Samstag, 5. Oktober 2013

Kostprobe: Besuch bei Stauning Danish Whisky, Dänemarks einziger Whisky-Brennerei

In der Lagerhalle, wo die Whiskyfässer reifen.
Wir machen schon seit Jahrenden Urlaub auf dem Klit, aber Stauning Whisky entging uns bislang - vermutlich, weil wir im Urlaub gerne in den Tag hineinleben, ohne irgendwelche Verpflichtungen oder uns um Öffnungszeiten zu kümmern.

In diesem Urlaub brauchte ich aber zwangsläufig wetter- und gesundheitsbedingt ein Alternativprogramm zu Strandspaziergängen, Wanderungen und Radtouren und war froh, dass ich mir schon zu Hause ein paar Termine ausgeguckt hatte, darunter auch die Besichtigung von Dänemarks einziger Whiskydestillerie.

Die Besichtigung, zu der auf Wunsch auch eine Verkostung gehört, beginnt im Verkaufsraum der Brennerei. Hier ist schon alles ausgestellt, was es für dänischen Whisky braucht. Nach der Einfürhung geht es dann erstmal in einen langen Flur, in dem Getreide auf die Weiterverarbeitung wartet. Vom Gang geht es in eine kleine Kammer, in der das Getreide gemahlen wird.

Das getorfte Getreide wartet auf die Verarbeitung.
Gerste, die nicht mit Torf, sondern mit Heide geräuchert wurde - ein spannendes Experiment!
Gemahlenes Getreide.
Eine der Brennblasen, die von den
Ingenieuren von Stauning Whisky ihren
Bedürfnissen angepasst wurden.
Whisky, in Form von Bourbon, ist eigentlich eher das Getränk des Gatten und seiner Mutter. Ich hingegen finde es schon lange interessant, über Whisky und die verschiedenen Brennereien zu lesen, aber ihn zu trinken, war bislang keine schöne Erfahrung. Drambuie, ein Whiskylikör, geht so gerade, aber wenn ich die Wahl habe, nehme ich lieber was anderes. Ich habe halt keinen Stil, wie Schwiegermutter immer wieder gerne betont.

Da der Gatte so total auf Bourbon festgelegt ist, machte er sich ein wenig widerwillig mit mir auf nach Stauning, zeigte sich dann aber doch nachhaltig beeindruckt von der Besichtigung. Wieder zu Hause, trank er einen seiner geliebten Bourbons und meinte, der dänische Whisky habe ihm besser geschmeckt.

Dänischen Whisky zu brennen, war buchstäblich eine Schnapsidee: Während eines langen Wochenendes im Sommerhaus im Mai 2005 fragten sich 14 Freunde, warum es keinen dänischen Whisky gibt. Das Land hat gutes Getreide und gutes Wasser, also alles, was es für einen guten Whisky braucht.

Der Torf für die geräucherten Sorten.
Hier wird das Getreide gewässert und keimt, bevor es gemälzt wird.
Blick in die Räucherkammer, die bei unserem Besuch gerade in Betrieb war. 
Noch ein Blick in die Brennerei.
Neun Freunde blieben übrig und machten sich dran, eine Brennerei ins Leben zu rufen. Das hieß zuerst mal, Bürokratie zu meistern. Gegen die Kupferbrennblasen hatten die Behörden etwas einzuwenden, da Kupfer gesundheitsschädlich ist, genauso wie das Räuchern des Getreides. Diese Bedenken mussten ausgeräumt werden.

Das erste Mal gebrannt wurde dann im Hinterzimmer einer Schlachterei, denn einer der neun ist ein (inzwischen pensionierter) Schlachter.

Zwei Jahre später waren die neun Freunde dann soweit, sich mit privat geborgtem Geld und beliehenen Häusern einen leerstehenden Hof südlich von Stauning zu kaufen. Hier wird jetzt destilliert. Die Brennerei ist inzwischen so erfolgreich, dass sie drei Vollzeitstellen schaffen konnte.

Besonders beeindruckend finde ich, dass die Jungs von Stauning Whisky von Anfang an das Umfeld mit einbezogen und auf Nachhaltigkeit setzten. Am Liebsten machten sie alles selbst, aber nachdem sie feststellten, dass sie keine Bauern sind, verzichten sie auf den Anbau von Gerste und Roggen. Stattdessen beziehen sie es von Bauern in der Umgebung des Ringkøbing Fjords.

Das Destillat wird gefiltert. Dabei lösen sich Öle, die
nach Citrus riechen.
Der Torf, der für das Räuchern des Getreides benötigt wird, wird von Schülern im Rahmen von Projekttagen im Klosterlund Museum (Bølling Sø ) gestochen – ohne Projekttage also kein Whisky.

Das Getreide wird etwa eine Woche lang gewässert, darf keimen und wird schließlich  gemälzt. Da unter den neun Whiskymachern vier Ingenieure sind, haben sie eine Maschine entwickelt, mit der das Getreide bewässert und umgewälzt werden kann, quasi eine Wanderhaufenmälzerei, wie sie im Bierbrauen verwendet wird. Traditionell wird das beim Whiskybrennen mit der Hand gemacht – eine schwere, kräftezehrende Arbeit. Bei der Umsetzung wurden die Schüler einer nahegelegenen Ingenieursschule einbezogen.

"Jetzt alle mal tief einatmen!" Das erste Destillat riecht sehr
fruchtig - wie Obstler. 
Nach dem folgenden dreitägigen Gärprozess beginnt die Destillation in den Brennblasen. Die kommen nicht aus Dänemark – die Spanier haben da einfach mehr Erfahrung und die bessere Technik. Allerdings ließen sich die Macher von Stauning Whisky es sich nicht nehmen, die spanische Technik ihren Bedürfnissen anzupassen und zu verbessern.

Den Jungs von Stauning Whisky geht es im Wesentlichen um den Geschmack, und so verzichten sie auf Zusätze wie Zuckercouleur, womit manche Brennereien für eine gleichmäßige Färbung des Whiskys sorgen. Geschmack ist wichtiger als Aussehen - eine sehr sympathische Einstellung.

Nach Besichtigung der Brennerei geht es über den Hof in die Scheune, in der der Whisky reifen darf. Der Duft ist unbeschreiblich. Die Luft ist geschwängert von Angels' share, dem Anteil des Whiskys, der im Laufe der Lagerung aus den Holzfässern verdunstet.

Auf dem Boden liegt eines der neuen Fässer aus
französischer Eiche mit Young Rye aus 2011.
Darüber ist ein altes Makers Mark-Fass mit einem
Traditional, der erst ein paar Tage vor unserem
Besuch abgefüllt wurde.
Nach der Besichtigung der Lagerhalle geht's wieder in den Verkaufsraum, denn es steht ja noch eine Verkostung auf dem Programm (die Besichtigung kann allerdings auch ohne Verkostung besucht werden).

Seit März 2011 wird der Whisky verkauft, beginnend mit Young Rye, einem Roggendestillat. Wobei: Strenggenommen ist der der Young Rye noch kein Whisky und darf eigentlich auch nicht so genannt werden, da er nur zwei Jahre reifte.

Young Rye ist in der Tradition der Roggendestillate aus Nordamerika hergestellt und gemalzt, mit Aromen von Karamell, Vanille und Früchten.

Young Rye 2013 war dann auch in der Verkostung der Whisky, der dem bourbonliebenden Gatten am Besten und mir schmeckte. So nahmen wir uns davon eine Flasche mit nach Hause. Eigentlich wird Young Rye on the rocks getrunken, aber wir bevorzugen in pur bei Zimmertemperatur.

Statt in Flaschen kann man Whisky auch gleich im Fass kaufen. Es wird bis zur reife separat gelagert und dann abgefüllt.
Blick in die Lagerhalle.
Auch die Beschriftung der Fässer erfolgt in Handarbeit. 
Im Sommer 2012 wurden dann die ersten beiden Single Malts abgefüllt und in den Verkauf gegeben. Seitdem gibt es neben dem Young Rye die Sorten Stauning Traditional Single Malt aus Gerste, die nicht geräuchert wurde, und Stauning Peated Single Malt mit Torf-geräucherter Gerste.

Die Verkostung beginnt.
Alle Arbeitsschritte werden in der Brennerei in Stauning gemacht, und während der Besichtigung kann man alles anschauen, anfassen, daran riechen – die Offenheit, mit der die Jungs ihr Produkt vorführen, ist unglaublich erfrischend. Der Spaß, den sie an der Arbeit haben, ist jederzeit zu spüren.

Auch bei den Fässern wird auf Nachhaltigkeit gesetzt: Traditional und Peated reifen in ehemaligen Makers Mark-Fässern – noch, denn inzwischen kaufen die Chinesen die Fässer zu besseren Preisen auf, als die kleine dänische Brennerei zahlen kann. Also produziert Stauning Whisky seine eigenen Fässer: Rye reift in neuen Fässern aus französischer Eiche, die dann später für Traditional und Peated genutzt werden. Gleichzeitig werden Sherryfässer eingesetzt.

Stauning Traditional reift in ehemaligen Makers Mark-Fässern, der Lieblingssorte des Gatten. Dennoch schmeckte ihm dieser Whisky mit seinem leichten Nougataroma nicht. Mein Fall war’s auch nicht.

Stauning Peated ist aromenreich: Schokolade, Nougat, Vanille, Rauch … Mir sagte der Geschmack durchaus zu.  Allerdings verzichtete ich auf den Kauf, denn an einer Flasche trünke ich ewig.

Zu den Standardsorten kommen Spezialitäten in kleiner Auflage wie Whiskys, die in Sherryfässern ausgebaut wurden, und ein Whisky, der drei Jahre an Bord eines Bramseglers aus Hvide Sande über die Nordsee schippert. Am Ende soll er 56 Prozent haben und Hvide Sande gewidmet werden, das am 56. Breitengrad liegt.

Vorstellung der zu verkostenden Whiskys.
Da der Ausstoß der Brennerei noch gering ist, wird Stauning Whisky zurzeit nur in Dänemark verkauft. Die Qualität des Whiskys sprach sich schnell herum - Jim Murray, Herausgeber der "Whisky Bible", war angetan, und das Kopenhagener Restaurant Noma, wiederholt zum besten der Welt gekürt, schenkt Stauning Whisky als einzigen Whisky aus.

Das ist sicherlich beeindruckend und macht die Jungs von Stauning Whisky zurecht stolz. Letztlich kommt es aber auch beim Whisky nur auf eines an: Schmeckt er oder schmeckt er nicht. Ich finde, er schmeckt.

Mir haben Besichtigung und Verkostung sehr viel Spaß gemacht - klare Empfehlung an Dich, da mal vorbeizuschauen, wenn Du in der Nähe bist! Meine wichtigste Erkenntnis war übrigens, dass Whisky ganz anders riechen kann als er schmeckt. 

Kommentare:

  1. Wir waren im Sommer auch da und mein Mann (trinkt sonst nur Single-Malt aus Schottland) war begeistert und "leierte" mir 2 Flaschen aus dem Kreuz. Die sind schon fast leer und jetzt ist das Gejammere groß.

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