Montag, 8. Juli 2013

Rezension: "Rohvolution" von Chantal-Fleur Sandjon

Arthurs Tochter möchte jeden Tag ein gebloggtes Genussbuch haben. Kann sie haben. Na ja, fast. Bücher, Genussbücher, über die ich bloggen könnte, habe ich zwar reichlich, aber gerade in dieser Woche passt es irgendwie so gar nicht.

Praktischerweise habe ich hier allerdings gerade zwei Rezensionsexemplare liegen, und so kommt heute und morgen dann doch ein Buch. Übermorgen, überübermorgen und Freitag kommt dann das Fernsehen, und ich erwarte, dass Du dann kurz mal die Bücher aus der Hand legst und guckst. Genauer gesagt: Zuguckst. Nämlich mir. Beim Kochen. Im Färnsähn.

Aber bis es so weit ist, wird gelesen.

"Rohvolution" ist perfekt für Einsteiger oder für Menschen wie mich, die sich wieder an die Rohkost herantasten und vergessenes Wissen auffrischen möchten. Sandjon versteht ihr Buch auch als Einsteigerprogramm, und dementsprechend dreht sich in den ersten Kapiteln alles um das Wieso-Weshalb-Warum der Rohkost-Ernährung.

Rohkost wird zur "Superhelden-Nahrung" und zum "Anti-Aging-Jungbrunnen", macht schlank, fit, sexy, gesund und ausgeglichen.

Nun, ob schlank gleich gesund, fit und sexy ist, darüber kann mensch zum Glück trefflich streiten - gelegentlich geht halt die Begeisterung mit der Autorin durch, wird der Mythos gepflegt, dass der Körper entgiftet werden müsse. Da ist mir das Buch dann schlicht zu reißerisch.

Auf der Suche nach Alternativen zur Kantine und zur Fressemeile kam mir auf dem Rezensionsportal "Lovelybooks" das Buch "Rohvolution" von Chantal-Fleur Sandjon unter, und ich dachte mir: "Warum nicht mal wieder Rohkost probieren?!" Für's Büro scheint sie perfekt, umso mehr, da ich keine Möglichkeit habe, mein Essen aufzuwärmen. Früher aß ich mehr Rohkost, es tat mir gut, so dass mir der Schritt hin zu mehr Rohkost leicht fiel.

Okay, Du fragst Dich vielleicht: "Rohkost und Genuss, geht das zusammen?!" Doch, das geht! Gut sogar, wenn mensch, so wie Sandjon, nicht sauertöpfisch-verbissen an die Sache heran geht. Sie hat Spaß am Essen und vermag das zu vermitteln.

Schon zu Beginn war mir klar, dass ich ganz sicher nicht zum hundertprozentigen Rohköstler werde, denn auf Dauer möchte ich weder auf Brot oder Kuchen noch auf warme Mahlzeiten verzichten; auch, weil das hieße, dass der Gatte und ich unterschiedliche Mahlzeiten zubereiten. Aber zum Glück ist das Buch auch gar nicht darauf ausgelegt, Menschen zur Rohkost als allein seligmachende Kost zu bekehren. So konnte ich mir das mitnehmen, was mir zusagt.

Schade finde ich, dass Sandjon der Rohkost das Etikett "saisonal und regional" aufzwängt bei gleichzeitiger Verwendung von Melone, Kiwi, Zitrone, Orange, Banane, Avocado, Ananas, Mango, Kokosnuss usw. Okay, im kosmischen Gesamtzusammenhang betrachtet, kommen alle diese Obst- bzw. Gemüsesorten von der Erde, aber sind sie deswegen regional?! Meiner Meinung nach ist Rohkost saisonal und regional kaum machbar, muss auf Importware zurückgegriffen werden.Das zeigt auch der Blick in den Saisonkalender von Obst und Gemüse, der ebenfalls im Buch zu finden ist. Dieses Etikett finde ich trügerisch.

Nach viel Theorie, die durchaus unterhaltsam zu lesen ist, widmet sich das Buch im zweiten Teil dann dem Selbstversuch. Es gibt zwei Einstiegsprogramme über 7 bzw. 21 Tage und Rezepte, um den Einstieg in die Rohkost zu erleichtern. Ich habe auf die Einstiegsprogramme verzichtet - hätte ich Urlaub gehabt oder wollte ich komplett auf Rohkost umsteigen, hätte ich sie vielleicht gemacht, aber so kaufte ich sonnabends ein und begann mein Überwiegend-Rohkost-Leben spontan.

Sehr gut gefällt mir, dass Sandjon auch zu den Küchengeräten Stellung nimmt,die für die Zubereitung notwendig sind - oder eben auch nicht. So sind ein Entsafter oder ein Dörrgerät natürlich praktisch, aber Sandjon schreibt auch, dass für den Anfang Pürierstab und Backofen ausreichen. Wenn ich da an den kochenden Duracell-Hasen denke, der meinte, es sei notwenig, für 600 Euro Küchengeräte zu kaufen, ehe man mit dem Kochen nach seinem Buch anfangen kann, ist mir Sandjons Einstellung erheblich sympathischer. Bislang kaufte ich mir lediglich zwei zusätzliche Halb-Liter-Glasflaschen, um Rohkostsäfte zu transportieren. Aktuell überlege ich mir, diesen Standmixer zuzulegen. Oder diesen Entsafter. Mal schauen ...

Der Rezeptteil ist relativ klein, macht nicht einmal die Hälfte des Buches aus, reicht aber zum Einstieg. Die Rezepte sind eher sommerlich - Tipps für einen Rohkost-Winter gibt es kaum, außer, die Nahrung dann auf 42 Grad vorzuwärmen. Nur fehlt mir eine Anleitung, wie ich mit Rohkost durch den Winter komme, welches Obst und Gemüse ich da verarbeiten kann. Okay, mit dem Saisonkalender kann ich mir was basteln, aber Rezepte für diese Jahreszeit hätte ich hilfreich gefunden, denn nicht alle steigen ja im Sommer in die Rohkost-Ernährung ein.

Fazit: Zum (Wieder-)Einstieg in das Thema Rohkost ist das Buch gut geeignet. Hier gibt es vier Beispielrezepte zum Nachkochen.

Und hier geht's zur Übersicht aller Blogs, die an der Aktion "Jeden Tag ein Buch" teilnehmen

Kommentare:

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