Sonntag, 28. August 2016

Szenen einer Ehe: Einsatz in vier Wänden

Der alte Röhrenfernseher im Wohnzimmer zickt. Er erzeugt hübsche Cinemaskope-Effekte, ein nur zu einem Drittel sichtbares Bild oder ein Bild, das einfach nur durchläuft.

Er kommt zu dem Ergebnis, das eine Reparatur nicht mehr lohnt. Also finden sich beide in einem Elektronikmarkt wieder, um einen neuen Fernseher zu kaufen.

Er, in der Hoffnung, endlich den riesigen Flatscreen zu bekommen, der die halbe Wand einnimmt: "Guck' mal, der ist doch toll!"

Sie, ans Budget denkend: "Blödsinn! Du hast doch selbst gesagt, wir brauchen im Wohnzimmer keinen Fernseher, weil du da nie guckst. Dabei gucke ich da gerne fernsehen. Aber mir reicht ein kleiner."

Er: "Wenn wir so einen großen Bildschirm hätten, guckte ich bestimmt öfter im Wohnzimmer!"

Sie: "Ja, nee, is klaa. Da, der mit 80 cm, der reicht doch völlig."

Er setzt zu längeren technischen Erklärungen an: "Die 80 cm sind aber nicht 80 cm. Das Fernsehbild ist da nur so groß wie auf deinem Computerbildschirm, weil es in Echt viel kleiner ist, weil ..."

Sie: "Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich dir folgen will? So'n Riesending kommt nicht in mein Wohnzimmer. Das 100-cm-Teil wäre noch Okay. Guck', ob das dieses DVBT-Dingens hat, das Du suchst, und dann nehmen wir den."

Er grummelt, lenkt aber ein. Später im Auto sagt er: "Es war vielleicht doch ganz gut, dass wir einen kleineren Fernseher kauften. Den könnte ich hinten an die Wand schrauben."

Sie: "Oh, das ist schön, dann haben wir davor Platz. Dann können wir den Plattenspieler davor stellen, dann komme ich da endlich wieder ohne Tritt ran. Und die Lavalampen kommen endlich wieder schön zur Geltung! Und ich kann davor hübsch dekorieren."

Er: "Öhm, Schatz, wenn ich's recht überlege: Das Modell, das wir kauften, passt leider doch nicht auf eine Wandhalterung ..."

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