Sonntag, 22. Dezember 2013

Szenen einer Ehe: Der Weihnachtsbaumkauf

Das weihnachtlich geschmückte Lokal "Zur Eiche".
Mit dem Gatten zog auch wieder der Weihnachtsbaum in mein Leben ein. In den sechzehn Jahren zwischen Auszug aus dem Elternhaus und Zusammenzug mit dem Gatten kam ich sehr gut ohne aus. Also, ohne Weihnachtsbaum. Okay, ohne Gatten auch, denn ich wusste ja noch nicht, dass es ihn gibt.

Ähm, wo wollte ich noch gleich hin?!

Ach ja, der Weihnachtsbaum.

Der Gatte besteht auf einem Weihnachtsbaum. Und er besteht darauf, einen Brauch aus seinem Elternhaus weiterzuführen: Spätestens am 23. Dezember wird der Baum gemeinsam geschmückt. Dabei wird Champagner getrunken.

Inzwischen haben wir die perfekte Arbeitsteilung: Ich sitze halb liegend auf dem Sofa und trinke den Champagner, während der Gatte den Baum schmückt. Er ist nämlich ein Weihnachtsjunkie. Wenn er könnte, wie er wollte, sähe es bei uns aus wie in "Schöne Bescherung". Apropos: Der Film ist natürlich auch weihnachtliches Pflichtprogramm.

An den Restaurantwänden erinnern Malereien an die Geschichte der Region. Hier: Die Besetzung durch die Franzosen und der damit einhergehende Bau der Chaussee (heute B75) nach Harburg. 
Aber ich drifte schon wieder vom Baum ab.

Weihnachtsbaum. Nicht unserer. 
Den Baum besorgen wir in der Nordheide. Das hat den Vorteil, dass wir Mudderns einsammeln können, damit sie mal an die frische Luft kommt, oder dass wir hinterher mit Kuchen zum Kaffee bei ihr vorbeischauen können.

Bauernfrühstück.
In diesem Jahr sammelten wir Mudderns ein und fuhren vor dem Baumkauf mit ihr zum Essen, "nach Stöver", wie das Hotel und Restaurant "Zur Eiche" seit Jahrzehnten bei uns heißt. Hier aß ich schon als kleine Deern, wenn Vadderns mal wieder Geschäftspartner einlud und Mudderns und ich mit mussten. Damals aß ich meistens Roastbeef mit Bratkartoffeln. Das gab's zu Hause nämlich nicht, sondern nur im Restaurant. Weil man Roastbeef nicht selber machen kann, behaupteten Elterns.

Grützwurst mit Bratkartoffeln und Apfelmus.
Heute gibt es hier regionale, saisonale Landhausküche mit gelegentlichen Ausflügen in die Ferne - ehrliche Küche, wie ich sie mag! Wie früher suche ich mir etwas aus, das es zu Hause nicht bzw. nur selten gibt: Grützwurst mit Bratkartoffeln und Apfelmus. Der Gatte bestellt sich Bauernfrühstück und überlegt, sich einen anderen Tisch zu suchen, einen, an dem er nicht sehen kann, wie Mudderns und ich Grützwurst essen. Vor Grützwurst ekelt er sich nämlich.

Der Gatte legt Hand an. 
Nach dem Essen geht's weiter zum Weihnachtsbaumkauf. Wenn wir unter den ausgestellten keinen finden, der des Gatten Ansprüchen genügt, geht's hinaus auf's Feld zum Selberschlagen. Vorher müssen Mudderns und ich natürlich den Hofladen genauestens inspizieren. Mudderns trifft außerdem Hinz und Kunz und muss natürlich mit jedem 'ne Runde schnacken. Der Gatte verzieht sich genervt zum Pfeiferauchen nach draußen. Im Zweifelsfall findet er sich an der Würstchenbude wieder an.

Fette Beute.
Wenn Weihnachtsbaum und Mudderns im Auto verstaut sind (was wesentlich weniger abenteuerlich ist, seitdem wir das große schwarze Auto haben), geht's zurück nach Hause - den Weihnachtsbaumständer suchen. Der liegt zwar 50 Wochen im Jahr unter dem Bett, aber das ist für den Gatten immer wieder eine Überraschung.

Weihnachtsbaum.
Dann erwartet uns regelmäßig eine weitere Überraschung, wenn der Baum aus dem Transportnetz befreit ist. Im Wald sah der Baum so klein und handlich aus. Und jetzt ist auf einmal das riesige Wohnzimmer voll. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Der Baum muss im Auto doch noch gewachsen sein!

Steht der Baum dann endlich in voller Pracht, kommen Schwiegermutter und Tante, um ihn zu bewundern. Außerdem geht die Diskussion los, wie lange der Baum stehen bleiben darf. Meistens setze ich mich durch: Nach Heilige Drei Könige kommt er raus, nicht früher. Beim Abtransport ist er übrigens wesentlich handlicher als beim Kauf.

Weihnachtsbaum als Bausatz.
 Ich wünsche Euch fröhliche, genussvolle Feiertage!

Kommentare:

  1. Diese Aufgabenverteilung beim Schmücken des Tannenbaumes gefällt mir! Früher hab ich ihn geschmückt: Das daute Stunden.... Seit Göga und Sohni das erledigen, ists in ner halben Stunde gegessen.... und das bei 3,5 m!!!! Danke für ein weiteres Jahr genussvolles Lesen auf deinem Blog!
    LG MamaBeate

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    1. 30 Minuten für dreieinhalb Meter hört sich nach Kugelweitwurf an *g* Danke für das Lob! Euch ein gutes neues Jahr!

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  2. Ich liebe Baum schmuecken, leider nicht abschmuecken. Daher gibt es bei uns einen fertig geschmueckten vom Handel dieses Jahr der sehr handlich auf den Tisch passt :-)
    Ich wuensche euch ein schoenes Weihnachtsfest.

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    1. Die fertigen haben auch was! Ich liebäugle ja immer noch mit einem Plastikbaum ... Hoffe, Ihr hatte schöne Feiertage und wünsche ein schönes neues Jahr!

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