Montag, 16. Dezember 2013

Rezension: Love, Chill & Grill

(c) Rösle
"Wintergrillen? Warum holste dir dazu ein Kochbuch? Da brauchst doch nur mich zu fragen!" grumpfelte der Gatte. Ein ganz klein wenig überschätzt er sich zwar damit, in diesem Fall liegt er aber gar nicht so verkehrt.

Als ich mich bei Blogg dein Buch um dieses Buch von Rösle bewarb, hatte ich irgendwie verdrahtet, dass es im Wesentlichen um Wintergrillen geht. Als das Buch eintraf, lag auch eine Broschüre zum Thema Wintergrillen bei, und die aktuelle Ausgabe des Rösle-Magazins geht auch darauf ein. Im Kochbuch "Love, Grill & Chill" findet dieses Thema allerdings weitgehend nicht statt. Hier gibt es einen Blick ins Buch mit vier Rezepten.

Aber der Reihe nach.

Als Autor zeichnet Frank Heppner verantwortlich. Der kann was! Ich kenne wenigstens einen Profi, der von ihm viel lernte und schwärmt. Das weckt natürlich Erwartungen bei mir. Die werden auch erst mal bedient: Das Buch ist hochwertig aufgemacht mit Hardcover, Lesebändchen und schönen Fotos. Eine Doppelseite widmet sich den 10 Regeln für garantierten Grillerfolg. Ich stelle fest; Das Buch ist für Holzkohlegrills ausgelegt. Macht nichts, das kann man ja auf einen Gasgrill adaptieren.

Im folgenden Kapitel mit dem Untertitel "Die Reifeprüfung des Grillmeisters" lüpft sich meine rechte Augenbraue leicht angesichts des Tipps, das Fleisch anfangs mit hohen Temperaturen zu braten, damit sich die Poren des Fleisches schließen. Fleisch hat keine Poren. Fleisch besteht aus Muskelzellen. Ich bin mir sicher, Heppner weiß das. Ich vermute, er las das Buch, das unter seinem Namen erschien, nicht.

Die folgenden Doppelseiten beschäftigen sich mit Beilagen, dem, was auf den Grill kommt und warum Bier zum Grillen gehört. Glühbier sei das Getränk der Stunde, wenn es ums Wintergrillen geht, erfahre ich. Interessant. Immerhin, auf Seite 14 fällt zum ersten Mal das Wort "Wintergrillen". Ein Rezept für Glühbier? Fehlanzeige! Nur der Hinweis, dass einige Brauereien es in Flaschen abgefüllt verkauften. Ich kenne keine. Das macht aber auch nichts. Glühbier wäre für den Gatten ein Scheidungsgrund.

Dann geht's um Zubehör, Salate, Saucen und schließlich um hartnäckige Vorurteile über Frauen am Grill mit der rhetorischen Frage, ob das am Ende vielleicht doch keine Vorteile sind? Meine gelüpfte rechte Augenbraue bekommt Gesellschaft von der linken angesichts von Sätzen wie "Frau am Herd - Goldes wert. Frau am Grill - niemand will!", "Frauen überlassen einen Grill freiwillig jedem Mann, denn sie haben Angst vor Feuer", Schürzen seien nur was für Frauen und Weicheier und Männer blieben beim Grillen am Liebsten unter sich, da Frauen nur meckern. Okay, ich weiß, in Bayern gehen die Uhren anders, aber dass sie gleich Jahrhunderte nachgehen ...

Vielleicht fehlt mir ja auch nur der Humor, denn mit dem folgenden Kapitel über die "Grill-Kunst" kann ich auch nur wenig anfangen. Wie viele Künstler "Grill" mit Nachnamen heißen, wollte ich schon immer mal nicht wissen.

Nun beginnt das eigentliche Kochbuch, das in vier Kapitel aufgeteilt ist, benannt nach den vier Elementen Erde, Feuer, Luft und Wasser. Wieso? Keine Ahnung und keine Erklärung. Ich dachte spontan, bei "Erde" kommen Gemüserezepte für alles, was unter der Erde wächst, aber soweit ich weiß, wachsen weder Geflügel noch Rind oder Kaninchen unter der Erde. Bei "Wasser" gibt es immerhin zahlreiche Rezepte für Fisch und Meerestiere, "Luft" versammelt wohl die Rezepte mit vielen Aromen und "Feuer" die, die scharf sind, so meine Vermutung.

Für jedes Rezept gibt es eine Doppelseite, zu der auch ein appetitanregendes Foto gehört. Die Rezepte werden teilweise ergänzt durch Tipps aus der Profiliga, die größtenteils aber keine Neuigkeiten sind für ambitionierte Hobbyköche, und Smalltalk wie "Winter-Grillen ist jetzt total in. Das könnten wir auch mal machen, mit Glühbier, Steaks und Grilläpfeln ..." Da ist er, der zweite Hinweis auf das Wintergrillen. Wer jetzt im Buch nach einem Rezept für Grilläpfel sucht, sucht vergeblich.

Aber vielleicht sind die Rezepte ja winterlich?

Ähm ... Nö ... Nicht wirklich. Jedenfalls, wenn man einigermaßen saisonal kocht. Gegrillter Spargel auf Rucola mit Radicchio im November? Mexikanische Tomatensalsa im Dezember? Schaumsuppe vom jungen Frühlingslauch im Januar? Lollipop mit Aromen aus dem Garten im Februar? Hähnchenschenkel mit gegrillter Ananas und gegrillter Wassermelone im März?

Wo bleiben Wild und Gans? Immerhin: Ein Rezept für Entenbrust gibt es. Wo bleiben Kürbis, Kohl, Maronen? Rösle hat eine Grill- und Maronenpfanne im Angebot, aber das passende Rezept ist Fehlanzeige, genau wie Grilläpfel. Auch die Fotos sind größtenteils eher frühlingshaft / sommerlich.

Schade, da wäre mehr gegangen!

Alle gekennzeichneten Zitate wurden aus dem rezensierten Buch entnommen.

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