Freitag, 11. März 2011

„Ey, haste ma 'n Huhn?“ - Hausärztlich verordnete Hühnerbrühe

Ich mag meine Hausarztpraxis – sogar so sehr, dass ich lieber über eine halbe Stunde Busfahrt in Kauf nehme, als die Ärztinnen in unserer kleinen Straße zu konsultieren. Mein Hausarzt kocht gerne und empfiehlt, wann immer es geht, Naturheilmittel. Husten, Schnupfen, Fieber, Heiserkeit? Viel Ruhe, Fliederbeersaft, Thymiantee, Fenchelhonig, Hühnerbrühe … Letztere machte mir bislang Kopfzerbrechen. Ich esse klare Brühe nur aus Höflichkeit und koche sie nur für Gäste. Aber beim letzten Arzt-Besuch dachte ich mir, ich bin mal 'ne brave Patientin und koche Hühnerbrühe.

Da gab’s nur ein paar Probleme. Woher bekomme ich ein frisches Huhn? Ich kann ja schlecht den Gockel, der ohnehin meistens im Tiefkühler schlummert, in den Suppentopf werfen. Ich war kurz davor, unschuldige Ottensener Passanten zu belästigen: „Ey, haste ma 'n Huhn?“

Und was kommt noch in so 'ne Brühe außer Huhn? Ich brauche ein Smartphone, um immer und überall Rezepte googlen zu können, ganz klar. Mit meinem unverwüstlichen 5110 geht’s nicht. Aber Schwiegermutter hätte ich anrufen können. Die hätte mir gleich dieses Rezept aus der Februar-Ausgabe von essen & trinken nahe gelegt und wäre mit 'nem Henkelmann vorbei gekommen, denn Hühnerbrühe hat sie immer im Tiefkühler, falls mal jemand krank wird. So kaufte ich neben dem Huhn noch Suppengrün. Gewürze haben wir ohnehin zu Hause. Einen Geflügelhändler gibt es übrigens im Mercado, also quasi umme Ecke der Arztpraxis.

Tja, und dann begann das nächste Problem: So eine Hühnerbrühe braucht Zeit. In diesem Fall 4 bis 5 Stunden Zeit zum Köcheln und eine Nacht zum Kühlen, um anschließend entfettet zu werden. Meine Logik „Halbes Huhn = halbe Kochzeit“ führte zum still-verzweifelten Kopfschütteln beim Gatten, der ins Auto stieg und eine halbe Stunde später mit Erasco-Dosen wieder kam. Er hatte auch vergessen, dass seine Mutter Hühnerbrühe im Tiefkühler hat. Hm, Dose ist irgendwie nicht das Gleiche wie selbst gemachte Hühnerbrühe ... Außerdem stand ich ja nun mit einem halben Huhn da. Also gab’s keine Ausrede, ich mache Hühnerbrühe - Schwiegermutter hatte mich inzwischen an das e&t-Rezept erinnert. Las sich besser als aus meinem Dr. Oetker Schulkochbuch aus den 1950er Jahren.

Bei diesem e&t-Rezept irritierte mich unheimlich, dass das Huhn am Ende weggeworfen werden soll. Das können die doch nicht ernst meinen?! Das ist doch Dekadenz pur! Daraus kann man doch noch Hühnerfrikassee machen? Nee, kann man nicht. Das Huhn ist wirklich total ausgelaugt und bäh. Ich mochte noch nicht mal Fitzelchen davon in der Brühe haben. Die ist übrigens so lecker, dass ich sie pur trank. Freiwillig. Mit Nachschlag. Und ohne die Flädle als Einlage, die auf dem Foto noch zu sehen sind.

Grundrezept Hühnerbrühe
(Quelle: essen & trinken, Heft 2/2011)

Zutaten für ca. 3 Liter Brühe:

1 Gemüsezwiebel
4 Nelken
1 Bund glatte Petersilie
6 Stängel Thymian
1 Lorbeerblatt
½ Suppenhuhn (ca. 1,3 kg - im Original ein ganzes Huhn)
1 EL schwarze Pfefferkörner
5 Wacholderbeeren
1 EL Salz (im Original 2 EL)
1 Bund Suppengrün (Lauch, Wurzeln, Petersilienwurzel, ¼ Knollensellerie)

Zubereitung:

Die losen Schalen der Zwiebel entfernen. Zwiebel waschen, halbierten und mit den Schnittstellen in einer heißen Pfanne ohne Fett hellbraun rösten.

Währenddessen Petersilie, Thymian und Lorbeerblatt zu einem Bouquet garni zusammenbinden und dieses mit den Zwiebelhälften, Nelken, Pfefferkörnern, Wachholderbeeren und dem halben Huhn in einen großen Topf geben. Mit etwa 4,5 Liter kaltem Wasser auffüllen (im Original: 9 Liter). Langsam alles aufkochen lassen, Hitze reduzieren und etwa 4 Stunden mit halb geöffnetem Deckel leise köcheln lassen. 

Nach 4 Stunden das Suppengrün waschen, putzen, in grobe Stücke schneiden und in den Topf geben. Aufkochen lassen und alles noch mal ca. 1 Stunde köcheln lassen.
Zwiebeln, Gemüse und Gewürze mit einer Schaumkelle so weit wie möglich entfernen. Das Huhn in der Brühe lassen. Abkühlen lassen und über Nacht kalt stellen.

Am nächsten Tag mit einem Schaumlöffel und / oder Küchenkrepp das Fett auf der Oberfläche der Brühe vorsichtig entfernen. Die brühe mit dem Huhn noch einmal aufkochen. Das Huhn entsorgen - es ist komplett ausgekocht und schmeckt nicht mehr. Ganz sicher! Glaubt mir, ich hab's probiert! Die Brühe durch ein mit einem sauberen Tuch ausgelegtes Sieb in einen anderen Topf gießen. Nochmals kurz aufkochen und ggf. nachsalzen. Die erste Portion noch heiß genießen, mit etwas frischem Schnittlauch und Flädle, Backerbsen oder kleinen Nudeln. Die restliche Brühe portionsweise einfrieren, um für den Rest der Erkältungssaison gewappnet zu sein.

Kommentare:

  1. Die Hühner ausm Mercado habe ich auch schon öfter gekocht. Meist habe ich nur ein halbes genommen, weil sie derart groß waren, dass sie in keinen Topf gepasst hätten.

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  2. Der Stand ist auch meine Hühnerwahl. Steng genommen reichen auch ein paar Karkassen, die sie manchmal von ausgelösten Vögeln liegen haben. Wenn man die ein paar Stunden einkocht, braucht man bloß noch ein paar echte Teile darin gar ziehen lassen und kann deren Fleisch auch genießen. Ich komme in solchen Fällen aber kaum am Suppenhuhn vorbei und lasse inzwischen einfach die Keulen beiseite, um deren Fleisch später mitzugaren. Das ausgekochte Restfleisch bekommen dann die Katzen. ;-) Gute Besserung!

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  3. Ich habe neulich so ein frierendes Suppenhühnchen vom Wochenmark in meinem Slow Cooker für 8 Stunden mit den von dir genannten Badezusätzen heiß gebadet.

    Einfach köstlich, aber das Fleisch ist dann ja wirklich ausgelaugt, aber die Brühe hilft der Mutter wieder auf's Fahrrad, nicht wahr?

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  4. Hach, Mädels, ich bin froh, dass niemand über das entsorgte Fleisch meckert.

    @ nata,
    ich war auch froh, dass die Verkäuferin entschied, ich wolle nur ein halbes Huhn. Ich hätte keinen Topf gehabt für ein ganzes Huhn und 9 Liter Wasser. Und da ich streng nach Rezept koche, hätte ich auch nicht weniger Wasser nehmen können ;o)

    @ Schnick Schnack Schnuck,
    unser kleines braunes Hundevieh hat eine Hühnerallergie (da denkt man, Promenadenmischungen seien robuster ...), sonst hätte sie auch das Fleisch bekommen. Die Keulen beiseite lassen merke ich mir für's nächste Mal. Gleich muss ich erst Mal welche für das heutige Kochtreffen besorgen.

    @ Ulrike,
    das frierende Hühnchen hat sich bestimmt über das heiße Bad gefreut.

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  5. Ach, und nach der leckeren Brühe mag ich mir kaum vorstellen, wie das Rezept aus dem alten Oetker-Schulkochbuch schmeckt. Zutaten: 1 Huhn, 1 Petersilienwurzel, Wasser. Kochzeit: 1 Stunde, insgesamt. Gut, das Rezept ist so einfach, dass sogar ich es mir merken kann, aber schmecken kann das doch nicht ...

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  6. Das Dr.Oetker-Kochbuch wird jetzt mal entsorgt! Oder zumindest archiviert! Nich mal ne Möhre drin! Ts!
    Bei mir kommen noch ein paar dünne Scheibchen Ingwer mit rein. Manchmal auch Zitronengras oder Kaffirblatt. Nur so viel/wenig das man es nicht rausschmeckt. Aber der Ingwer wärmt dann in der Erkältungszeit richtig durch.

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  7. Keiner weiss warum, aber Hühnerbrühe macht wieder gesund!Mit ingwer und Zitronengras gibts dazu noch nen köstlichen Geschmack!

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  8. Hm, mal schnell 'ne Hühnerbrühe kochen ist dann wohl nicht. Ich nehme es mir für das nächste Wochenende vor.

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  9. Nee, für mal eben schnell ist das Rezept ungeeignet. Eine Kollegin meint aber, nach nur 90 Minuten Kochzeit sei so eine Brühe such schon genießbar, wenn man sie schnell braucht. Besser als Dose allemal.

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  10. Ich habe es endlcih geschafft , die Brühe nachzukochen.

    http://restaurant-am-ende-des-universums.blogspot.com/2011/05/huhnerbruhe.html

    LG
    A.D.

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  11. Freut mich, dass es schmeckte! Danke für das nette Feedback!

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