Sonntag, 31. Juli 2011

Männer ohne Nerven - der Food Porn-und-Blind Dates-Bericht VI

Es gibt so Momente, in denen ich genau weiß, warum ich den Gatten ehelichte. Gestern Mittag war so einer. Ich hatte mich am Vortag mit Nummer eins getroffen. Meine Blind Dates sind nämlich wieder in der Stadt. Inzwischen kennen wir uns, sind eigentlich keine Blind Dates mehr, aber der Titel bleibt jetzt.

Nach einem Auftakt in der Schanze, einem wirklichen Blind Date mit einem Profi-Koch, ganz viel Küchenklatsch und einer Küchenbesichtigung führte uns der Weg nach Winterhude, denn Nummer eins ist einem ehemaligen Sternekoch auf der Spur, der dort kochen soll. Ich hatte auf dem Weg vom Haus, das Irre macht, zur Schanze an der Hudtwalker Straße geparkt und stieg dort in die U-Bahn um. Du musst wissen: Ich kann leidlich Autofahren, aber nicht parken. Ich bekomme das Auto nur in Parklücken, in die ich gerade hinein fahren kann. Frau Küchenlatein kann ein Lied davon singen, sie musste nämlich mein Auto mal umsetzen. Und ich kann nicht rückwärts fahren. Ich komme also nur aus Parklücken, wenn ich das Auto langsam rückwärts gerade aus der Lücke raus rollen lassen kann. Du ahnst jetzt vermutlich, warum ich so gerne mit Öffis fahre.

Jedenfalls bekam ich nur ein paar Schritte vom Lokal entfernt einen Parkplatz. Mir dämmerte schon beim Aussteigen, dass ich vielleicht ein bisschen schräg stand und Probleme bekommen könnte, stellte sich noch jemand neben mich. Andererseits war die Lücke neben mir so kurz, dass sich da bestimmt niemand hin stellt. Höchstens ein Smart. Dachte ich. Das war falsch gedacht. Als wir aus dem Lokal kamen, stand neben mir ein Audi. Viertürig. Auf einer Fläche für einen Smart. Der konnte parken, der Audifahrer.

Während Nummer eins auf dem Beifahrersitz Platz nahm, versuchte ich, aus der Lücke rückwärts raus zu rollen, ohne den Audi zu touchieren. Vergeblich. Also, touchiert habe ich den Audi nicht. Aber aus der Lücke kam ich auch nicht. Nach ca. 20 Minuten schwankte ich zwischen Lach- und Heulkrampf. Ich hatte mein Auto inzwischen so verkanntet, dass Nummer eins über die Fahrerseite aussteigen musste. Zwischendrin rief ich verzweifelt den Gatten an. Ob er mal kurz quer durch die Stadt fahren und mein Auto ausparke könne? Nein, könne er nicht, er habe zwei Bier getrunken, weil er nicht damit rechnete, mich abholen zu müssen, denn ich war ja selbst mit dem Auto unterwegs. Aber er würde mich am nächsten Tag zum Auto bringen und mal gucken. Wir fuhren also mit Bus und Taxi nach Hause, denn Nummer eins hätte sich zwar zugetraut, das Auto auszuparken, war aber nicht mehr fahrtüchtig.

Gestern Mittag fuhren der Gatte und ich also quer durch die Stadt, um mein Auto zu befreien. Ich starb in der Nacht tausend Tode. Hatte ich mich irgendwie strafbar gemacht? Immerhin kam der arme Audifahrer jetzt ja auch nicht mehr in sein Auto. Höchstens über den Beifahrersitz. Ich hatte ihn ja eingekeilt. Gründlich. Und was ist, wenn der Audi da noch steht und der Gatte kann mein Auto auch nicht ausparken? Ich sah mich schon jeden Tag unauffällig am Auto vorbei schleichen, um zu gucken, ob es schon wieder frei ist. Hoffentlich treffe ich dabei nicht den Audifahrer. Der Gatte meinte, es gäbe da notfalls so Abschleppfirmen, die könnten mit einem Kran ein Auto aus einer Lücke heben. Deckt so was eigentlich die ADAC-Mitgliedschaft?

Als wir am Parkplatz ankamen, saßen gegenüber zwei Zwei-Meter-Typen in Jogginghosen und Muscleshirts. Vor ihnen spielten zwei dänische Doggen. Alle vier guckten zu uns. Als wir an meinem Auto waren, standen die Typen auf und kamen in unsere Richtung. Mir wurde flau. Zum Glück bogen sie nach links ab zur U-Bahn.

Der Gatte guckte sich mein Auto an, ging einmal drum herum; stellte fest, dass die Beule auf der Beifahrerseite keinen Zuwachs bekommen hatte (die holte sich das Auto, als ich mal ausnahmsweise seitlich einparken wollte ...); dass das Nachbarauto auch unbeschädigt war; guckte zu mir und schüttelte stumm den Kopf; schwang sich auf den Fahrersitz, setzte, ohne auch nur einmal zu rangieren, zurück, stellte das Auto in Fahrtrichtung, gab mir den Schlüssel, schüttelte noch mal stumm den Kopf, stieg in seinen Wagen und fuhr nach Hause. Ich fuhr hinterher.

Zu Hause angekommen, gab ich ihm meinen Autoschlüssel und ging Richtung Bushaltestelle. "Du willst schon wieder weg?", fragte er. "Ja, ich bin mit Nummer eins in Eppendorf verabredet." - "Da kommen wir doch gerade her." - "Ja, ich weiß. Das ist auch nur 'ne Viertelstunde vom Parkplatz entfernt. Aber ich krich da um diese Zeit bestimmt keinen Parkplatz. Also fahre ich lieber mit dem Bus." Der Gatte schüttelte nur wieder stumm den Kopf. Mal ehrlich, einen Mann, der in so einer Situation stoische Ruhe an der Tag legt, muss man doch heiraten, oder?

Nach so viel Aufregung brauchte ich erstmal was zu essen. Nummer eins und ich waren im neuen Lokal von Cornelia Poletto verabredet. Da wir abends noch richtig essen wollten, gab's nur eine kleine, sehr leckere Zwischenmahlzeit. 
Bunter Tomatensalat mit Avocado und Büffelmozzarella.
Im Glas ist Rhabarberschorle.

Tiramisu-Torte.
Nach einem kurzen Eppendorf-Bummel ging's wieder nach Hause. Abends trafen wir uns wieder. Aber das ist eine andere Geschichte.

Food Porn und Blind Dates:

Der Auftakt
Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV
Teil V

Kommentare:

  1. Wenn es irgendwann kein Lebenszeichen mehr von Dir gibt, dann kann es sein, dass Du einfach nur in einer Parklücke festhängst und Dein Handy vergessen hast?

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  2. Ja. Mein Albtraum ist, dass ich irgendwann ein Auto mal nur durch das Schiebedach verlassen kann ...

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  3. Liebe Kaosköchin, mein Leben hat wieder einen Sinn. Ich dachte, ich wäre die Einzige, die große, was sage ich, sehr große Parklücken benötigt. Aber dass es Menschen gibt, die noch schlechter ein- und vor allem ausparken können als ich... das hätte ich nicht für möglich gehalten. Was für ein schöner Tag.
    PS: ich kann dich ja sooooo gut verstehen!

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  4. Ich sag´s ja, wer hat eigentlich diese bescheuerten lackierten Stoßstangen erfunden? ;-) Aber echt, du sprichst mir aus der Seele - wobei Ausparken und Rückwärtsfahren meist nicht so das Problem sind, Einparken dafür umso mehr. Ich spare auf dieses Auto, das das selbst erledigt. Das wär mal was für uns!

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  5. @ Jutta,
    als ich einen Fiat Panda fuhr, brauchte ich Lkw-große Lücken. Passte dann knapp. Wenn niemand zuguckte. Damals wohnte ich über einem Lokal mit großen Fenstern. Mein Stammparkplatz war eigentlich genau davor. Du ahnst nicht, wie oft ich lieber 20 Minuten zu Fuß ging, wenn die Fensterplätze besetzt waren und ich rangieren musste ...

    @ Christina,
    Stoßstangen kann der Gatte zum Glück spachteln, hat er auch schon oft genug, weil er mit dem Auto nicht in die Tiefgarage kam, als es noch seins war. Aber so ein selbstparkendes Auto will ich auch!

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  6. Ich kann ja nur vorwärts und habe auch schon mal die Polizei gerufen, weil ich "eingeparkt" war. Zumindest kam ICH nicht aus der Lücke raus und ich habe nicht so einen coolen Könner in der Hinterhand, der mir mal kurz das Teil ausparkt. Mein Könner kann nicht Auto fahren. Überhaupt nicht.

    Aber eigentlich wollte ich nur schnell schreiben, dass ich selbstverständlich auch so ein Auto will. Sobald Toyota das kann, kaufe ich sofort umgehend direktemang einen. In Grün.

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  7. Hat Dir die Polizei geholfen? Mir haben sie in so einer Situation mal erklärt, es sei öffentliches Gelände, da käme auch kein Abschleppwagen. Vor mir stand ein Auto, hinter mir, rechts, links ... Da war kein wegkommen. Hätte ich einen Hummer gehabt, hätte ich den diagonalen Ausbruch gewagt, aber ich fuhr nur einen Fiat Uno. Damals blieb nur, das Auto stehen zu lassen und abends wieder abzuholen, wenn die anderen Autofahrer auch Feierabend hatten.

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  8. Eingeparkt worden bin ich auch mal. Also so richtig, mit gefühlten 5cm Abstand zum Hintermann. Unglaublich, wie schnell man dann meckernde Zuschauer hat, wenn was passiert! Warum schimpfen diese Leute nicht den aus, der das Auto mit dem Kennzeichen aus einem anderen Landkreis zuparkt?!? ARGH!
    (Gut, daß sich das Thema Autofahren für mich inzwischen schon aus zwei Gründen erledigt hat.)

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  9. Das war in Bonn in der Innenstadt im Wohngebiet. Ich muss vorausschicken, dass mich der Polizist in der Zentrale während des Gesprächs noch nach meiner Handynummer fragte und ich ihm auch noch gestehen musste, dass ich meine eigene Nummer nicht kenne. Es war so peinlich...

    Jedenfalls kam dann ein Motorradpolizist, den ich mit dem Schlüssel wedelnd empfing. Er hat den Wagen aber nicht ausgeparkt, sondern eine Halterfeststellung der Karossen vor und hinter mir gemacht. Eine Adresse war genau gegenüber. Da hat er geklingelt, damit eine Dame, die mich "zugeparkt" hatte, ihren Wagen wegfährt, der nach meiner Auffassung genau so zugeparkt war wie ich. Sie kommt total genervt raus, setzt sich ins Auto, startet, fährt einmal zurück (so ungefähr 2 mm), einmal vor und schwupps, ist sie aus der Lücke raus. Ich bin fast im Erdboden versunken. Du siehst, du bist nicht allein *ggg*

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