Freitag, 1. August 2014

Rezension: "Sibirischer Wind" von Ilja Albrecht

Bei seinem Morgenspaziergang am Wannsee wird der 72-jährige Industriemagnat Friedrich Lautenschläger brutal zusammengeschlagen und erschossen.

Für Kiran Mendelsohn, der gemeinsam mit dem eigenwilligen Kommissar Bolko Blohm die Ermittlungen leitet, tut sich ein Abgrund aus illegalen Machenschaften, Waffen- und Menschenhandel auf.

Doch nichts kann ihn vorbereiten auf die Skrupellosigkeit des wahren Killers, der eine Seite in Kiran weckt, die der junge Ermittler eigentlich für immer vergessen wollte.*

Sibirischer Wind“ ist der erste Roman von Ilja Albrecht, im Juni diesen Jahres erschienen bei Blanvalet - Randomhouse. Der 47jährige gebürtige Frankfurter lebt nach Stationen in Berlin und den USA inzwischen mit seiner Frau auf Malta. Im Brotberuf ist Abrecht Diplom-Kommunikationswirt.

Im Mittelpunkt des Krimis steht das Team um Profiler Kiran Mendelsohn und Kommissar Bolko Blohm, der gerade aus Hamburg nach Berlin versetzt wurde. Das Team wurde für die Ermittlungen neu zusammengesetzt - die besondere Stellung Lautenschlägers und seine Handelsverbindungen in den Ostblock machen ein besonders sensibles Vorgehen notwendig. Es besteht aus unterschiedlichen Charakteren, die sich erstmal zusammenfinden müssen. Bei Mendelsohn kommt hinzu, dass er eigentlich nicht mehr im Feld, sondern lieber im Hintergrund arbeiten möchte, nun aber gemeinsam mit Blohm die Ermittlungen leitet.

Entspannung von dem ausgesprochen komplexen Fall finden Mendelsohn, Blohm und ihr Team im Bistro Lloyd's, praktischerweise im Erdgeschoss von Mendelsohns Wohnhaus gelegen - Mendelsohn kocht, isst und trinkt gerne und reißt mit diesen Vorlieben auch sein Team mit.

Bevor das Team den Fall lösen kann, nimmt er einige unverhoffte Wendungen - "Sibirischer Wind" ist nicht nur ein Krimi, sondern auch eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte von den 1940er Jahren bis heute. An Verdächtigen mangelt es nicht; die Auflösung der Geschichte ist kaum vorhersehbar.

Albrechts Schreibe ist frisch, voller Wortwitz und spritziger Dialoge. "Sibirischer Wind" liest sich entsprechend flott - am Besten an einem ungestörten Wochenende. Alle Charaktere sind ausgesprochen liebevoll und detailliert gezeichnet, genau so wie ihr Umfeld. Dennoch stehen nicht die Ermittler im Mittelpunkt, sondern der Fall.

Ich mag Protagonisten mit Ecken und Kanten, und wenn ich das Gefühl habe, sie werden für die Dauer des Lesens ein Teil meiner Welt, hat mich ein Autor - Albrecht landete bei mir also einen Volltreffer, ich freue mich auf die Fortsetzung im nächsten Jahr.

Hier geht's zur ausgesprochen lesenswerten Homepage des Autors, auf der es auch Rezepte zum Buch gibt. Bei mir findest Du Dienstag das Rezept für den Bayerischen Shepherd's Pie, der für Mendelsohn und Blohm Grundlage für eine lange Nacht sein könnte, hätten sie sich nicht im letzten Moment für Haggis entschieden.

* Die ersten drei Absätze sind aus dem Verlagspressetext übernommen. Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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