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Montag, 11. Oktober 2021

Mit Feigencrème gefüllte Zucchiniblüten an Panettone und Pecorino-Pistazien-Crunch

Wenn ich Zucchiniblüten sehe, muss ich sie essen, denn sie zu bekommen, ist hier draußen auf dem Acker eine Herausforderung (siehe Essen mit Anlauf und Diesmal ohne Anlauf). Als ich also sah, dass Stevan Paul für das Enjoy Pecorino Romano-Event Zucchiniblüten in den Warenkorb legte, war klar: Die will ich essen! Dass ich mich gemeinsam mit Romy von Snoopsmaus für den Dessertgang meldete - geschenkt. Der Geschmack von Zucchiniblüten reicht über nussig-würzig bis zu mild, daraus lässt sich ein Dessert basteln. Romy war für alles offen.

Mit Feigencrème gefüllte Zucchiniblüten an Panettone und Pecorino-Pistazien-Crunch.

Da wir für 20 Personen kochten und es vorher noch fünf andere Gänge gab, ist die Menge entsprechend ausgelegt. Im Rahmen eines kleineren Menüs könnten durchaus drei Blüten pro Person serviert werden. Zur Zuckermenge kann ich fast keine Angaben machen. Ich esse so zuckerfrei, dass ich in meiner Verpeiltheit vermutlich komplett auf Zucker verzichtet und es nicht gemerkt hätte. Daher bat ich Romy, abzuschmecken. Einzig bei der geschmolzenen Butter weiß ich, wie viel Zucker darin war, denn während Stevan schmolz, warf ich den Zucker in die Sauteuse. Das mit dem Werfen ist durchaus wörtlich zu nehmen: Als wir das Karamell für den Crunch machten, bewegte ich die Pfanne so schwungvoll, das 'n büschen Zucker in Stevans Tomaten für die geschmorte Salsiccia landete. Zum Glück können Tomaten mit Zucker. 

Die Zutaten für's Dessert.

Das Gericht ist nicht nur ein Bastel-Dessert, sondern auch ein Blender, denn fast alle Komponenten lassen sich vorbereiten. Erst kurz vor dem Servieren kommen dann die Zucchiniblüten auf den Teller. Wichtig ist, dass du Blüten ohne Fruchtansatz hast, denn wenn ein kleiner Zucchino an der Blüte hängt, ist die Garzeit länger. Andererseits schmecken Zucchini auch roh. 

Die gefüllten Zucchiniblüten vor dem Dämpfen.

Mit Feigencrème gefüllte Zucchiniblüten an Panettone und Pecorino-Pistazien-Crunch 

Zutaten für 20 Portionen:

1 Eiweiß (das Eigelb kannst du einfrieren, für's nächste Rührei oder für Nudeln)
6-8 Feigen, frisch
250 g Ricotta
20 Zucchiniblüten
1 Handvoll Pistazien (geschält)
1 Handvoll Pecorino (fein gerieben)
1 Zitrone
1-2 EL Butter
Zucker
1 EL Vanillezucker
Pistazienmus
Sahne
1 Panettone 

Zubereitung:

Eiweiß zu Schnee schlagen. Zitrone heiß abwaschen, abtrocknen und die Schale abreiben.

Feigen abwaschen, Stielansatz entfernen und das Fruchtfleisch fein würfeln oder pürieren (dann passen die Masse später besser durch den Spritzbeutel). Feigenpüree und Ricotta in der Küchenmaschine aufschlagen. Mit Zitronenschale und Zucker abschmecken und nochmal aufschlagen. Das Eiweiß unterheben. Die Masse in einen Spritzbeutel füllen und die Zucchiniblüten damit füllen. Bitte nur so viel Füllung in die Blüten geben, dass sie noch vorsichtig zuzwirbeln lassen. Die gefüllten Zucchiniblüten etwa eine Stunde kaltstellen. Bleibt Feigencrème übrig, die ebenfalls kalt stellen und zeitnah löffeln.

Für das Crunch die Pistazien fein hacken. Reichlich Zucker in einer Pfanne unter gelegentlichem Umrühren zum Schmelzen bringen. Pecorino und Pistazien dazugeben und sich miteinander verbinden lassen. Nicht von Pecorino-Inseln stören lassen, das soll so. Mit ein paar Spritzern Zitronensaft ablöschen (Achtung, spritzt!) und sofort auf ein Backpapier streichen. Eine zweite Lage Backpapier darüber legen und die Crunch-Masse mit einem Nudelholz so flach wie möglich ausrollen. Erkalten lassen, dann durchhacken. 

Den Panettone in (viereckige) Scheiben schneiden. 

Die Zucchiniblüten in einen Dampfgarer geben und 8 - 12 Minuten garen. Währenddessen Butter mit Vanillezucker schmelzen. Das Pistazienmus mit so viel Sahne verrühren, dass es sich mit einem Löffel auf einem Teller verstreichen lässt. Die gegarten Zucchiniblüten mit der geschmolzenen Butter glasieren.

Auf jeden Teller ein Stück Panettone und einen guten Teelöffel Crunch geben. Pistazienmus mit einem Teelöffel verstreichen und die Zucchiniblüte vorsichtig darauf setzen. Sofort servieren. 

Sonntag, 10. Oktober 2021

Reklame: Einen Abend in Pecorino Romano DOP schwelgen

Kaum zu glauben, dass ich im Mai 2019 zuletzt bei einem Event war, aber erst gab's zu viel Arbeit, dann Krankheit und Corona - okay, die letzten beiden gibt's immer noch, aber da ich inzwischen durchgeimpft bin, bin ich bei Corona etwas entspannter. So freute ich mich über die Einladung zum Event von Enjoy Pecorino Romano mit Stevan Paul in The Box / One Kitchen.

Der üppige Warenkorb.

Der Warenkorb im Detail. 

Im Schutzverband sind verschiedene Käsereien zusammengeschlossen, weswegen es viele Pecorino-Romano-Marken gibt. 

Pecorino Romano ist tatsächlich der Hartkäse, mit dem wir am meisten kochen. Bevor ich den Gatten kennenlernte, kannte ich nur Parmesan, und den auch nur aus der Tüte, aber inzwischen weiß ich den fein-säuerlichen, würzigen Geschmack des Schafsmilchkäses sehr zu schätzen, lebt immer ein Stück im Kühlschrank.

Der erste Gang: Spaghetti mit Paprika, Basilikum und natürlich Pecorino Romano. 

Der zwete Gang: Risotto mit grünem Spargel, Feige und Speck-Espuma.

Überhaupt essen wir viel Schafs- und Ziegenkäse, und jetzt sogar noch lieber, denn vorgestern lernte ich, dass sich sowohl Schafe als auch Ziegen der dauerhaften Stallhaltung widersetzen. Schafs- und Ziegenkäse sind also nie Massenprodukte. Zudem wird Pecorino Romano nur zwischen Oktober und Juli hergestellt.

Der dritte Gang wird angerichtet.

Der dritte Gang: Im Ofen gegarte Paprika, Aubergine mit schwarzem Knoblauch und Pecorino, Fenchelsalat.

Seit 1996 trägt Pecorino Romano das Gütesiegel DOP. Der dahinter stehende Schutzverband des Pecorino Romano vereint alle Erzeuger aus Sardinien, Latium und der Provinz Grosseto. Daher tragen verschiedene Marken das Gütesiegel, ist die Herstellung aber immer gleich, tragen alle Laibe ein Logo mit einem stilisierten Schafskopf in einer Raute.   

Der vierte Gang: Geschmorte Salsiccia mit Pecorino und Tomaten.

Exotische Genüsse wie gefüllte Schweinefüße müssen im Foto festgehalten werden. Ich musste automatisch an unser Brasilien-Kochtreffen mit Feijoada completa denken und an die, die vergeblich versuchten, sich Schweinefüße mit reichlich Caipirinha schön zu trinken.

Der gefüllte Schweinefuß wird angerichtet. 

Der fünfte Gang: Gefüllter Schweinefuß auf mit Pecorino geschmorten Linsen.

Stevan sorgte für einen üppigen Warenkorb, der ebenso wie die Küchenausstattung keine Wünsche übrig ließ, und so entstanden in entspannter. vergnügter Atmosphäre sechs Gänge. 

Der sechste Gang: Mit Feigencrème gefüllte Zucchiniblüten an Panettone und Pecorino-Pistazien-Crunch.

Freitag, 25. September 2015

Rezension: "Heimat" von Tim Mälzer

Rezepte von Tim Mälzer stehen beim Gatten hoch im Kurs, versprechen sie doch solide (Hausmanns-)Kost, im Gegensatz zu dem exotischen Krams, den ich gerne koche. Auch "Heimat" aus dem Mosaik-Verlag kommt wie der Titel erwaten lässt bodenständig daher.

Der Mosaik-Verlag schreibt über das Buch: "Heimat Deutschland – Bockwurst und Sauerkraut, Präzision und Lederhose? Tim Mälzers Blick auf seine Heimat ist anders und frei von Klischees. Für ihn ist Heimat überall, wo man sich zu Hause fühlt: im Fußballstadion, bei der Familie, am Meer wie in den Bergen, beim Camping, zu Lande und zu Wasser. Wie frisch und kreativ deutsche Küche sein kann, zeigt der Autor in seinem neuen Kochbuch Heimat. Dafür machte sich Tim Mälzer auf eine kulinarische Reise quer durchs Land. Er kostete seltene Käsesorten, entdeckte eine neue Brotkultur, fuhr mit Fischern aufs Meer und sah zum ersten Mal in seinem Leben Schweine in freier Wildbahn vor Glück rennen. In Heimat berichtet er von seinen Gesprächen mit Produzenten, Landwirten und Handwerkern und staunt dabei immer wieder über den kulinarischen Produktreichtum und die Leidenschaft für diese Vielfalt. Vor allem aber liefert er in seinem Kochbuch über 120 Rezepte: umsichtig modernisierte Gerichte, entstaubte Klassiker und einige ganz neue Kreationen: 'Dies hier ist mein ganz persönlicher Blick auf Deutschland und die deutsche Küche. Ein Buch, das Sie inspirieren soll, selbst loszulegen und zu entdecken, wie Deutschland schmeckt – die Vielfalt beginnt gleich an der nächsten Ecke.'“

"Heimat" ist im Wesentlichen ein Basis- und Grundkochbuch, aber ich denke, auch profilierte Hobbyköche können das eine oder andere für sie neue Gericht entdecken. Für mich gab's jedenfalls einige Entdeckungen, aber ich kann ja auch nicht kochen. Mit seinem veredelten Pappeinband, dem Lesebändchen, den vielen Farbfotos und liebevollen Illustrationen kommt das Buch sehr fürnehm daher, aber schon die Gartenzwerge auf dem Cover durchbrechen das ironisch.

Einführend gibt Mälzer einen kurzen Einblick in seine Arbeit, stellt die an der Produktion des Buches Beteiligten vor, und dann beginnt die kulinarische Reise durch Deutschland. Die Rezepte sind in die Kategorien Suppen, Mittag, Fisch, Fleisch / Wild, Innereien, Salate / Gemüse / Beilagen, Hausgemachtes, Abendbrot und Süßes gegliedert. Wie der Titel nahelegt, sammelt "Heimat" Rezepte für klassische deutsche Gerichte.

Mich hat besonders gefreut, dass auch Rezepte für Innereien enthalten sind. Okay, die kriege ich zwar nicht in den Gatten, aber in mich, und ich finde es immer wieder schade, dass Herz, Niere oder Zunge weitgehend von unserem Speiseplan verschwunden sind (Leber hingegen gibt es ja noch gelegentlich).

Sehr gut gefiel mir, dass auch immer wieder die Menschen eine Rolle spielen, die an dem Buch mitarbeiteten. Gelegentlich wurde bemängelt, Tim Mälzer habe das Buch gar nicht selbst geschrieben, sondern Stevan Paul. In Wahrheit ist es noch viel schlimmer: An "Heimat" wirkten neben Stevan Paul (Texte und Rezepte) auch Hendrik Thoma (Texte zum Wein) sowie an den Rezepten Marcel Stut und Marion Heidegger aus der "essen & trinken"-Redaktion mit. Aber Ironie beiseite: Ich finde es sehr sympathisch und authentisch, wie hier mit dem Mythos aufgeräumt wird, das Fernsehköche wahre Tausendsassa und kulinarische Einzelkämpfer sind.

Wie bei jeder Rezension koche ich vorher das eine oder andere Gericht nach, um zu gucken, ob die Rezepte funktionieren. Okay, die Rezepte für "Heimat" wurden unter anderem von Stevan Paul entwickelt, insofern war ich mir sicher, dass sie klappen, aber sicher ist sicher. Von der umfangreichen Nachkochliste wurden als erstes Omelette mit Grüner Sauce und Sauerkrautsuppe zubereitet.

Beide Rezepte klappten problemlos, wenngleich ich ein bisschen mit der für vier Portionen angegebenen Menge haderte: Das Omelette schafften wir problemlos zu zweit, aber von der Sauce blieb so viel übrig, dass ich dem Gatten für die nächste Mittagspause ein paar Eier und Kartoffeln dazu kochte, während von der Sauerkrautsuppe problemlos mindestens sechs Esser satt geworden wären (wenn nicht gar acht).

"Heimat" ist ein Koch- und Reisebuch. Es macht Spaß, darin zu blättern, sich die Fotos anzuschauen, und rasch kamen Indexmarker an die Rezepte, die nachgekocht werden sollen. Das Buch ist ein Plädoyer für gute, regionale Zutaten, für saisonale Küche und den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln. Mälzer und sein Team stellen Erzeuger und ihrer Produkte vor, und vielleicht lässt sich der eine oder die andere ja dadurch inspirierend, die Einkaufsgewohnheiten zu überdenken.

Verlagsangaben zum Buch: Tim Mälzer: Heimat / Kochbuch. Mit über 120 Rezepten / Originalausgabe / Gebundenes Buch / 304 Seiten / ca. 300 farbige Abbildungen / Lesebändchen / ISBN: 978-3-442-39274-2 / € 19,99 / Verlag: Mosaik Verlag.

Vielen Dank an den Mosaik-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 18. Februar 2014

SMWHH: Ich hab' da mal was vorbereitet ...

Wir brauchen entschieden mehr
Leichtsinn!
Vor vielen, vielen Monden musste ich mal wieder einen dieser Fragebögen zu Vor- und Nachlieben ausfüllen. Unter dem Punkt "Hobbies" schrieb ich: "Mich zum Affen machen". Das hat sich bis heute nicht geändert.

Nur: Heute bekommen das viel mehr Menschen mit als vor 20, 30 Jahren - Inter-Netz sei dank.

Da steh' ich beim letzten Hamburg kocht!-Treffen so unschuldig in der Küche rum und plaudere mit jemandem über meinen kleinen Blog, über das Kochen und was es sonst noch so gibt in der Welt, als mein Gegenüber plötzlich so was sagt wie: "Also, deine Einstellung zum Kochen finde ich total authentisch und deinen Blog lese ich gerne. Ich moderiere da übernächste Woche eine Podiumsdiskussion mit Stevan Paul auf der Social Media Week. Hast du nicht Lust, teilzunehmen?" Ich denke so bei mir: Super, da kann Stevan gleich seine letzten beiden Bücher für mich signieren, bevor das dritte auf den Markt kommt, und sage: "Ja, warum eigentlich nicht?"

Am nächsten Tag, als ich Mun-ju zum Bahnhof bringe, reden wir über Foodblogs, was sie mit den zumeist weiblichen Bloggern so anstellen, wie sie Menschen verändern, warum sie (noch) nicht bloggt und bei welchen Verhaltensweisen sie mich büddebüddebüdde notschlachten soll, wenn das Bloggen mich so verändert. Mir fällt das Gespräch vom Vortag wieder ein. Ich sage: "Du, ich glaube, ich habe gestern zugestimmt, an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Also, auf dem Podium, nicht davor, wenn ich das richtig verstand."

Einen Tag später kam dann die offizielle Einladung und ich beschloss, zu schnappatmen. Nicht, dass ich das nicht kann, auf einem Podium zu sitzen und was zu sagen. Das kann ich sogar sehr gut, wenn ich muss. Dampfplauderei war lange Zeit mein Brotjob. Aber damals versendete sich der Blödsinn, den ich von mir gab, noch. Heute wird er verbloggt, vertwittert, verlivestreamt, bekommt das alle Welt mit. Und damals sprach ich über Dinge, die ich kann. Also ganz sicher nicht über's Kochen und Bloggen.

Plötzlich stehe ich im Fokus als Meinungsmacherin und soll was zur Entwicklung der Foodblogs sagen - ich, die aus Hobby bloggt, mit der Bloggerei weder Geld verdienen will noch muss, im Blog hauptsächlich eine Mischung aus öffentlichem Tagebuch und Rezeptearchiv sieht? Die kaum andere Foodblogs liest - die Macherinnen der wenigen Blogs, die ich früher las, kenne ich inzwischen fast alle persönlich sehr gut, warum soll ich die Blogs noch lesen?! Oder ich lese sie nicht mehr, weil ich die Damen inzwischen persönlich kenne und weiß, wie trist, tragisch, traurig ihr Leben hinter der funkelnden Blog-Fassade aussieht ...

Ich, die standhaft von sich behauptet, nicht kochen zu können, um sich gegen Hobbyköch(inn)en im Sternehöhenflug abzugrenzen? Die am liebsten nur für sich spricht? Die immer noch erstaunt ist, wenn sie mal jemanden trifft, der ihr Geschreibsel tatsächlich liest - freiwillig? Die zunehmend weniger Lust zum Kochen hat, aber zwangsläufig weitermacht, weil Fertigfutter keine Alternative ist? Und die das Gekochte dann verbloggt, damit sie wenigstens weiß, wo die Rezepte sind? Die, die immer noch keinen Schimmer hat, wie sie ihre Mediadaten korrekt erhebt, was SEO ist und was Blogger sonst noch so können / wissen / tun sollen? Die, die weder kochen noch anrichten oder fotografieren kann und auch keine Lust hat, sich plötzlich in eine leibhaftige Brigitte, einen realen Feinschmecker zu verwandeln?

Für wen also soll ich da oben sprechen? Oder anders: Wer will hören, was ich sage?

Jüngst sagte mir eine, die meinen Blog gerne liest, er sei so herrlich normal. Das war ein brechtscher Herr-K-Moment: Ich erbleichte, will ich doch alles sein außer normal.

Aber Normalität scheint auch etwas zu sein, wonach sich einige Foodbloggerinnen sehnen - eine absolute private, unrepräsentative Umfrage im bestechlichen foodbloggenden Freundinnenkreis ergab, dass frau sich durch mich gut vertreten fühlte, nähme ich an der Podiumsdiskussion teil. Außerdem hätte ich was zu sagen. Klar, habe ich, wenngleich ich meistens erst weiß, was ich sagen will, wenn ich es gesagt habe. Nichts gegen Denken vorm Reden, aber mein Mund überholt meistens mein Hirn.

Ich hoffe, ich kann mich bremsen und sage nichts zu dem Frauenbild, das inzwischen in vielen Foodblogs zu Tage tritt. Wir sollen kochen wie die Profis, gut aussehen, Vollzeit arbeiten, Übermutter und Deko-Queen sein, knipsen wie ein Helmut Newton der Lebensmittel. Jeder Heimatfilm aus den 1950er Jahren hat ein moderneres, realistischeres Frauenbild.

Wir orientieren unsere kulinarischen Gelüste nach Blog-Events, definieren uns über Klickzahlen und Rankings, beschäftigen uns schon Monate vorher mit dem ultimativen Valentins-, Oster-, Pfingst-, Halloween-, Weihnachts- oder Wasesdasonstnochan(Pseudo)Feiertagengibt-Menü, das nicht nur gekocht, sondern auch noch stilvoll in Szene gesetzt geknipst werden muss - passender Dekokrams vom Besteck über das eigens zum Geschirr passend bemalte Tischtuch inklusive. Kleine Frage am Rande: Isst das Ganze eigentlich noch irgendjemand? Das kommt doch nie und nimmer warm auf den Tisch.

Selbstverständlich könnte jede/r von uns locker neben erfüllendem Beruf und perfekter Familie ihr eigenes Feinkostimperium (Kochschule, Cateringunternehmen, Wasauchimmer) gründen - manch eine/r macht's sogar, und vielleicht auch gar nicht schlecht. Kochbücher schreiben wir auch noch nebenbei, natürlich mit selbst entwickelten Rezepten. Und bei denen sowie bei allem, was wir veröffentlichen, achten wir strengstens auf's Copyright. Untersteh' Dich, was von mir zu kopieren! Wir selbst würden natürlich nienich irgendwas oder irgendwen kopieren.

Hab' ich noch was vergessen?

Ach ja, jede von uns hat natürlich einen absolut perfekten Ehemann, klar. Die Foodbloggerin an sich lebt nicht getrennt oder in Scheidung. Ehekrisen werden weggekocht. Ein gestopftes Maul kann nicht streiten. Warum kommt mir jetzt bloß "Arsen und Spitzenhäubchen" in den Sinn?!

Natürlich kauft kein anständige/r Foodblogger/in die Lebensmittel in Discounter oder Supermarkt. Das ist pfuibähigittigitt! Du kannst Dir nur Discounter leisten? Setze andere Prioritäten! Ändere Deine Essgewohnheiten! Industrieessen ist schließlich pfuibähigittigitt! Deiner Familie schmeckt das Fertigfutter? Such' Dir eine andere!

Unsere Lebensmittel stammen vom Bauern, direkt vom Erzeuger, von kleinen Manufakturen. Gibt es nicht in Deiner Nähe? Dann lass' Dir die Lebensmittel halt schicken! Oder fahr' auf's Land zu den Direkterzeugern. Die Zeit, die Du auf dem Weg dahin in Öffis verbringst oder im Stau stehst, kannst Du ja zum Bloggen nutzen - die Mobiltechnik macht's möglich. Ach, und achte drauf, dass Du CO2-neutral bloggst. Dein Blog sei grün - nein, ich meine nicht die Hintergrundfarbe.

Ach ja, und wenn Du so vehement behauptest, Du kaufst oder isst beispielsweise keinen Salat oder Parmesan aus der Tüte, kein Fertigfutter oder was sonst noch in Foodbloggerkreisen gerade verpönt ist, pass auf, dass Dein Setzling nicht in Anwesenheit anderer Foodblogger, die so was Verpöntes zu Hause haben, mal sagt: "Oh, das kenn' ich, das kauft Mama / Papa auch immer! Das ist lecker!"

Selbstverständlich haben wir alle auch verinnerlicht, dass wir Meinungsmacher/innen sind. Wir sind wichtig. I Am The Media!

Das Gebaren, das mich schon ankotzte, als ich noch für Geld schrieb, pflanzt sich bei (Food)Blogs fort. Hey Unternehmen, ich will Presserabatt! Oder wenigstens Produkte umsonst, ganz egal, was. Einen echten Presseausweis bekomme ich zwar nicht, weil ich nicht von meinem Geschreibsel lebe, aber egal, den kann man sich doch für kleines Geld bei ominösen Anbietern kaufen. Hallo Restaurant, ich will umsonst essen! Du Hotelier, ich schlafe umsonst bei Dir, is doch klaa, nich?!

Was, Du willst im Gegenzug was von mir? Also hömma, wo sind wir denn hier?! Wir leben schließlich in einem freien Land! Ob und was ich über Dich schreibe, entscheide immer noch ich. Ich lasse mir nichts vorschreiben! Aber behandle mich gefälligst mit Respekt, selbst, wenn ich mich Dir gegenüber wie eine trotzige Dreijährige benehme.

Hab' ich immer noch was vergessen? Ach ja: Mein Freundeskreis besteht selbstverständlich aus Köchen und Gastronomen. Profis, Du verstehst. Ich bin mit den Kochsternen dieser Welt auf Du und Du. Ihr Glanz fällt auch auf mich, selbst, wenn ich mit mehr als drei Zutaten überfordert bin und das von mir zubereitete Essen nur auf dem Foto so aussieht, als könnte es schmecken. Sie rollen mir den roten Teppich aus, wenn ich bei ihnen esse. Und wehe, sie kommen nicht an meinen Tisch, um mich persönlich zu begrüßen.

Natürlich muss ich mein Essen im Restaurant auch fotografieren. Keine Angst, das fällt nicht weiter auf. Stativ und Tageslichtlampe stören doch nicht. Und wenn bitte die Tischnachbarn mal kurz aufstehen könnten? Sie werfen Schatten auf mein Essen. Das sieht übrigens köstlich aus, was Sie da essen - ich darf mal kurz probieren, ja?! Ach, und wenn Sie schon stehen, lassen Sie mich das Lokal mal kurz umdekorieren - glauben Sie mir, das sieht hinterher im Blog viel besser aus!

Dass sich die Lokalitäten vielleicht manchmal mehr freuen, wenn sie mich wieder gehen sehen, ignoriere ich geflissentlich. Ich mache schließlich Werbung für sie, ob sie wollen oder nicht.

Und selbst, wenn wir keinen Kochlöffel halten konnten, bevor wir den ersten Blogbeitrag schrieben, wenn wir keine Ahnung von Warenkunde oder Gewürzen haben: Im Blog sind wir alle Bocuse und bringen Dir da draußen das Kochen bei. Wer braucht schon drei Jahre Kochlehre und eine anschließende weitere Ausbildung? Was ein Profi kann, können wir auch - mit links, viel schneller und erst recht besser.

Wir kochen Rezepte nicht einfach nach. Wir verbessern sie. Du hast Dir was dabei gedacht, als Du Szechuanpfeffer in einem Rezept einsetztes? Ach was, Pfeffer ist Pfeffer! Das Niespulver aus dem Streuer macht genau so scharf! Wir ersetzen wild und planlos Zutaten und beschweren uns, dass das Essen nicht schmeckt. Das liegt natürlich daran, dass die anderen nicht kochen können, klar. Wir sind über Fehler erhaben.

Natürlich werden wir alle durch die Bloggerei reich. Jede/r von uns verdient monatlich einen hohen dreistelligen Betrag, mindestens. Äh ... 9,99 Euro ist doch ein hoher dreistelliger Betrag, nich?! Eine Stelle vor dem Komma und zwei danach sind schließlich drei Stellen.

Und glaube bloß nicht, dass Essen für uns noch Genuss ist. Essen ist Stress! Essen ist Arbeit! Essen ist Religion! Unsere Gottheiten heißen Vegan, Vegetarisch, Glutenfrei, Laktosefrei, Fettfrei, Histaminfrei, Fructosefrei, Zuckerfrei, Glutamatfrei, Kohlenhydratfrei, Carrageenfrei, Fixfrei, Saisonalität, Regionalität ....

Wir sind nicht intolerant.

Wir leiden unter multiplen Intoleranzen.

Du willst selbst einen Foodblog schrieben? Ohoh. Hast Du Dir das gut überlegt? Hast Du gefragt, ob Du das darfst? Du weißt nicht, wen Du fragen sollst? Oder warum Du jemanden fragen sollst? Das kann ich Dir auch nicht sagen, aber es gibt da alte Häsinnen, die fühlen sich auf den Schlips getreten, weil es immer mehr Foodblogs gibt. Vielleicht mailst Du die alle mal an, stellst Dein Konzept vor und fragst sie um Erlaubnis. Das ist kindisch, sagst Du? Aber nicht doch! Sieh es als Einstimmung, auf das, was Dich in der Bloggosphäre erwartet.

Und wenn Du dann endlich bloggst, achte sehr darauf, dass Du um Himmels Willen nicht die xte Variation eines Rezeptes irgendeines Fernsehkochs nachkochst und bloggst. Das war alles schon mal da! Das will keiner mehr lesen! Und essen schon gar nicht! Das Kredo, dass alles schon mal gesagt wurde, nur noch nicht von allen, gilt bei Foodblogs nicht. Erfinde gefälligst das Rad neu! Für Dich sind die Rezepte, die Du bloggst, neu, Du freust Dich, dass Du sie entdecktest und willst sie mit der Welt teilen? Pech! Wer zu spät kommt, den bestraft die Bloggosphäre.

Ach ja, und im Übrigen sind Foodblogs längst out, tot, stinklangweilig, geschrieben von ein paar alten Hasen, die im eigenen Saft kochen. Such' Dir also ein anderes Hobby! Du bloggst nur aus Spaß an der Freud? Du lügst! Das kann gar nicht sein! Würdest Du das wirklich nur als Hobby sehen, würdest Du nicht öffentlich schreiben! Du willst gelesen werden, sonst würdest Du das nicht machen.

Okay, wenn Foodblogs tot sind, brauchen wir uns ja nicht darüber unterhalten. Vielleicht entspannt das alle Beteiligten. Ich kann jedenfalls gelassen sein: Dieser Blog ist mein Blog. Ich schreibe ihn, solange er mir Freude macht. Ich schreibe, worüber ich möchte, wann und wie oft ich möchte. Ich gehe Kooperationen ein, wenn ich meine, das sie zu mir passen. Ich muss und will damit kein Geld verdienen, aber ich habe auch nichts dagegen, wenn mein Blog etwas abwirft. Ich freue mich, wenn jemand mein Geschreibsel liest und kommentiert, aber noch mehr freue ich mich über reale Begegnungen. Und wenn aus dem Blog die eine Bekanntschaft oder die andere Freundschaft entsteht, ist das die Kirsche auf der Sahne. Dieser kleine Blog hat mir mehr Erlebnisse beschert, als ich mir je vorgestellt hätte, und ich bin gespannt, was noch alles kommt.

In meinem persönlichen Umfeld ist die Meinung über Foodblogs klar. Der Gatte hält sie schlichtweg für rausgeschmissene Zeit - spricht's und dreht sich wieder zum PC, um weiter Farmville zu spielen. Später, im Restaurant, angesichts einer versalzenen Vorspeise, grummelt er: "Mach' sie fertig im Blog!" Restaurantkritiker sind wir nämlich auch noch. Noch später, immer noch im gleichen Restaurant, meint er zu einer Mitesserin: "Mit einem Foodblogger verheiratet zu sein, ist die Pest! Es wird immer nur vom Essen geredet!" Stimmt. Ich habe mich vor vielen Jahren auch deswegen in ihn verliebt, weil er stundenlang von seinen Lieblingsrezepten erzählen kann.

Meine Freundinnen und Freunde - die analogen - wissen zumeist gar nicht, was ich hier mache (da geht's ihnen wie mir gelegentlich). Die eine oder der andere bloggte vielleicht früher mal - der Blog ging, die Freundschaft blieb. Würde ich erzählen, dass ich im XYZ-Ranking von Platz 0815 auf Platz 4711 gesunken bin und deswegen meine Welt untergeht, man würde mich für noch bekloppter halten als ich es ohnehin schon bin. Für die Menschen, die mir nahe sind, die ich liebe, zählen andere Werte. Gott sei Dank!

Auf Arbeit weiß man, dass mein Hobby irgendwas mit Kochen ist, manchmal sogar, dass ich einen Foodblog habe, dass ich mal im Fernsehen kochte, sagt gelegentlich: "Das musst du für deinen Foodblog knipsen!" und freut sich, wenn ich Produktproben oder Backwerk mitbringe. Ansonsten bewundert man meine organisatorischen Fähigkeiten und dass ich mich mit so neumodischem Technikkrams auskenne - ich bin da die Einäugige unter den Blinden.

Diese Gelassenheit, dieses Desinteresse in meinem persönlichen Umfeld erdet mich. Ich bin dankbar dafür.

Als ich im digitalen Freundinnenkreis fragte, ob ich an der Podiumsdiskussion teilnehmen soll, kam als Gegenfrage, was das Schlimmste wäre, das mir passieren könne. Gute Frage. Dass ich die ganze Zeit hyperventilierend in eine Papiertüte atme? Dass es Stress im Job gibt? Den gäbe es höchstens, wenn ich mich in meiner beruflichen Funktion äußerte, und da Beruf und Blog rein gar nichts miteinander zu tun haben, besteht die Gefahr kaum, auch, wenn meine Chefin sich im Stillen fragt, welche radikalen Thesen ich Donnerstag von mir gebe, denn sie ist über meine Teilnahme informiert. Dass ich einen Shitstorm auslöse? Wobei: Das hätte was! Einen Shitstorm hatte ich noch nicht. Jedenfalls keinen virtuellen. Und auch bei Stürmen dieser Art gilt vermutlich, dass es im Auge des Orkans am Ruhigsten ist. Also kann ich auch ganz ruhig sein.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wären das mehr Gelassenheit, mehr geerdete Foodblogger, mehr Individualität, Persönlichkeit, Authentizität, Ehrlichkeit, Reflexion, Kritikfähigkeit, Selbstkritik, ja, manchmal sogar Selbstzweifel, kurz: Eine vielfältige, unperfekte, bunte Foodbloggerszene, in der sich für jede/n ein Plätzchen findet.

Ich wünsche mir mehr kulinarische Kompetenz, aufgeklärte Verbraucher, Unternehmen, die Verbraucher nicht für Blöd verkaufen, Verbraucher, die sich nicht verarschen lassen.

Und ich wünsche mir Toleranz.

Ich habe nichts dagegen, wenn beispielsweise jemand gerne mit Fixtüten kocht. Aber ich möchte es hinterfragen dürfen, möchte verstehen, warum Du meinst, dass Du die Tüten brauchst und sagen dürfen, dass und warum ich die Tüten nicht brauche, dass niemand die Tüten braucht, außer denen, die damit Geld verdienen (und die zum Rauchen, aber das steht auf einem anderen Blatt). Wenn Du mir sagst, die Tüten schmecken Dir, Du kochst gerne damit - okay, soll sein. Dein Geschmack ist anders als meiner, und das ist gut so.

Ich möchte nicht angegriffen werden, weil es mir wichtig ist, woher mein Essen kommt. Und ich möchte nicht verachtet werden, wenn ich es mal nicht schaffte, beim Schlachter zu kaufen, sondern begastes Discounter-Hackfleisch zubereitet oder gar - um Himmels Willen - eine Tiefkühlpizza oder Fertigfutter esse.

Ich bin gespannt, was Du denkst.

Falls Du mitdiskutieren möchtest: Die Veranstaltung ist ausverkauft, aber Du kannst mir hier im Blog, auf Facebook oder Twitter einen Kommentar hinterlassen. Und wenn Du auf das Kamerasymbol klickst und Dich anmeldest, kannst Du die Diskussion im Livestream verfolgen.

Freitag, 5. November 2010

Stevan-Paul-Menülesung im trific: Monsieur, der Hummer und ich

Eigentlich wollte ich schon im Februar den Gatten ins trific schleppen, zum Hochzeitstag. Aber daraus wurde nichts - wir hätten vor vielen Monden einen Tag später heiraten sollen, dann wären wir jetzt quasi Erstesser dort gewesen. Aber die Zahlenmystik wollte es anders. So wurde es mal wieder das Maredo. Dafür wuchs bei mir seit der Eröffnung die Spannung, verstärkt auch durch Küchenlateins begeistertem Bericht.

Als dann die Stevan-Paul-Menülesung zu "Monsieur, der Hummer und ich" angekündigt wurde, zögerte ich mit der Anmeldung. Gattenkompatibel ist so eine Veranstaltung nicht, denn der Herr Gemahl hält es mit Loriot: Essen dient der Ernährung. Man spricht nicht darüber. So schüttelte er schon im April verständnislos den Kopf, als ich ankündigte, ich ginge zu einer Kochbuchlesung. Damals kam ich nicht dazu, die Stevan-Paul-Lesung in der wunderbaren Buchhandlung Seitenweise zu bloggen. Und jetzt gehe ich sogar in ein Restaurant, um mir beim Essen das gleiche Kochbuch noch mal vorlesen zu lassen?! Das ist für den Gatten zu viel! Dass "Monsieur ..." mehr als ein Kochbuch ist, dass er es inzwischen las, gerne sogar, würde er natürlich nienich zugeben. Auch nicht, dass Skordalia seitdem zu seinen Lieblingsgerichten gehört.

So erklärte sich kurzentschlossen Die Kollegin bereit, mitzukommen. Sie war genauso gespannt wie ich. Passend schwärmte Küchenlatein beim Foodbloggertreffen ein paar Tage zuvor dann auch noch mal von ihrem Besuch und vor allem vom Fleisch, das so zart sei, dass man es lutschen könne.

Die Kollegin und ich verbrachten einen zauberhaften Abend in einem liebevoll gestalteten Lokal; mit aufmerksamen, charmanten und schlagfertigem Service; mit Stevan Paul, der wunderbar vorlesen kann, und - last but not least - mit wunderbarem Essen. Das Menü war passend zu den vorgetragenen Geschichten zusammengestellt:

Der Tanz der Schlachter
Gebratenes Filet vom Wolfsbarsch mit Skordalia und griechischem Salat

Ich bekochte Wolfram Siebeck
Kalbsrücken mit Fritto Misto, Thunfischcreme, fritierten Kapern und La-Ratte-Kartoffeln

Begegnung mit Gott
Birnen-Strudel mit Mascarponecreme und Birnengeist

Dass Die Kollegin zu Beginn des Abends um Kalbsrückenersatz bat, brachte die Küche nicht aus der Fassung - ich wollte es eigentlich schon bei der Reservierung sagen, hatte es in meinem üblichen Chaos aber verbaselt. Das Essen war perfekt - okay, die Ratten-Töften waren ein wenig zu sehr bissfest, aber das war bestimmt dramaturgisch so vorgesehen
;o) Den Kalbsrücken hätte ich tatsächlich lutschen können, und Die Kollegin behauptete das Gleiche von ihrem Huhn.

Fazit: Ins trific komme ich gerne öfter! Das Lokal ist nämlich nicht nur gatten-, sondern auch schwiegermutterkompatibel: Der Gatte kann in der Eppendorfer Grillstation nebenan mit Schildkröte über dem Feierabendbier schweigen, und die Schwiegermutter kann ihren Bridgedamen berichten, dass es endlich wieder ein Lokal gibt, das ausreichend beleuchtet ist. Sparsame Restaurant-ausleuchtung ist ihr nämlich ein Dorn im Auge. Da sieht man nicht, was auf dem Teller ist. Und das ist bestimmt auch Absicht. Da hat die Küche was zu verbergen, sagt Schwiegermutter.

Das trific hat so was nicht nötig, sondern liefert ehrliche, bodenständige Küche zu sehr zivilen Preisen.