Samstag, 5. Oktober 2013

Kostprobe: Besuch bei Stauning Danish Whisky, Dänemarks einziger Whisky-Brennerei

In der Lagerhalle, wo die Whiskyfässer reifen.
Wir machen schon seit Jahrenden Urlaub auf dem Klit, aber Stauning Whisky entging uns bislang - vermutlich, weil wir im Urlaub gerne in den Tag hineinleben, ohne irgendwelche Verpflichtungen oder uns um Öffnungszeiten zu kümmern.

In diesem Urlaub brauchte ich aber zwangsläufig wetter- und gesundheitsbedingt ein Alternativprogramm zu Strandspaziergängen, Wanderungen und Radtouren und war froh, dass ich mir schon zu Hause ein paar Termine ausgeguckt hatte, darunter auch die Besichtigung von Dänemarks einziger Whiskydestillerie.

Die Besichtigung, zu der auf Wunsch auch eine Verkostung gehört, beginnt im Verkaufsraum der Brennerei. Hier ist schon alles ausgestellt, was es für dänischen Whisky braucht. Nach der Einfürhung geht es dann erstmal in einen langen Flur, in dem Getreide auf die Weiterverarbeitung wartet. Vom Gang geht es in eine kleine Kammer, in der das Getreide gemahlen wird.

Das getorfte Getreide wartet auf die Verarbeitung.
Gerste, die nicht mit Torf, sondern mit Heide geräuchert wurde - ein spannendes Experiment!
Gemahlenes Getreide.
Eine der Brennblasen, die von den
Ingenieuren von Stauning Whisky ihren
Bedürfnissen angepasst wurden.
Whisky, in Form von Bourbon, ist eigentlich eher das Getränk des Gatten und seiner Mutter. Ich hingegen finde es schon lange interessant, über Whisky und die verschiedenen Brennereien zu lesen, aber ihn zu trinken, war bislang keine schöne Erfahrung. Drambuie, ein Whiskylikör, geht so gerade, aber wenn ich die Wahl habe, nehme ich lieber was anderes. Ich habe halt keinen Stil, wie Schwiegermutter immer wieder gerne betont.

Da der Gatte so total auf Bourbon festgelegt ist, machte er sich ein wenig widerwillig mit mir auf nach Stauning, zeigte sich dann aber doch nachhaltig beeindruckt von der Besichtigung. Wieder zu Hause, trank er einen seiner geliebten Bourbons und meinte, der dänische Whisky habe ihm besser geschmeckt.

Dänischen Whisky zu brennen, war buchstäblich eine Schnapsidee: Während eines langen Wochenendes im Sommerhaus im Mai 2005 fragten sich 14 Freunde, warum es keinen dänischen Whisky gibt. Das Land hat gutes Getreide und gutes Wasser, also alles, was es für einen guten Whisky braucht.

Der Torf für die geräucherten Sorten.
Hier wird das Getreide gewässert und keimt, bevor es gemälzt wird.
Blick in die Räucherkammer, die bei unserem Besuch gerade in Betrieb war. 
Noch ein Blick in die Brennerei.
Neun Freunde blieben übrig und machten sich dran, eine Brennerei ins Leben zu rufen. Das hieß zuerst mal, Bürokratie zu meistern. Gegen die Kupferbrennblasen hatten die Behörden etwas einzuwenden, da Kupfer gesundheitsschädlich ist, genauso wie das Räuchern des Getreides. Diese Bedenken mussten ausgeräumt werden.

Das erste Mal gebrannt wurde dann im Hinterzimmer einer Schlachterei, denn einer der neun ist ein (inzwischen pensionierter) Schlachter.

Zwei Jahre später waren die neun Freunde dann soweit, sich mit privat geborgtem Geld und beliehenen Häusern einen leerstehenden Hof südlich von Stauning zu kaufen. Hier wird jetzt destilliert. Die Brennerei ist inzwischen so erfolgreich, dass sie drei Vollzeitstellen schaffen konnte.

Besonders beeindruckend finde ich, dass die Jungs von Stauning Whisky von Anfang an das Umfeld mit einbezogen und auf Nachhaltigkeit setzten. Am Liebsten machten sie alles selbst, aber nachdem sie feststellten, dass sie keine Bauern sind, verzichten sie auf den Anbau von Gerste und Roggen. Stattdessen beziehen sie es von Bauern in der Umgebung des Ringkøbing Fjords.

Das Destillat wird gefiltert. Dabei lösen sich Öle, die
nach Citrus riechen.
Der Torf, der für das Räuchern des Getreides benötigt wird, wird von Schülern im Rahmen von Projekttagen im Klosterlund Museum (Bølling Sø ) gestochen – ohne Projekttage also kein Whisky.

Das Getreide wird etwa eine Woche lang gewässert, darf keimen und wird schließlich  gemälzt. Da unter den neun Whiskymachern vier Ingenieure sind, haben sie eine Maschine entwickelt, mit der das Getreide bewässert und umgewälzt werden kann, quasi eine Wanderhaufenmälzerei, wie sie im Bierbrauen verwendet wird. Traditionell wird das beim Whiskybrennen mit der Hand gemacht – eine schwere, kräftezehrende Arbeit. Bei der Umsetzung wurden die Schüler einer nahegelegenen Ingenieursschule einbezogen.

"Jetzt alle mal tief einatmen!" Das erste Destillat riecht sehr
fruchtig - wie Obstler. 
Nach dem folgenden dreitägigen Gärprozess beginnt die Destillation in den Brennblasen. Die kommen nicht aus Dänemark – die Spanier haben da einfach mehr Erfahrung und die bessere Technik. Allerdings ließen sich die Macher von Stauning Whisky es sich nicht nehmen, die spanische Technik ihren Bedürfnissen anzupassen und zu verbessern.

Den Jungs von Stauning Whisky geht es im Wesentlichen um den Geschmack, und so verzichten sie auf Zusätze wie Zuckercouleur, womit manche Brennereien für eine gleichmäßige Färbung des Whiskys sorgen. Geschmack ist wichtiger als Aussehen - eine sehr sympathische Einstellung.

Nach Besichtigung der Brennerei geht es über den Hof in die Scheune, in der der Whisky reifen darf. Der Duft ist unbeschreiblich. Die Luft ist geschwängert von Angels' share, dem Anteil des Whiskys, der im Laufe der Lagerung aus den Holzfässern verdunstet.

Auf dem Boden liegt eines der neuen Fässer aus
französischer Eiche mit Young Rye aus 2011.
Darüber ist ein altes Makers Mark-Fass mit einem
Traditional, der erst ein paar Tage vor unserem
Besuch abgefüllt wurde.
Nach der Besichtigung der Lagerhalle geht's wieder in den Verkaufsraum, denn es steht ja noch eine Verkostung auf dem Programm (die Besichtigung kann allerdings auch ohne Verkostung besucht werden).

Seit März 2011 wird der Whisky verkauft, beginnend mit Young Rye, einem Roggendestillat. Wobei: Strenggenommen ist der der Young Rye noch kein Whisky und darf eigentlich auch nicht so genannt werden, da er nur zwei Jahre reifte.

Young Rye ist in der Tradition der Roggendestillate aus Nordamerika hergestellt und gemalzt, mit Aromen von Karamell, Vanille und Früchten.

Young Rye 2013 war dann auch in der Verkostung der Whisky, der dem bourbonliebenden Gatten am Besten und mir schmeckte. So nahmen wir uns davon eine Flasche mit nach Hause. Eigentlich wird Young Rye on the rocks getrunken, aber wir bevorzugen in pur bei Zimmertemperatur.

Statt in Flaschen kann man Whisky auch gleich im Fass kaufen. Es wird bis zur reife separat gelagert und dann abgefüllt.
Blick in die Lagerhalle.
Auch die Beschriftung der Fässer erfolgt in Handarbeit. 
Im Sommer 2012 wurden dann die ersten beiden Single Malts abgefüllt und in den Verkauf gegeben. Seitdem gibt es neben dem Young Rye die Sorten Stauning Traditional Single Malt aus Gerste, die nicht geräuchert wurde, und Stauning Peated Single Malt mit Torf-geräucherter Gerste.

Die Verkostung beginnt.
Alle Arbeitsschritte werden in der Brennerei in Stauning gemacht, und während der Besichtigung kann man alles anschauen, anfassen, daran riechen – die Offenheit, mit der die Jungs ihr Produkt vorführen, ist unglaublich erfrischend. Der Spaß, den sie an der Arbeit haben, ist jederzeit zu spüren.

Auch bei den Fässern wird auf Nachhaltigkeit gesetzt: Traditional und Peated reifen in ehemaligen Makers Mark-Fässern – noch, denn inzwischen kaufen die Chinesen die Fässer zu besseren Preisen auf, als die kleine dänische Brennerei zahlen kann. Also produziert Stauning Whisky seine eigenen Fässer: Rye reift in neuen Fässern aus französischer Eiche, die dann später für Traditional und Peated genutzt werden. Gleichzeitig werden Sherryfässer eingesetzt.

Stauning Traditional reift in ehemaligen Makers Mark-Fässern, der Lieblingssorte des Gatten. Dennoch schmeckte ihm dieser Whisky mit seinem leichten Nougataroma nicht. Mein Fall war’s auch nicht.

Stauning Peated ist aromenreich: Schokolade, Nougat, Vanille, Rauch … Mir sagte der Geschmack durchaus zu.  Allerdings verzichtete ich auf den Kauf, denn an einer Flasche trünke ich ewig.

Zu den Standardsorten kommen Spezialitäten in kleiner Auflage wie Whiskys, die in Sherryfässern ausgebaut wurden, und ein Whisky, der drei Jahre an Bord eines Bramseglers aus Hvide Sande über die Nordsee schippert. Am Ende soll er 56 Prozent haben und Hvide Sande gewidmet werden, das am 56. Breitengrad liegt.

Vorstellung der zu verkostenden Whiskys.
Da der Ausstoß der Brennerei noch gering ist, wird Stauning Whisky zurzeit nur in Dänemark verkauft. Die Qualität des Whiskys sprach sich schnell herum - Jim Murray, Herausgeber der "Whisky Bible", war angetan, und das Kopenhagener Restaurant Noma, wiederholt zum besten der Welt gekürt, schenkt Stauning Whisky als einzigen Whisky aus.

Das ist sicherlich beeindruckend und macht die Jungs von Stauning Whisky zurecht stolz. Letztlich kommt es aber auch beim Whisky nur auf eines an: Schmeckt er oder schmeckt er nicht. Ich finde, er schmeckt.

Mir haben Besichtigung und Verkostung sehr viel Spaß gemacht - klare Empfehlung an Dich, da mal vorbeizuschauen, wenn Du in der Nähe bist! Meine wichtigste Erkenntnis war übrigens, dass Whisky ganz anders riechen kann als er schmeckt. 

Dienstag, 1. Oktober 2013

Kostprobe: Viele, viele bunte dänische Biere

Rollentausch im Urlaub: Während sich der Gatte durch bunte dänische Brausen trank, versuchte ich mich an den Bieren.

Wobei: Manchmal ist der Unterschied zwischen Bier und Brause fließend wie bei Skovbærhvede aus der Bryggerie Skovlyst. Sehr süß, sehr himbeerig, sehr rot - durchaus lecker, wenn man auf Gummibärchen steht.

Ein Weizenbier mit Waldbeeren: Skovbærhvede aus der Bryggerie Skovlyst. Sehr süß, sehr himbeerig, sehr gummibärig - vermutlich eines der Biere, die als "Mädchenbier" charakterisiert werden. 
Putzigerweise weniger himbeerig war Hindbær Tripel, ein belgisch inspiriertes Bier mit Himbeeren, aus der gleichen Brauerei.

Hindbær Tripel aus der Bryggerie Skovlyst. Nicht ganz so süß wie das Waldbeerenbier, etwas mehr Hopfen
Während die beiden ersten Biere auf Seeland gebraut wurden, stammt Thisted Limfjords Porter aus Jütland, wo wir urlaubten. Es ist ein Baltic Porter, also dunkles, malziges Starkbier.

Limfjords Porter aus dem Thisted Bryhus: Malzig. leicht rauchig, schokoladig-karamellig.
Thisted Limfjords Porter wird mit Rauchmalz und Lakritz gebraut - hört sich vielleicht merkwürdig an, schmeckt aber, auch dank einer sehr schokoladigen und ein wenig karamelligen Note. Überhaupt entdeckte ich in diesem Urlaub Lakritze für mich - zumindest als Notengeber.

Keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterließ bei mir das India Pale Ale aus der Rise Bryggeri auf Ærø, aus der Dänemarks bestes Bier kommen soll. Anscheinend mag ich dunkle Biere lieber.

India Pale Ale aus der Rise Bryggeri, ein helles, starkes Ale.
Am ersten Abend, als wir in einem Restaurant aßen, trank ich zum Biksemad ein Jacobsen Brown Ale, ein Vintage Beer, benannt nach dem Gründer der Carlsberg-Brauerei. Karamellig, gehopft, mit Aromen von Schokolade und Lakritz, schmeckte es mir sehr gut - wie gesagt: Dunkle Biere mag ich anscheinend lieber. Der Gatte hingegen bevorzugte das Extra Pilsner und das Saaz Blonde von Jacobsen.

Mal schauen, welche der Biere wir in Hamburg bekommen ...

Montag, 30. September 2013

Ferienhausküche

Trotz des holprigen Urlaubsstarts schaffte ich es noch, die Lebensmittel, die während unserer Abwesenheit verdorben wären, in den Wagen zu packen, bevor es losging. So kochten wir in den ersten Tagen also mit dem, was wir an Frischem mitbrachten: Gnocchi, Tomaten, Paprika, Bickbeeren, Gurke, Wurzeln, Sahne und Steaks.

Blick aus dem Küchenfenster, das ein Dachfenster ist. 
Wein darf auch nicht fehlen - für den Fall, dass ich den aus Årø nicht finde (ich war auch diesmal erfolglos).

Vor der Abfahrt schnell noch unter den Beifahrersitz gestopft: Eine Flasche Rheingauer Leichtsinn.
Der Gatte hatte schon Lieblingsmesser und Pfannendeckel eingepackt und eine Kühlbox bestückt. Ich nahm noch Basics wie Mehl, Zucker, Semmelbrösel, getrocknete Steinpilze, Reis und Nudeln mit sowie ein paar Gewürze und getrocknete Kräuter, Essig und Öl.

Karbonade mit Nudeln und Steinpilzen.
Ansonsten kaufen wir im Urlaub frisch ein - so viel teurer als in Hamburg ist es in Dänemark nicht, und wir lieben es, uns im Urlaub vom Angebot inspirieren zu lassen. Zu Hause leben wir ja meistens nach Plan. Unverständlich ist uns, wie manche mit Massen an eingedosten Lebensmitteln ins Ferienhaus fahren können. Auch wenn die Küche vielleicht nur spartanisch ausgestattet ist, ist es doch nicht so schwer, was Leckeres, Frisches auf den Tisch zu bringen.

Resteessen: Nudeln, Steinpilze, Hähnchenbrustfilet und ein übriggebliebener Klops.
Kaltes Mittagessen auf dem Liegestuhl: Spaghetti Bolognese.
Im Urlaub kocht der Gatte - ich bin höchstens für Pfannkuchen, Puddings und Kuchenbacken zuständig. Backformen gab's im Ferienhaus nicht, aber Auflaufformen - prima für Ofenpfannekuchen mit Bickbeeren, die ich aus dem heimischen Gemüsefach mitnahm.

Ofenpfannkuchen als Nachtisch an einem Tag, an dem es Salat gab.
Am nächsten Tag gab' s die Pfannkuchen zum Tee auf der Terrasse.
Zwei Mal kauften wir Kuchen. Besonders der Othellokage mit nur drei wesentlichen Zutaten - Sahne, Zucker, Mehl - tat es dem Gatten an.

Wienerstang zum Tee auf der Terrasse. 
Othellokage, an einem der Regentage am rumpeligen Basteltisch im Wintergarten genossen.
Hauptmahlzeit im Ferienhausurlaub ist das späte Frühstück, das wir ausgiebig genießen. Diesmal lag das Haus so, dass der Brugsen mit frischen Brötchen nur einen Spaziergang entfernt war. So gab's dann morgens frische Rundstykker und Spiegel- oder Rührei.

Rührei mit Krabben und Kräutern. Dass dänische Eier so blass sind, finde ich immer wieder irritierend. 
Eigentlich wollte der Gatte täglich grillen. Im Vorfeld überlegten wir uns einiges dafür. Durch den vielen Regen hatte er dann dazu aber keine Lust. Er konnte den Grill zwar an die Tür des Wintergartens stellen, so dass er trocken blieb, aber Spaß machte ihm das nicht. So wurden dann zwei Mal Steaks gegrillt, einmal Karbonaden, aber auf die geplante Grillfischorgie verzichteten wir.

Ohne seinen Weber fährt der Gatte nicht in den Urlaub ... 
Vielleicht im nächsten Urlaub ...

Sonntag, 29. September 2013

Szenen einer Ehe: Fifty Shades of Grey, sozusagen

Kaffeekochen auf dem Weber.
Der Gatte und ich waren in Urlaub. Das erste Mal wieder gemeinsam seit zwei Jahren. Es ging nach Dänemark. Normalerweise sind wir dort im Mai, jetzt halt im September. Das macht einen Unterschied, wie uns schnell klar wurde.

Der Urlaubsauftakt war mehr als chaotisch. Der Gatte, überurlaubsreif, fing schon Tage vorher mit den Vorbereitungen an. Wo war der gelassene Mann, den ich bislang zu Hause hatte? Der aus dieser Geschichte?

Am Abfahrtstag, nach einer schlaflosen Nacht, begann der Gatte, viel zu früh alles mögliche ins Auto zu stopfen. Normalerweise schlafen wir am Abfahrtstag aus, frühstücken und arbeiten dann gemeinsam die Packliste ab. Diesmal gebar sich der Gatte wie ein geficktes Eichhörnchen Berserker, war nicht ansprechbar. Da hilft nur eins: In Deckung gehen.

Mir wurde plötzlich klar, wieso manche Männer ihre Frauen an Raststätten oder Tankstellen vergessen. In dem Zustand, in dem der Gatte war, hätte er mich glatt zu Hause gelassen.

Hätte nur nichts genützt.

Ich habe ein eigenes Auto und kenne den Weg. Außerdem bin ich die mit den Reiseunterlagen, die, auf deren Namen die Buchung läuft.

Wie grillt man einen Topf?! Kaffeekochen auf dem Weber.
Bei dem ganzen gedankenlosen Gestopfe vergaß der Gatte die Basics wie Kaffee, Kaffeefilter und Kochgedöns. Passte ohnehin nicht mehr ins Auto. Ein bisschen schmuggelte ich noch vor Abfahrt hinein. Ansonsten beruhigte ich mich damit, dass ich weiß, welche Supermärkte auch sonntags erst um 22 Uhr schließen. Kaufen wir halt vor Ort ein ...

Irgendwann hieß es dann: "Der Grill ist eingeladen. Wir können los!"

Fehlten noch die Fahrräder. Als die auf dem Träger in der Stoßstange festgestrapst waren, guckte ich mir das Auto an und fragte vorsichtig: "Schatz, meinst du vielleicht auch, es wäre vielleicht eine gute Idee gewesen, die Kofferraumklappe erst zu schließen und dann die Fahrräder anzustrapsen?!"

Der findet das Wetter sicher auch nicht toll, freut sich aber
über Brötchen- und Kuchenkrümel.
Einen Wutanfall später waren die Fahrräder abgestrapst, die Kofferraumklappe geschlossen, die Fahrräder wieder festgestrapst. Nach einem Tankstellenstopp konnten wir dann tatsächlich los - nur knappe vier Stunden später als sonst.

Und zum Glück kam diesmal der Hund nicht mit. Er hätte keinen Platz mehr gehabt - falls der Gatte ihn überhaupt eingeladen hätte ...

Die Fahrt war sehr anstrengend - Dauerregen, Staus ... Wir waren froh, als wir ankamen - viel später als sonst. Im strömenden Regen luden wir aus und freuten uns auf einen Sofaabend am prasselnden Kaminfeuer nach einer heißen Dusche.

Nur: Es gab keinen Strom. Klar, wir wissen, dass wir den Hauptschalter betätigen müssen, damit es Strom gibt. Aber in diesem Ferienhaus war anscheinend kein Hauptschalter.

Durchnässt, frierend und schwerst genervt, machten wir uns auf den Weg in die nächste größere Stadt, nach Nørre Nebel. Wir landeten in der Bodega Bjælkestuen, aßen Schnitzel Wiener Art mit Kapern und Sardellen sowie Biksemad, ein deftiges Gericht aus Bratkartoffeln, Fleisch, Spiegelei und Roter Bete.

Liegestuhlblick.
Das Essen war gut, das Bier war süffig, aber es zog wie Hechtsuppe. Warm wurde uns also nicht. Okay, ich wünschte mir, in diesem DK-Urlaub mal zum Essen ausgeführt zu werden, aber irgendwie stellte ich mir das anders vor ...

So gedankenlos der Gatte auch das Auto vollstopfte - er nahm Taschenlampen mit. Viele Taschenlampen. Und er dachte auch an die Batterien. Licht hatten wir also, nur kalt war uns immer noch. Die Vormieter ließen kein Holz da, und die Verkaufsstellen war entweder leer oder standen so ungünstig, dass das Holz nass war.

Am nächsten Morgen wollte ich wieder in die Stadt fahren, um zu frühstücken, bevor wir zum Vermieter fuhren, um das Stromproblem zu klären. Der Gatte, lange vor mir wach, da genervt, begann stattdessen, Wasser auf dem Grill zu erhitzen, um Kaffee zu kochen. Brötchen gab's vom nahe gelegenen Brugsen.

Liegestuhlblick.
Während wir einkauften, löste der Vermieter unser Stromproblem. Wer hätte gedacht, dass der Hauptschalter mit "Vand", "Wasser" beschriftet ist und auf Rot stehen muss, nicht auf Grün, damit Strom, nicht Wasser fließt?! Und warum sollte man für dämliche Touristen einen Hinweis anbringen, wenigstens auf Dänisch?!

Drinnen floss endlich Strom, draußen strömte der Regen. Aber wir hatten Holz und  Lebensmittel und richteten uns ein. Es wurde ein fauler Tag mit Basteln, Lesen, Fernsehen gucken und Schlafen.

Am nächsten Tag war dann plötzlich für drei Tage Sommer.

Während ich mich einem ausgiebigen Wellnessprogramm widmete, um mich anschließend auf dem Liegestuhl zu erholen, startete der Gatte zu einem ersten Strandspaziergang.

Liegestuhlblick.
Nachts regnete es, aber das störte uns nicht weiter, solange es tagsüber einigermaßen trocken ist.

Die geplanten Rad- und Wandertouren mussten allerdings ausfallen. Der Gatte, seit April maladierend, bekam Herzprobleme. Sonst in der Lage, 30 Kilometer und mehr zu wandernd, schaffte er keine 300 Meter mehr ohne Pause, fiel einfach vom Rad.

Es ist zwar ein erhebendes Gefühl, eine bessere Kondition als der Gatte zu haben, aber unter diesen Umständen konnte ich darauf verzichten.

Mein Held wollte weder zum dänischen Arzt noch nach Hause, also reduzierten wir unser Sportprogramm radikal. Inzwischen wissen wir, dass alles nicht so dramatisch war, nur seine Medikamente neu eingestellt werden mussten. Gott sei Dank!

Ich hätte natürlich auch alleine losfahren können, aber dazu hatte ich keine Lust. Ich freute ich stattdessen darüber, in der Sonne liegen und lesen zu können, denn dazu kam ich den ganzen Sommer nicht. Und abends fand ich endlich Zeit, ausgiebig zu basteln, während der Gatte sich durch mitgebrachte DVDs arbeitete oder durch Programme, die wir zu Hause nicht empfangen können, zappte.

Einen Vorteil hatte das schlechte Wetter:
Wir sahen jede Menge Regenbögen.
Ende der Woche setzte dann wieder der nicht vermisste Regen ein.

Aus den Mai-Urlauben kennen wir Wolkenbrüche. Jetzt aber war das Wetter so verrückt, dass wir, kaum ahnten wir eine Wolkenlücke und gingen los, sofort vom nächsten Schauer überrascht wurden. Nachts gab's Stürme, die mich um das Dach bangen ließen und die Gartenmöbel von der Terrasse schoben.

Außerdem wechselten Hoch- und Tiefdruckgebiete so rasch, dass ich Migräne bekam.

Nein, wir brauchen keinen blauen Himmel. Grauer tut's auch. Aber Sturm und Dauerregen machten uns mürbe. Ich wollte früher abfahren, auch, damit der Gatte zum Arzt kommt, aber der wollte stur bleiben. Inzwischen hatte er alle DVDs gesehen und entdeckte TV-Kochsendungen für sich ... Ich war froh, dass ich mein eBook vor der Abfahrt noch prall füllte.

Bedingt durch das Wetter waren wir viel mit dem Auto unterwegs, hatten aber wenig Lust, uns irgendwas anzuschauen, sofern das mit Aussteigen verbunden war - der Weg vom Parkplatz zum Eingang war selten trocken zu schaffen, und da zum Regen Wind kam, nützten auch Jacken wenig.

Am Ende der zehn Urlaubstage war ich urlaubsreif und froh, dass ich wieder ins Büro durfte. Der Gatte ist noch immer maladierend und urlaubsreif, freut sich auf das bevorstehende lange Wochenende und seinen Weihnachtsurlaub.

Im Mai wird's wohl wieder nach Dänemark gehen - mit einem hoffentlich gesundeten Gatten.

Freitag, 27. September 2013

Nachgekocht: Kürbis-Linsen-Curry

Kürbis-Linsen-Curry mit Malabar-Curry-Paste.
Ich freue mich immer, wenn ich andere als die vom Gatten so geliebten Tellerlinsen verkochen kann. Es gibt so viele Linsensorten, warum sich auf eine beschränken?! Die roten sind besonders eisenhaltig, was meinen chronischen Eisenmangel freut.

Da wir keinen halben Kürbis im Kühlschrank hatten, kaufte ich einen ganz kleinen beim Lieblingsbiostand auf dem Markt. Ansonsten ist das Curry auch prima zur Resteverwertung geeignet.

Kürbis-Linsen-Curry

Zutaten für 4 Portionen:
neutrales Öl
1/2 Zwiebel, gewürfelt
1 kleiner Hokkaido-Kürbis, entkernt und in mundgerechten Würfeln
3 Wurzeln, geschält und mundgerechte Würfel (etwa in der Größe der Kürbiswürfel)
ein großzügiger Schluck Noilly Prat oder Weißwein
500 ml Gemüsebrühe
100 g rote Linsen
2 EL Malabar-Curry-Paste (oder ein anderes Currypulver / eine andere Currypaste)
Salz
Pfeffer
1 Spritzer Zitronensaft
1/2  EL Schwarzkümmel
1 Prise Cumin
1-2 EL Crème Fraîche oder Joghurt

Zubereitung:

Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel glasig andünsten. Kürbis und Wurzeln dazugeben, 3 bis 4 Minuten anbraten. Mit dem Noilly Prat ablöschen, die Currypaste einrühren und etwas einkochen lassen. Brühe hinzu fügen und die Linsen einstreuen. Zum Kochen bringen und etwa 20 Minuten köcheln lassen bzw. bis die Linsen und das Gemüse gar sind. Ab und zu umrühren und prüfen, ob eventuell noch Brühe fehlt und zugegeben werden muss. Mit den restlichen Zutaten abschmecken. Joghurt/Crème fraîche auf dem Teller über dem Curry verteilen.

Dazu schmeckt Fladenbrot, aber eigentlich braucht es keine Beilage.

Quelle: Paprika meets Kardamom

Donnerstag, 26. September 2013

Frisch angerührt: Malabar-Currypaste

Normalerweise verwende ich Curry als Pulver - ist praktisch und haltbar. Als aber in einem Rezept Malabar-Currypulver verwendet wurde, stand ich etwas auf dem Schlauch. Die Suche nach Rezepten zeigte nur Mischungen, die ich hätte bestellen müssen - normalerweise kein Problem, nur war ich schon quasi in der Küche, als mir aufging, dass mir diese Mischung fehlt. Klar, ich hätte was anderes kochen können. Stattdessen suchte ich noch eine Runde weiter im Netz und ließ mich von Julias Rezept inspirieren.

Was ich mit der Paste kochte, verrate ich morgen an dieser Stelle

Malabar-Currypaste

Zutaten für 1 - 2 Esslöffel:

Butterschmalz / Ghee
1 EL Tamarindenpaste
10 - 15 Curryblätter, getrocknet
1 TL braune Senfkörner
2 Tomaten
4 Schalotten
3 Knoblauchzehen
1 TL Ingwer, gemahlen
1/2 TL Fenchel, gemahlen
1/2 TL Paprikapulver
1/2 Chilipulver
1 TL Koriander, gemahlen
1 TL Kurkuma, gemahlen
evtl. etwas braunen Zucker

Zubereitung:

Etwas Butterschmalz oder Ghee in einer Pfanne erhitzen. Tamarindenpaste, Curryblätter und Senfkörner in einer Pfanne anrösten, bis es zu duften beginnt. Dann vom Feuer nehmen und etwas abkühlen lassen.

Alle Zutaten in die Moulinette geben und pürieren. Ggf. mit etwas braunem Zucker abschmecken, falls die Paste zu sauer ist.

Die Paste ist zur sofortigen Verwendung bestimmt, lässt sich aber auch einfrieren. Dazu gebe ich sie in einen Tiefkühlbeutel und walze sie platt. Dann verschließe ich den Beutel und friere die Platte ein.

Dienstag, 24. September 2013

Kostprobe: Raw Bite - Rohkost-Riegel

Als ich, angeregt durch das Buch "Rohvolution" auf der Suche nach Carob als Schokoladenersatz war, fand ich bei Budni Schokoriegel der relativ neuen Marke "Raw Bite" aus Dänemark.

Die Riegel sind roh, vegan, gluten- und laktosefrei, ohne Zuckerzusatz und in Bio-Qualität. Ein 50g-Riegel kostet ca. 1,80 Euro.

Da mir nach Schokolade war, entschied ich mich für die Sorte "Raw Cacao" mit 54 % Datteln, 36 % Cashews und Mandeln und 10 % Roh-Kakao. Ich war gespannt, wie mir ein Rohkost-Schokoriegel schmeckt.

Raw Bite "Raw Chocolate"
Kurz gesagt: Gut!

Die Konsistenz ist sehr weich, ein bisschen wie bei einer Rumkugel, und die ersten Bissen hatten auch eine leichte Rumnote, aber das verging schnell. Während die Cashews gehackt sind, sind die Mandeln teilweise sogar ganz - die Zähne haben also ordentlich was zu tun. Der Riegel hat eine angenehme Schokonote und war (zumindest mir) nicht zu süß.

Einmal angefixt, holte ich mir Nachschub in Form der Sorte "Coconut" mit 57 % Datteln, 25 % Cashews und Mandeln, 16 % Kokosnuss und 2 % kaltgepresstem Kokosöl. Der Riegel ist süßer als "Raw Cacao", schmeckt mir aber auch.

Raw Bite "Coconut"
Dritte Sorte, die es bei Budni gibt, ist "Spicy Lime" mit 61 % Datteln und Limettensaft, 39 % Cashews und Mandeln, Inger, Chili und Zitronenöl.

Raw Bite "Spicy Lime"
Der Riegel riecht wunderbar zitronig, ist aber für mich ganz schön scharf. Es braucht eine Weile, bis ich mich an die Schärfe von Ingwer und Chili gewöhne, zumal ich nicht unbedingt Ingwerliebhaberin bin. Es war also nicht so ganz mein Geschmack.

Gibt es bestimmt öfter - zumal mein Süßhunger davon effektiver gestillt wird als von Schokoriegeln mit Industriezucker, auf den ich seit einiger Zeit möglichst verzichte.

Sonntag, 22. September 2013

Szenen einer Ehe: Bickbeer Muffins (Blueberry Muffins)

Bickbeer Muffins.
Sonnabend, später Nachmittag. Wir haben nach einem späten Frühstück den Nachmittag verschlafen und hängen nun in den Seilen. Lust einzukaufen hat niemand, genauso wenig wie sich Gedanken ums Abendessen zu machen.

Plötzlich klingelt es an der Tür. Es ist die Mutter der ukrainischen Familie von gegenüber. Sie hat einen Teller Teigtaschen in der Hand. "Gefüllt mit Kartoffeln und Kohl", sagt sie, drückt mir den Teller in die Hand und geht. Prima, denke ich, bedanke mich und rufe zum Gatten ins Zimmer: "Schatz, das Abendessen ist gesichert!" 

Unsere ukrainischen Nachbarn sind wirklich eine Schau. Es ist noch gar nicht so lange her, da saßen wir abends auf dem Balkon und waren gerade mit dem Abendessen fertig, als die Mutter mit einem Teller ins Nachbarhaus flitzte. Zwischen unseren Nachbarn und einer Familie im Haus nebenan scheint eine innige Verbindung zu bestehen - mehrfach am Tag wird Essen hin und her getragen, bei Wind und Wetter.

Die Nachbarsmutter flitzte wieder zurück. Keine Minute später klingelte es bei uns, stand sie mit einem Teller voller dampfender Käsepfannkuchen da. Okay, wir hatten zwar gerade gegessen, aber kann man so was ablehnen?! Eben. Ich stellte den Teller in die Küche und dachte, die Pfannkuchen schmecken sicher auch noch am nächsten Tag zum Frühstück.

Ich hatte die Rechnung ohne den Gatten gemacht.

Als ich am nächsten Morgen in die Küche kam, war der Teller ratzekahl leer gefuttert. Die Pfannkuchen bildeten des Gatten Mitternachtssnack und scheinen geschmeckt zu haben.

Jetzt, bei den Teigtaschen, die wieder vorzüglich schmeckten, meinte der Gatte: "Wen du das nächste Mal Muffins machst, machst du ein paar mehr, und wir bringen welche zu den Nachbarn rüber."

"Ist okay", antwortete ich. 

"Die müssen dann aber wirklich richtig lecker sein!", setzte der Gatte nach.

Ich starrte ihn nieder, bis er ergänzte: "Aber deine Muffins sind ja immer lecker."

Na bitte, geht doch.

Da alle Zutaten im Hause waren, gaben wir am nächsten Tag den leeren Teigtaschen-Teller mit Bickbeer Muffins zurück. Und da Bickbeer Muffins was echt Amerikanisches sind und zudem Maismehl enthalten, sind sie mein Beitrag zum Blog-Event "Länderküche" bei "Schätze aus meiner Küche" und dem Mais-Event im Gärtnerblog.

Banner querformat Garten-Koch-Event September 2013: Mais [30.09.2013]

Bickbeer Muffins

Zutaten für 12 Stück:

125 g zerlassene Butter
175 g brauner Zucker
1 Ei
1 TL Vanillezucker
225 g Mehl
25 g feines Maismehl
1 TL Backpulver
1 TL Natron
1 Prise Salz
1 Msp. Zimt, gemahlen
125 ml Zitronen-Buttermilch (oder Buttermilch und abgeriebene Zitronenschale)
200 g frische oder TK-Heidelbeeren (nicht aufgetaut, gefroren zum Teig geben)

Zubereitung:

In einer Schüssel zerlassene Butter, Zucker (bis auf 2 EL) und Vanillezucker verrühren, Ei und Buttermilch zugeben und alles gut vermischen.

In einer zweiten Schüssel Mehl, Maismehl, Backpulver, Natron, Salz und Zimt verrühren.

Die Mehlmischung zu der Eiermischung geben, den Teig sehr kurz durchrühren, dann behutsam die Heidelbeeren unterheben.

Den Teig in die einzelnen Vertiefungen der Muffinform füllen und anschließend mit dem restlichen Zucker bestreuen.

Die Muffins bei 160°C (Umluft) Ofen etwa 20 - 25 Minuten backen, bis sie goldbraun sind und bei der Stäbchenprobe kein Teig mehr kleben bleibt.

Quelle: USA kulinarisch