Freitag, 21. Oktober 2011

Arthurs Enkeltochter kocht Kürbissuppe

Optisch kein Höhepunkt. Geschmacklich schon.
Und beim nächsten Mal klappt's dann auch mit dem
Pochieren. Oder beim übernächsten Mal ...
Dass Arthurs Enkeltochter gerne backt, wissen wir spätestens seit dem Zwetschgenkuchen mit Marzipan und Streuseln. Nun kann das Kind ja abseits des mütterlichen Esstisches nicht nur von Kuchen leben. Oder von Fischstäbchen mit Spinat und Nudeln mit Pesto. Da muss dann gelegentlich schon mal was Ordentliches, Frisches her. Und überhaupt, warum interessiert sich das Kind bei der Mutter nicht mehr für's Kochen? Geht gar nicht! Muss geändert werden. Das Kind muss kochen lernen. Foodblogger haben schließlich Verantwortung für kommende Generationen.

Dusseligerweise kam das Kind spontan am Tag nach dem letzten Kochtreffen  vorbei, und nichts war zu essen im Haus, weil ich dem Gatten keinen Einkaufszettel mit gab. Wir haben einen Wochenplan von Montag bis Freitag. Sonnabend gibt es die Reste, Sonntag isst der Gatte auswärts, muss ich dann selbst dran denken, dass ich was zu essen habe. Wenn er alleine einkauft und ich sage ihm vorher nicht, was ich will, bringt er mir nichts mit. Das ist nicht schlimm, denn erstens falle ich nicht so leicht vom Fleisch und zweitens bin ich genauso wie sie völlig zufrieden mit Kartoffeln, Butter, Milch und Salz. Und das ist eigentlich immer im Haus. Okay, zu einem Rochenflügel sagte ich vermutlich auch nicht nein. Hatten wir aber noch nie im Haus. Gehören meiner Meinung nach auch eher an den Rochen.

Aber jetzt sagte sich ein kulinarisch versierter Gast zu einem DVD-Abend an, und nichts ist zu essen im Haus. Nun gut, in einem Foodie-Haushalt ist natürlich nie wirklich nichts zu essen im Haus. Eine kurze Inventur ergab, ich könnte spontan Glasnudel-Melonen-Minz-Salat, Salbeibrot, Bratpaprika, Tarte Tatin, Spaghetti mit Salbei, Erbsen und Eigelb, Spaghetti mit Petersilien-Pesto oder ofengegarten Spaghettikürbis auftischen. Außerdem sind noch Wachteleier im Kühlschrank. Dass Arthurs Enkeltochter aus einem kulinarisch versierten Haushalt kommt, merkte ich, als sie zum ersten Mal unseren Kühlschrank öffnete, sofort die Wachteleier sah und auch noch wusste, was das ist. Ich hätte mich in dem Alter noch gefragt, was Hamburger Elbkiesel im Kühlschrank machen. Jutta und Mel schwärmten schließlich von einer Kürbissuppe mit pochiertem Wachtelei, die sie jüngst aßen. Passt, denn außer dem Spaghettikürbis ist noch Butternuss da, liebevoll von M. und P. im Garten gezogen. Und Suppe lässt sich perfekt vor dem Fernseher löffeln. Außerdem muss ich Pochieren lernen.

Natürlich sollte das Essen fertig sein, wenn der Gast kommt. War's in diesem Fall aber nicht, was nicht nur daran lag, dass der Gast zu früh kam. Also musste der Gast den Kürbis schälen und würfeln. Ich ignoriere, dass der Gast dazu ein Ausbeinmesser nimmt. Messer machen wir das nächste Mal. Aus Solidarität nehme ich ein zu kleines Messer für die Zwiebeln und heule mir die Augen aus.

Und während ich versuchte, zum ersten Mal in meinem Leben Eier zu pochieren, musste der Gast die Suppe pürieren und abschmecken. Zwischendrin entdeckte der Gast, dass es Light-Mayonnaise gibt, beschäftigte sich mit den Inhaltsstoffen und quiekte schockiert: "Das gehört alles nicht in eine Mayonnaise rein!" Braves Kind. Außerdem musste der Gast die Paprika braten, die's als Knabberei geben soll. Daran, dass die nicht richtig knusprig wurden, bin allerdings ich Schuld. Ich drehte die Pfanne zu früh runter. Dann erklärte mir die Enkeltochter, wie die Tochter Eier pochiert. Ich war trotzig und wollte das umsetzen, was ich in der e&t las. Beim nächsten Mal mache ich es mal so wie die Tochter.

Okay, optisch ist unsere Suppe kein Highlight, aber vor dem Fernseher schmeckte sie vorzüglich.  

Irgendwann während des Pürierens der Suppe geht Arthurs Enkeltochter auf: "Hey, ich koche ja!"

Verdammt. Erwischt.

Kürbissuppe mit Linsen und pochiertem Wachtelei

Zutaten für 6 Portionen:
1 kleiner Butternusskürbis (ca. 700 g mit Schale gewogen)
1 mittelgroße weiße Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 Stück Ingwer, ca. 2 cm
500 ml Gemüsebrühe (ich nahm halb Gemüse, halb Huhn, weil nicht mehr genug selbstgemachte Gemüsebrühe da war, so dass meine Suppe nicht vegetarisch war)
1 gute Hand voll Linsen (mit roten Linsen bekommt die Suppe eine schönere Farbe, aber die roten Linsen wollten nicht gefunden werden ...)
500 ml Kokosmilch
1 Mango
6 Wachteleier
Olivenöl
Currypulver
Salz
Pfeffer
Wasser
Essig
Kürbiskernöl

Zubereitung:

Kürbis schälen. Kerne entfernen. Fruchtfleisch würfeln. Mango schälen und würfeln.

Zwiebel und Knoblauch schälen und würfeln. Ingwer reiben.

Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Zwiebel darin glasig dünsten. Knoblauch, Ingwer und Kürbis zugeben und kurz mitdünsten. Linsen und Currypulver dazugeben und das Currypulver etwas Farbe nehmen lassen. Die Gemüsebrühe angießen und das Gemüse weich kochen.

Währenddessen in einem Topf Essigwasser bis zum Siedepunkt erhitzen. Die Wachteleier in kleine Schälchen geben und einzeln in das siedende Wasser gleiten lassen. Etwa drei Minuten ziehen lassen, dann mit einem Schöpflöffel herausnehmen und beiseite stellen.

Mango und Kokosmilch zur Suppe geben und warmziehen lassen. Suppe pürieren und abschmecken. Auf Teller (oder, wie in unserem Fall, in große Tassen) füllen. Wachteleier in die Suppe setzen und etwas Kürbiskernöl darüber geben.

Inspiration: Rock The Kitchen

Kommentare:

  1. *schluck* Jetzt musste ich mir gerade wahrhaftig ein Tränchen der Rührung aus dem Augenwinkel wischen!

    Mein Kind kocht! Und obwohl sie sich in der heimischen Küche allem verwehrt, was mit Zubereitung zu tun hat, dagegen aber eine geradezu hemmungslose Genießerin ist, nehme ich erleichtert zur Kenntnis, dass doch das ein oder andere "hängengeblieben" scheint.

    Sie weiß, wie ich Eier pochiere! Ich bin überwältigt! Sie achtet auf die Inhaltsstoffe in Mayonnaisen! Ich bin entzückt! (das "entzückt ist ein insider für Arthurs Enkelin) ;)
    Dass sie weiß, wie Wachteleier aussehen - geschenkt.

    Allerdings muss ich ihr wohl noch beibringen, dass man die Inhaltstoffe in den Kühlschränken andere Leute, zumal GASTGEBER! - NICHT kommentiert. Manchmal weiß ich ja nicht, wo sie ihre gute Erziehung lässt. Sehen wir es einfach unter dem Blickwinkel, dass sie sich bei Dir wie zuhause fühlt! :)

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  2. Meine Mutter war auch immer fürbaß erstaunt, wie geradezu vorbildlich ich mich bei anderen Leuten benehmen konnte, ich durfte auch überall immer gerne wiederkommen

    unter uns: meine Mutter war auch - schiefer aber nicht unpassender Vergleich - ein Platzhirsch in der Küche, meine kochtechnischen Fähigkeiten hab ich auch bei Oma und in der Studenten-WG entwickelt ;)

    und so eine Kürbissuppe ist doch was Feines, ich freue mich, dass die schöne Zeit jetzt wieder losgeht

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  3. Ja Haupsache Mann laesst die kinder frueh genugindie Kueche und ermutigt Sie bei eersten Schritten.Sie sind von Natur aus neugierig und machen gerne etwas selber.Mir scheint es dies jhat sehr gut gelungen:)

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  4. Ihr seid ein tolles Team! Also Wachteleier habe ich auch noch nie pochiert, das stelle ich mir schwer vor. Da gibt es angeblich auch die Möglichkeit, die Dinger in gefettete Frischhaltefolie zu schlagen, zuzuknoten und dann ins Wasser zu hängen....ob das geht?! Wir könnten mal ein pochierte-Eier Contest ins Leben rufen, wer die beste Variante rausfindet, muss die anderen zum Essen einladen.

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  5. @ AT,
    die Inhaltsstoffe durfte sie kommentieren, weil wir über den Schwiegermutterbesuch am Vortag sprachen, zu dem es Nudelsalat mit Light-Mayo gab. Das Kind fragte, was das sei und bekam daraufhin das Glas in die Hand gedrückt, um nachzugucken.

    Ansonsten schockt mich kulinarisch bei Gast-"Kindern" nichts mehr, seitdem zwei Teenies mal meinen damaligen Meerschweinchen die Paprika wegfutterten - direkt aus dem Käfig - und ein drittes sich 1 kg Weingummi in die knapp zweijährigen Backen stopfte ...

    @ Susa,
    bei Fremden benimmt's sich irgendwie leichter vorbildlich als zu Hause, das ist wohl immer so. Kochen lernen bei Oma und in der WG ist nicht das schlechteste ;o)

    @ Dzoli,
    das Kind ist so ca. 20 Jahre alt *g* Aber durch's Zugucken hat es anscheinend viel gelernt. Verhungern wird's also sicher nicht.

    @ Mel,
    die Variante steht auch noch auf meiner Liste, ist ein Tipp von Frau Küchenlatein. Ja, ein Pochier-Contest als Blog-Event! Cool! Mach' ma'!

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  6. "Das Kind fragte, was das sei"
    Ha! Sie hat es nicht gewuhuhusst! :)
    *stolzguck*

    Und zu ihrer Ehrenrettung muss ich noch sagen, dass sie sich immer vorbildlich benimmt, sogar zuhause!

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  7. @ AT,
    *ggg* Ja, ich sage ihr ja auch jedes Mal, dass sie im Vergleich zur gleichaltrigen Klientel im Haus, das Irre macht, eine Wohltat ist. Also: Hast alles richtig gemacht.

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  8. Daumen hoch für alle Beteiligten.
    Nur das mit der Paprika hab ich nicht begriffen...

    Mel, das geht gut mit der Folie und dem Ei. Netter Nebeneffekt: Man kann gleich noch Kräuter, Gewürze usw. dazu geben.

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  9. Heike,
    das waren Bratpaprika. Die, die es auch auf AT's Geburtstag gab. Wollte ich für den Schwiegermuuterbesuch in der Vorwoche (nicht am Vortag) machen, hatte das dann aber vergessen.

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  10. Kompliment an die Mutter des Kindes, alles richtig gemacht!

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  11. Das liest sich so köstlich ... hast Du das Mädel wirklich freiwillig wieder hergegeben?

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  12. Das Mädel bleibt vorerst in Hamburg, Hesting *g*

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