Samstag, 26. Dezember 2009

Spontanes weiß-rotes Notfall-Weihnachtsmenü, quasi auch ohne Zähne essbar

Sieben Tage vor Weihnachten stand unser Menü. Es war nicht besonders einfallsreich, aber es wäre sicher lecker geworden. Größte Herausforderung für den Hausherrn: Er wollte zum ersten Mal eine Gans selbst machen. Am ersten Feiertag wollten wir fremdessen, am zweiten sollte es Roastbeef und Ofenkartoffeln geben. Für den Sonntag schließlich war ein Dialog von Rumfort an Käsefondue oder Raclette geplant, sprich: Resteessen.

Meine Aufgabe waren knackig-bunte Salate aus Wurzeln und Roter Bete gegen die Festtagsskorbut, Klöße und Rotkohl zur Gans und tuffige kleine Desserts, deren Rezepte an Bastelanleitungen erinnern. Alles gut vorzubereiten, damit der Hausherr sich in der Küche ganz in Ruhe ganz alleine Gans und Roastbeef widmen kann.

Tja.

Zwei Tage vor Heiligabend besuchte der Gatte den Zahnarzt wegen einer lockeren Krone - eigentlich nur Routine, nichts Dramatisches. Abends aß er nur Reis mit Sauce an Schmerztabletten. Einen Tag vor Heiligabend war unser Zahnarzt schon in Urlaub, wurde der Tablettenvorrat aufgefüllt, Salbeitee zum Spülen gekauft. Als Hauptmahlzeit gab's China-Nudeln al matscho ... Als treusorgende Gattin guckte ich schon mal nach den Notdienstzahnärzten ... Heiligabendmorgen meinte der Gatte, es ginge schon besser. Kollektives Aufatmen - bis der Gatte versuchte, weichen Toast zu frühstücken. Ging gar nicht. Also ab zum Notdienstzahnarzt, wo der Gatte die folgenden drei Stunden verbrachte.

Kurz vor Ladenschluss meldete sich der Gatte mobiltelefonisch aus der Tüten- und Dosensuppenabteilung des Supermarktes, konnte kaum verständlich sprechen und erklärte, er könne bis auf Weiteres keine feste Nahrung zu sich nehmen. Der Zahn neben dem mit der lockeren Krone ist eiternd entzündet, kann vorerst nicht gezogen werden, weil daran Zahnersatz hängt ... Die weitere Behandlung kann also nur unser regulärer Zahnarzt festlegen, aber der ist erst im Januar wieder da. Um keine Umstände zu machen, äße der Gatte ab jetzt bis Januar halt Dosensuppen und Dosenravioli, verkündete er tapfer. Ich könnte dann ja die Gans und den Rest des Menüs wie geplant für mich machen ...

Hm, Dosensuppen und Dosenravioli an Heiligabend? Und bis Anfang Januar? Gans für eine Person? Die Schmerzmittel müssen ihm die Sinne verwirren. Während der Gatte seinen Einkauf beendete, legte ich die Gans in den TK schlafen und prüfte die Vorräte. Als der Gatte zu Hause war, stand das weiß-rote Weihnachtsmenü für Zahnschmerzgeplagte.

Wurzel-Orangen-Suppe oder Rote-Bete-Orangen-Suppe schieden als Vorspeise aus, mag der Gatte nur unter Protest. Und da er zwei Tage schon Pamps aß, sollte es Heiligabend schon was Leckeres sein. Hm, im Garten könnten noch Topinambur sein. Ja, tatsächlich, da sind noch welche, und die Menge sollte für eine Vorspeise reichen.

Hm, der Topinamburflan kam beim Gatten nicht so gut an, und Feldsalat haben wir ohnehin nicht. Also eine Topinambur-Cremesuppe als Vorspeise. Zuerst wollte ich noch ein Bacon-Segel oder etwas ähnliche Zickiges machen, aber das wäre für den Gatten zu hart gewesen. Deswegen der Toastbrotengel, der ließ sich stippen, und ein Klecks Preiselbeeren.
Beim Hauptgang waren Kartoffelklöße und karamellisierter Rotkohl zur Gans geplant. Klöße sind eh' zahnfreundlich, und wenn der Rotkohl etwas matschiger gekocht wird, geht der auch. Die Gans wurde ja zum Schlafen in den TK geschickt. Fehlte also ein herzhafter Gansersatz. Klops-Hack war im TK, aber zum Auftauen reichte die Zeit nicht ...

Hm, ich wollte doch schon immer mal ein Steinpilzsoufflé aus dem Tischdampfgarer ausprobieren ... So entstand der Hauptgang: Schlesische Klöße mit karamellisiertem Rotkohl und Steinpilzsoufflé. Sieht auf dem Foto etwas drüch aus, aber der Rotkohl lieferte genug leckeren Saucenersatz, mit dem auch das Soufflé noch weicher gematscht werden konnte.

Selbstgemachter Rotkohl und selbstgemachte Klöße waren übrigens Premiere. Der Gatte guckte erst skeptisch, als ich mit einem Kohl ohne Glas, auf dem "Mildessa" stand, ankam, meinte dann aber, er habe noch nie so leckeren Rotkohl gegessen. Die Klöße machte ich auch im Tischdampfgarer, legte sie allerdings aus Platzgründen übereinander, damit zeitgleich das Steinpilzsoufflé garen konnte. So bappten die Klöße aneinander - die Methode ist nicht zu Nachahmung empfohlen, wenn man Wert auf die Optik legt. Reste von Rotkohl und Klößen wanderten inzwischen zur Gans in den TK.

Damit das weiß-rote Menü dann auch beim Nachtisch stimmig war, wurde das Dessert kurzerhand geändert: Warmes, weißes Schokotörtchen mit sehr weich gedünsteten, klein gewürfelten Glühweinbirnen. Passte nur noch mit Mühe und nach längerer Pause 'rein ...

Inzwischen kann der Gatte schon wieder gaaaanz vorsichtig kauen, so dass zumindest das Fremdessen gestern wie geplant stattfinden konnte. Aber man soll's ja nicht übertreiben. Heute gibt es also wieder ein zahnfreundliches Essen: Lasagne ... Der Gatte ist schon wieder so weit, dass er in der Küche werkeln kann.

Und für die nächsten Tage überlege ich mir, was ich Zahnfreundliches aus Spitzkohl, Wurzeln und Roter Bete zaubere ... Und was ich mit zwei großen Bund Petersilie anfange, die dringend verarbeitet werden müssen ... Pesto scheidet aus, denn die wenigen Käsereste, die wir noch haben, werden in der Lasagne landen.

Und hier das Rezept für das Steinpilzsoufflé aus dem Tischdampfgarer:

Zutaten für 4 Portionen:
3 Eier
50 g Butter, weiche
110 g Mehl
10 g gemahlene Steinpilze / Steinpilzpulver
2 EL Milch oder Sahne
Salz
Pfeffer

Zubereitung:

Vorweg: Ich habe einen Tischdampfgarer Tefal VS 4001 VitaCuisine. Bei anderen Modellen kann die Zubereitung abweichen.

Die Eier trennen und das Eiweiß zu steifem Schnee schlagen.

Eigelb und Butter schaumig schlagen. Mehl und Steinpilzpulver unterrühren. So viel Milch dazu geben, dass der Teig eine leicht flüssige Konsistenz bekommt. Eischnee unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dariol- oder Timbale-Förmchen buttern, evtl. die Formen sicherheitshalber auch noch mit Semmelbröseln ausstreuen. Ersatzweise gehen auch hitzebeständige Glasschälchen. Den Teig in die Förmchen geben und in den großen Garraum stellen. 30 Minuten dämpfen, dann auf Teller stürzen.

Die Soufflés sind als Alternative zu Klößen eine schöne Beilage zu herbstlichen / winterlichen Gerichte. Man kann sie auch solo als Vorspeise essen, zum Beispiel mit einer Sauce aus Preiselbeeren, Cranberries oder Berberitzen, einem Chutney, einer Pilzsauce oder einer braunen Sauce.

Kommentare:

  1. Meine besten Wünsche an den armen Gatten, er hat mein volles Mitgefühl.

    Trotz allem ein tolles Menü

    AntwortenLöschen
  2. Das Steinpilzsouffle hört sich interessant an.

    Gute Besserung für Herrn Kaoskoch und einen Guten Rutsch!

    AntwortenLöschen
  3. Herr Kaoskoch sagt Dankeschön für die Besserungswünsche! Er wirkt schon wieder ganz fidel *freu*

    Euch allen einen guten Start in ein glückliches neues Jahr!

    AntwortenLöschen
  4. Ich hoffe, dass Silvester die ganzen Kracher nachgeholt werden können. Obwohl, in dem Zusammenhang ist Kracher vielleicht nicht das richtige Wort.

    Jedenfalls war das ein mit großer Liebe gekochtes Menü. Deshalb ist es auch so toll geworden.

    Guten Rutsch, gute Besserung und ein tolles Jahr 2010 für euch.

    AntwortenLöschen
  5. Die Gänsebrust gibt es tatsächlich Silvester, sie taut gerade :o) Der Zahn hat sich tatsächlich beruhigt, Gott sei Dank.

    Auch Dir gute Besserung (für die Hand) und komm' gut in ein tolles, glückliches neues Jahr!

    AntwortenLöschen

Ein Kommentar, wie schön! Ich bemühe mich, alle Kommentare zu beantworten. Allerdings kann das manchmal etwas dauern - das Leben neben dem Blog, Du verstehst. Wenn Du Dich durch eine Sicherheitsabfrage quälen musst oder der Kommentar erst moderiert wird, heißt das, dass es gerade viele Spamkommentare gibt. Last but not least: Ich behalte mir vor, einzelne Kommentare zu löschen. Für die Löschung von Kommentaren, die zu kommerziellen Webseiten führen, stelle ich dem Webseiteninhaber 200 Euro in Rechnung.