lassen.

Puderzucker mit Rum glattrühren. Dafür den Rum esslöffelweise zugeben und darauf achten, dass der Puderzucker nicht zu flüssig wird. Die Torte mit dem Guss überziehen und mit den ganzen Mandeln dekorieren.

Da bei mir der Mandelbiskuit abschmierte und ich nur zwei Mandelböden hatte, verzichtete ich auf den Guss. Stattdessen gab ich die übrige Buttercreme an den Kuchenrand und warf reichlich Zuckerkonfetti hinterher, um Unebenheiten zu verbergen.