Montag, 5. März 2012

Montags wird blau gemacht

Swimmingpool-Cupcakes mit Blue Curaçao-Topping
Mein Schlachter macht montags blau, der Fischhändler auch, und gelegentlich der eine oder andere Friseur. Sie halten eine alte Handwerkstradition hoch: Montags ist das Geschäft (zumindest am Nachmittag) geschlossen, um einen Ausgleich zu haben für die Arbeit am Sonnabend.

Dass gerade montags blau gemacht wird, verdanken wir vielleicht den Färbern des Mittelalters. Sie gewannen die blaue Farbe aus Färberwaid, dessen Blätter in der Sonne in Bottichen gefüllt mit dem zu färbenden Leinen, Urin und Alkohol gärten. Die Flüssigkeiten bildeten die Küpe, die Färbebrühe.

Besonders gut eignete sich der Urin betrunkener Männer, also wurden die Färbergesellen mit Alkohol abgefüllt und konnten nun ihrerseits die Bottiche füllen - je mehr Alkohol, um so intensiver die Farbe. Das war billiger und effektiver, als den Alkohol direkt in die Küpe zu geben. Montags wurden die Küpen warm angesetzt, dann die gefärbten Stoffe in der Sonne zum Trocknen aufgehängt, denn erst durch die Sonne kommt die blaue Farbe zum Vorschein, und die Färbergesellen konnten daneben liegen und ihren Rausch ausschlafen. Sie waren blau, sie machten blau und genossen den blauen Montag.

Andererseits war die Arbeit mit dem gefärbten Leinen körperlich anstrengend. Der mit der Küpe getränkte Stoff war schwer und schlüpfrig, außerdem bestand die Gefahr von Verätzungen durch die alkalische Küpe. Der Stoff musste immer wieder umgehängt werden, was körperliche Anstrengung und Aufmerksamkeit erforderte, denn Fehlfärbungen waren teuer, unter Umständen sogar existenzgefährdend. Ganz so entspannend war das Blaumachen also nicht.

Eine weitere Überlegung zur Herkunft des Blauen Montags geht daher davon aus, dass sich Knechte und Handwerksgesellen einen freien Tag erkämpften, den Montag - zum Erledigen persönlicher Angelegenheiten, zum Baden, zur Totenehrung, zur Verabschiedung wandernder Gesellen und auch zum Feiern. Bis heute ist der Blaue Montag in vielen europäischen Ländern zu finden.

Eigentlich wollte ich diese Cupcakes schon im Februar backen, als Hellblau Thema beim HighFoodality-Blog-Event "CookBook of Colors" war, aber  da hab' ich's nicht geschafft. Praktischerweise wird im März Blau gemacht, und so passen die Küchlein auch jetzt. Sie sind quasi die feststoffliche Umsetzung der flüssigen Vorlage, des Cocktails "Swimming Pool".

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors


Die Muffins sind gleichzeitig auch mein Beitrag für den Cupcake-Wettbewerb im Tchibo-Blog, wobei ich schon ahne, dass ich bei den tollen Beiträgen von Alice, Zorra, USA kulinarisch, Gourmet Guerilla und vielen anderen nicht den Hauch einer Chance habe. Egal, ich sehe es olympisch.

Spritzbeutel mit Ständer und Tüllen.
Tchibo stattete uns dankenswerter Weise mit Silkonformen, Schürze und Silikon-Spritzbeutel aus, die es mit anderen Back- und Küchenutensilien ab Dienstag auch bei Tchibo zu kaufen gibt. Von den Silikonformen war ich sehr angetan. Ich hatte mal welche von Lurch, in denen die Muffins nicht aufgingen und sich nicht aus der Form lösen ließen, auch nicht nach mehreren Versuchen mit unterschiedlichen Rezepten. Das klappte bei den Tchibo-Formen problemlos, und spülmaschinengeeignet sind sie außerdem. Gut gefällt mir auch, dass gleich Rezepte beiliegen. Einzig das Rezept für das Topping stimmt nicht – zwei Versuche waren ein Desaster. Die Puderzuckermenge ist zu gering. Ich habe dann ein Topping nach eigenem Rezept gemacht.

Die Küchenschürze gefällt mir sehr gut, trägt sich angenehm, und die Mitteltasche reicht mir völlig.

Das Silikon-Spritzbeutel-Set hinterließ einen gemischten Eindruck. Der Spritzbeutel lässt sich sehr gut in der Spülmaschine säubern, und die Haltekonstruktion ist durchdacht, was mir sehr gut gefällt, ebenso wie die Verschlusskappe und -klemme zum Aufbewahren von Resten im Kühlschrank. Die Handhabung war selbst für mich, die nicht mit einem Spritzbeutel umgehen kann, okay. Der Ständer ist aber etwas kippelig, und ich hätte gedacht, die einzelnen Tüllen sitzen fest auf dem Ständer. Bei einem Frosting-Fehlversuch machte die Düse dieselbige und schoss quer durch die Küche, als ich versuchte, die Masse aus dem Beutel zu drücken. Da komme ich mit "Mozart" von Tupper besser zu recht, und der bietet auch gleich noch die Möglichkeit, die Düsen im Spritzbeutel aufzubewahren, nimmt kaum Platz in der Tupperschublade weg.
Die Küchlein warten auf den Ofen.

Swimmingpool-Cupcakes mit Blue Curaçao-Frosting

Zutaten für 12 Stück:

Für die Küchlein:
200 g Mehl
2 TL Backpulver
½ TL Natron
50 g Kokosraspeln
250 g Ananasscheiben (gerne frisch, aus der Dose geht aber auch)
1 Ei
150 g brauner Zucker
100 ml Rapsöl
250 g Joghurt
1 EL weißer Rum

Für das Topping:
200 ml sehr kalte Sahne, carrageenfrei (ansonsten wird Sahnesteif benötigt)
350 g Puderzucker
1 EL Blue Curaçao
evtl. ein paar Tropfen blaue Lebensmittelfarbe

Zubereitung:

Schmecken auch schon ohne Guss sehr saftig und lecker.
Mehl, Backpulver, Natron und Kokosraspeln in einer Schüssel miteinander vermischen.

In einer zweiten Schüssel Ei und Zucker schaumig rühren, dann Öl, Joghurt und Rum dazu geben. Die Ananas in Stücke schneiden und unterheben. Die Mehlmischung dazugeben und unterheben.

Den Teig in Muffinförmchen geben und bei 160°C Umluft (180°C Ober-/Unterhitze) ca. 25 Minuten goldgelb backen. Die Küchlein komplett auskühlen lassen, bevor sie mit dem Frosting verziert werden.

Für das Topping die Sahne steif schlagen. Löffelweise den Puderzucker und den Blue Curaçao dazu geben und weiter schlagen, bis die Masse sehr steif ist (ggf. kurz in den Kühlschrank legen, damit sie fester wird). Die Masse in einen Spritzbeutel geben und auf die Küchlein spritzen.

Das Rezept für die Küchlein stammt aus dem Buch "Muffins & more", das 1998 bei Gräfe und Unzer erschien und heißt im Original Ananas-Kokos-Muffins / Piña Colada Muffins. Das Topping ist eine Idee von mir.

Kommentare:

  1. Was für ein lehrreicher Eintrag! Ich halte Montags blau machen für eine tolle Sache. Bei uns wird auch jeden Samstag gearbeitet, dafür darf jeder einen Tag unter der Woche "blau machen" ;)
    Die Cupcakes sehen toll aus! Ich hab ja sehr lang überlegt, ob ich mir den Spritzbeutel kaufe, habe mich aber aufgrund der Rezensionen von vielen anderen dagegen entschieden. Meinen finanziellen Ruin bedeutet die kommende Tchibo-Woche trotzdem ;)
    Liebe Grüße!
    Mia

    AntwortenLöschen
  2. Wow - sehr schöne Idee!

    Werde mich auch mal daran versuchen - sieht richtig gut aus.

    Grüße,
    Liv von
    http://zinkplusc.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  3. @ Mia, ich finde blaue Mobntag auch sehr schön, gerade, wenn man sonnabends arbeiten muss. Zwei freie Tage am Stück sind nicht zu schlagen, aber so ein bleuer Tag unter der Woche ist natürlich auch schön!

    AntwortenLöschen

Ein Kommentar, wie schön! Ich bemühe mich, alle Kommentare zu beantworten. Allerdings kann das manchmal etwas dauern - das Leben neben dem Blog, Du verstehst. Wenn Du Dich durch eine Sicherheitsabfrage quälen musst oder der Kommentar erst moderiert wird, heißt das, dass es gerade viele Spamkommentare gibt. Last but not least: Ich behalte mir vor, einzelne Kommentare zu löschen. Für die Löschung von Kommentaren, die zu kommerziellen Webseiten führen, stelle ich dem Webseiteninhaber 200 Euro in Rechnung.