Samstag, 5. November 2011

Es hat nicht sollen sein

"As soon as the rush is over, I'm going to have a nervous breakdown. I worked for it. I owe it to myself and nobody is going to deprive me of it", heißt der Spruch, der seit vielen, vielen Jahren über meinem Schreibtisch hängt, egal, wo ich gerade arbeite.

Mitte Oktober war's dann so weit.

Nichts ging mehr.

Falls Du auch so was vor hast: Such' Dir keinen Heulkrampf mit gleichzeitigem Erstickungsanfall aus. Ist 'ne blöde Kombi. Vor allem, wenn man im Auto sitzt, Asthmatiker ist und noch quer durch die große Stadt nach Hause fahren muss.

Tja, und seitdem geht nichts mehr. Der Arzt zog mich aus dem Verkehr. Für zwei Wochen, mindestens.

Mudderns ist die erste, die das böse B-Wort benutzt. Dann höre ich Tim Mälzer bei "Inas Nacht" über seinen Burn Out reden und erkenne mich in vielem wieder. Klar, denke ich, so'n Koch hat ja auch Streß. Aber ich doch nicht. Und wenn, höchstens positiven. Und positiver Streß ist gesund. Weiß man doch. Immer mehr aus Freundes- und Bekanntenkreis melden sich, hatten auch Burn Out oder kennen jemanden, der das hatte. Lachen, wenn ich meine, nach zwei Wochen Zwangsurlaub sei alles wieder gut. Weil: Ich habe ein schlechtes Gewissen den Kollegen gegenüber. Die haben viel mehr auszuhalten als ich. Die haben viel mehr Grund, ausgebrannt zu sein.

Die Kollegen hingegen wundert mein Zustand nicht. "Du hättest Dich mal sehen müssen", lautet ein Kommentar zu meinem Zustand an dem Tag, an dessen Abend gar nichts mehr ging. Und weil nicht nur ich am nächsten Tag nicht mehr funktionierte, sondern auch die eMails im Haus, das Irre macht, drehten meine Kollegen 24 Stunden am Rad, weil sie meine Krankmeldung nicht erreichte. Sie wähnten mich irgendwo im Straßengraben, denn gleichzeitig war ich weder per Mobiltelefon noch über Festnetz erreichbar, weil ich beide Telefone abgeschaltet hatte. Als ich das hörte, war auch mir klar: Mein Zustand ist anscheinend ernst, denn Telefone schalte ich so gut wie nie aus.

Inzwischen ist klar: Das "mindestens", von dem der Arzt sprach, trifft zu. Ich bin in der Verlängerung.

Scheiße.

Ginge noch was, wäre ich jetzt nicht hier.

Ginge noch was, wäre ich jetzt in Bad Honnef. Beim einzig wahren CK-Kochtreffen.

Ginge noch was, wäre ich nächsten Sonnabend in Neumarkt, beim Weihnachtsmenü-Vorkochen. 

Aber es geht nichts.

Ich wiederhole mich: Scheiße.

Gekocht wird hier natürlich weiterhin.

Damit ich das Gefühl habe, dass wenigstens etwas geht.

Freitag, 4. November 2011

Erst mal gucken. Dann mal sehn.

Jetzt liegt er hier rum, der Fragebogen für den Feinschmecker-Hobbykoch-Wettbewerb 2012. Vier Seiten hat er. Drei davon sind voll mit Fragen, die beantwortet werden müssen, zum Teil auf extra Bögen.

Was die alles wissen wollen. Das Gericht, das ich in meinem Lieblingsrestaurant besonders gerne bestelle, zum Beispiel. Ich habe noch nicht mal ein Lieblingsrestaurant. Obwohl: Ich esse mindestens einmal im Monat Curry Pommes im Stan's. Passt!

Oder ein Gericht, das mir stets besonders gut gelingt und das ich jederzeit spontan kochen könnte. Hmmm. Ist Resteverwertung ein Gericht? Für alles andere brauche ich ein Kochbuch. Und das Ergebnis ist jederzeit anders, nicht nur bei der Resteverwertung.

Oder was ich aus Kabeljau, Roter Bete und grünen Bohnen machte - als Zwischengericht für vier Personen. Dolle Wurst. Apropos Wurst: Für den Gatten muss ich den Kabeljau durch Steak ersetzen. Da könnte ich doch gleich den ganzen Kabeljau ... nee, die wollen Kabeljau, kein Steak.

Dann wollen die wissen, wie ich einen frischen Lachs filetiere. Gar nicht. Ich habe einen Fischhändler, der das kann.

Und die wollen wissen, wie ich den Geschmack einer reifen Mango beschreibe. Ja, wie wohl?! Lecker. Obwohl: Der Gatte sagt, mangoig. Gibt da wohl doch mehrere Möglichkeiten.

Ratlos bin ich bei der Frage, was man bei der Wahl des passenden Wassers zu Speisen und Wein bedenken sollte. Dass man es kleckerfrei aus dem Hahn in die Karaffe und auf den Tisch bekommt, ist vermutlich die falsche Antwort.

Ich ahne schon: Mit meinen rudimentären Kochkünsten komme ich hier nicht weiter, zumal ich einige kenne, die da auch mitmachen. Und die können kochen, richtig kochen. Und vermutlich sollte ich das Ganze auch ernst nehmen. Wenn ich das Gezicke unter Hobbyköchen so betrachte, das ich des Öfteren mitbekomme, muss ich mir eingestehen, dass Kochen eine ernste Angelegenheit ist. Bei mir hingegen ist das mit dem Kochen hoffnungslos, aber nicht ernst.

Andererseits: Die beim Feinschmecker wollen ja auch was zu lachen haben. Und jemanden zum Rauswerfen. Außerdem gibt es hier einen, der meint, ich rocke das Ding mit Eskimoflip, Lachs an Mineralwasser in drei Konsistenzen und Gemüse-Eis am Stiel, kurzum, dem perfekten, werbepartnerorientierten Menü. Außerdem habe ich einer, die richtig kochen kann, ja schon gesagt, dass sie sich warm anziehen solle, weil ich sie im Finale in Grund und Boden kochen werde. Mit unfreiwilliger Komik bei kompletter Ahnungslosigkeit. Obwohl: Das Latinum habe ich auch so geschafft. Geht also.

Werde ich den Fragebogen abschicken? Schaun wir mal. Dann sehn wir schon. Und Abschicken heißt ja auch noch nicht, dass ich tatsächlich teilnehme ...

Donnerstag, 3. November 2011

Zuckerschoten-Mango-Salat mit Zuckerschotenstroh

Zuckerschoten-Mango-Salat mit Zuckerschotenstroh
Im Kühlschrank fanden sich Zuckerschoten, für einen Salat, den der Gatte dann doch nicht machte, und eine Mango hatten wir auch noch. Daraus entstand ein schneller Salat zu vegetarischen Wirsing-Rouladen.

Ich habe die Zuckerschoten im Tischdampfgarer gegart, was ich nicht empfehlen kann, denn die Farbe leidet. Blanchieren ist um Klassen besser. Die Schoten bleiben dann grün.

Zuckerschoten-Mango-Salat mit Zuckerschotenstroh

Zutaten für 2 - 4 Portionen:
200 g Zuckerschoten (Kaiserschoten)
1 Mango
ca. 50 ml Kokosmilch
Salz
Pfeffer
Zucker
Zimt
Cayennepfeffer
Zitronensaft
Olivenöl

Zubereitung:

Die Zuckerschoten waschen und putzen. Zwei Drittel blanchieren. Abkühlen lassen und in schräge Streifen schneiden.

Das restliche Drittel in Julienne schneiden und erstmal beiseite stellen.

Von der Mango Scheiben bis zum Kern herunterschneiden. Aus den großen Scheiben Julienne schneiden, ggf. schräg halbieren, damit die Mangostreifen nicht länger sind als die Zuckerschoten. Die kleineren Scheiben mit der Kokosmilch zu einem Dressing pürieren. Das Dressing mit Salz, Pfeffer, Zucker, Zimt, Cayennepfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Die blanchierten Zuckerschoten und die Mangostreifen in eine Schüssel geben. Das Dressing dazu geben und alles miteinander vermischen. Kurz ziehen lassen.

Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Zuckerschoten-Julienne darin fritieren. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Salat portionsweise anrichten und die frittierten Schoten auf die Portionen verteilen.

Quelle: Kochbar

Dienstag, 1. November 2011

Szenen einer Ehe: Ja is' denn heut scho' Weihnachten?

Vorgeschichte: Ihre Kamera geht im letzten Urlaub kaputt. Die Bilder sind entweder gestreift oder schneeweiß. In London wird schnell eine kleine, günstige Knipse gekauft, denn Sie ohne Kamera geht gar nicht. Wieder zurück, gibt es im Fachgeschäft den Todesstoß: Eine Reparatur kostet mehr als eine neue, bessere Kamera. Die Wegwerfmentalität ist ihr zwar zuwider, aber sie ist auch vernünftig. Der Verkäufer will ihr unbedingt eine Canon verkaufen, wie die alte, nur neuer. Sie widersteht. Keine Spontankäufe. Außerdem hat die Kamera die falsche Farbe. Sie ist nicht rot. Also erst mal gründlich informieren und dann kommt eine rote neue Kamera auf den Weihnachtswunschzettel. Neben eine Küchenmaschine, denn die uralte Moulinette fiel einem Hartkäse zum Opfer.

Am nächsten Tag in der Innenstadt.

Sie: Du, wo wir gerade hier sind, lass' uns doch mal schnell nach einer Kamera gucken. Nur gucken, nicht kaufen. Hier ham die viel Auswahl. Ich kann die Apparate auch alle mal in die Hand nehmen. Und nach der Küchenmaschine können wir auch gleich gucken.

Er stimmt zu.

Sie erliegt in der Foto-Abteilung der Reizüberflutung und irrt wirr murmelnd durch die Kamerareihen: Wieso ham die hier so viel Auswahl? Wer braucht denn so was? Viel zu klein. Viel zu groß. Falsche Farbe. Und überhaupt: Eigentlich will ich ja 'ne Spiegelreflex. Okay, ist zu teuer, auch für Weihnachten. Was sind denn Bridgekameras? Ich will doch nicht nur Brücken fotografieren. Oh, spritz- und wasserfeste Kameras. Das hört sich gut an, wenn's Fett mal wieder spritzt. 

Er ruft quer durch die Reihen: Duhu, Schaahaaatz, komma, die hier hat das richtige Rot.

Das ruft einen Verkäufer auf den Plan. Der erläutert lang und breit die Vorteile von 21fach Zoom, 16 Megapixel, TFT LCD, HD-Video, Panorama Capture Mode, Weitwinkel und beendet den Fachchinesisch-Vortrag mit den Worten: Damit können Sie sich schnell bewegende Objekte optimal fotografieren.

Sie: Wenn sich meine Objekte schnell bewegen, habe ich was falsch gemacht.

Er: Meine Frau interessiert eh' nur, dass die Kamera rot ist, damit sie sie in der Küche schneller wiederfindet, falls sie mal wieder in der Mikrowelle liegt. Oder im Suppentopf.

Der Verkäufer guckt irritiert und erwägt die Flucht.

Sie: Okay, Rollei in Digital wollte ich immer schon, rot ist sie auch, außerdem liegt sie gut in der Hand - packen Sie sie ein. Schatz, wir gehn dann gezz mal zu den Küchenmaschinen. Nur mal gucken.

Er: Ja, nee, is klar.

Nachtrag: Die Kamera hat einen Food-Modus. Wie geil ist das denn? Jetzt muss ich nur noch raus kriegen, wie ich damit scharfe Fotos mache.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Lieber Tim Mälzer, sag' mir, wo die Birnen sind ...

Wenn Du genau hinschaust, findest Du vereinzelte Birnen.
Der Gatte hat zwei Lieblingsköche: Timmi und Ralfi. Seit diesem Kuchen hat seine Liebe zu Timmi aber einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Daran ist nicht nur Timmi Schuld. Daran ist auch des Gatten Chefin Schuld. Wenn ich am Wochenende backe, nehmen der Gatte oder ich den übriggebliebenen Kuchen, sofern er nicht eingefroren wird, am Montag mit ins Büro. Diesmal war der Gatte dran. Seine Chefin probierte und fragte: "Den Kuchen haben sicher Sie gebacken, Herr Kaoskoch, nich?" - "Wieso?" - "Ihre Frau backt besser!"

Nein, diesen Kuchen hat nicht der Gatte verbrochen. Ich habe ihn verbrochen, auch wenn mir beim Lesen des Rezepts von Tim Mälzer und bei der Zubereitung schon einiges sehr merkwürdig vorkam. Dass im Ursprungsrezept anscheinend noch Schweinebauch vorkam und die Backzeit nicht stimmte - geschenkt. Dass ich nicht weiß, wie ich Butter an der Topfwand entlang laufen lassen soll, so dass gleichzeitig der Topf gefettet wird - egal. Auch darüber, dass 3/4 Becher Zucker und 1/2 Becher Zucker nicht 4/4 Becher Zucker, sondern 5/4 Becher Zucker ergeben, kann ich hinweg sehen. Ich kann eh' nicht rechnen (in der Zutatenliste steht's richtig, nur im Rezept nicht). Aber dass ein Birnenkuchen mit nur zwei Birnen gebacken wird, hätte mich stutzig machen sollen. Ich nahm schon drei Birnen, weil sich zwei doch sehr verloren, aber zwölf wären sicher besser gewesen.

Der fertige Birnenkuchen. Beim Buttern des Topfes war ich
nicht sorgfältig genug.
Andererseits - einen Birnenkuchen mit fast ohne Birnen kann auch nicht jeder backen ... Und so blieben dann mehr Birnen übrig für Birnen-Chutney.

Birnenkuchen nach Tim Mälzer

Zutaten für 10 bis 12 Stück (also für einen ofenfesten Topf mit ca. 26 cm Durchmesser)
1 Becher Schlagsahne (200 ml)
1½ Becher Zwieback (im Original Amaretti)
1 Becher brauner Zucker plus brauner Zucker zum Karamellisieren
4 Eier
2 Becher Mehl
1 TL Backpulver
3 Birnen (im Original 2 Stück. Beim nächsten Mal: Mehr! Viel mehr!)
Saft einer halben Zitrone
1 Würfel Butter

Zubereitung:

Schlagsahne in eine große Rührschüssel gießen. Den Becher auswaschen und zum Abwiegen verwenden.

Sahne halb steif schlagen. 3/4 Becher Zucker einrieseln lassen und die Sahne kurz weiterschlagen. Eier nacheinander jeweils gut unterrühren.

Zwieback grob zerbröseln. Mehl, Backpulver und Zwieback kurz unter die Sahne rühren.

Birnen vierteln, entkernen und in Spalten schneiden. Mit Zitronensaft beträufeln.

Zucker in einem ofenfesten Topf  auf dem Herd karamellisieren. 2/3 der Birnenspalten hineinlegen. Einen Butterwürfel, in dem ein Messer steckt, an der Topfwand entlang auf den Topfboden lassen, so dass der Topfrand gefettet wird. Die Hälfte des Teigs auf die Birnen geben und mit den übrigen Birnenspalten belegen. Übrigen Teig darauf verteilen.

Im heißen Ofen bei 160 Grad Umluft auf einem Rost im unteren Drittel ca. 50 Minuten backen (Stäbchenprobe). Nach ca. 30 Minuten den Kuchen abdecken, falls er zu braun wird. Dann den Kuchen aus dem Ofen nehmen, vom Topfrand lösen, mit Hilfe des Gatten auf eine Platte stürzen und leicht abkühlen lassen. Lauwarm servieren.

Dazu passen Schlagsahne, Karamelleis, oder, falls Dir auch die Birnen fehlen, ein Birnenragout aus der Lamäng aus Birnen, Birnengeist, etwas Zitronensaft, Zucker und Zimt. .


Quelle: Tim Mälzer

Samstag, 29. Oktober 2011

Szenen einer Ehe: Von der Unzulänglichkeit männlichen Planens

Sonnabend: Sie kocht in Kronshagen. Er erledigt Essensplanung und Wocheneinkauf. Er ist schon groß. Er kann das. 

Sonntag: Er teilt ihr beim Frühstück mit, was es in der nächsten Woche zu essen gibt. Montag kocht Sie Mock Rabbit Pie, Dienstag gibt es die Reste. Die Zutaten sind alle noch von der Vorwoche da, als es statt Pie spontan Pizza gab. Mittwoch kocht Er Rindfleisch mit Spinat und Mango, Donnerstag gibt es die Reste mit Reis. Freitag macht Er Lachs mit Lauch, Sonnabend gibt es die Reste mit Kartoffeln. Sie stellt fest, dass eine der beiden Mangos, die er kaufte, schon braun wird und teilt ihm mit, dass Sie die Mango noch am gleichen Tag verwerten wird. Er nickt und sagt, er kaufe Dienstag eine neue. Er isst auswärts. Sie lässt Kürbissuppe kochen.

Montag: Sie macht Mock Rabbit Pie. 

Dienstag: Auf dem Rückweg von der Werkstatt fährt Er in der Metro vorbei, um für den kommenden Tag Mangos zu kaufen. Es gibt die Reste vom Pie.

Mittwoch: Sie arbeitet länger, weil sie ja nicht kochen muss. Sie informiert ihn beim Verlassen des Büros fernmündlich, wann sie zu Hause sein wird, damit Er planen kann. Sie trifft fünf Minuten vor der angekündigten Zeit ein. Sein Auto steht nicht auf dem Parkplatz. Die Wohnung ist dunkel, die Küche kalt, der Esstisch leer. Sie vermutet ihn im Spielzeugladen Baumarkt oder in der Werkstatt, denkt sich, das kann dauern, und überlegt, was sie sich schnell kochen kann, weil sie Hunger hat. Kurze Zeit später kommt Er nach Hause, schwenkt freudestrahlend Pizzakartons und sagt: Du hast jetzt bestimmt keine Lust mehr zu kochen, nach dem anstrengenden Tag, mein armer Schatz. Aber ich hab' Tiefkühl-Pizza und Eis gekauft.

Donnerstag: Er hat das Rindfleisch-Mango-Rezept verlegt. Sie schlägt Brotauflauf  aus einem missglückten Salbeibrot, Tomaten und Scamorza vor. Brotauflauf mögen beide nicht. Er sucht und findet das Rezept, murmelt dann die Zutatenliste vor sich her: Chili. CHILI. Schatz haben wir Chili?  - Sie nickt. - Spinat. SPINAT???? Schatz, haben wir Spinat? Sie schüttelt den Kopf, schlägt Chicoree, Rettich, Gurke oder Salatherzen vor. Er kann so nicht arbeiten und fährt Spinat kaufen. Sie holt sich eine Flasche ein Glas Wein und Käse für den ersten Hunger. Zurück, räumt er die Küche auf, denn er kann so immer noch nicht arbeiten. Damit fertig, greift er in den Kühlschrank, um das Fleisch rauszuholen. Er greift ins Leere. Beide machen Spinat, Kartoffeln und Eier mit Scamorza überbacken und Béchamelsauce.

Freitag: Lachs ist da. Lauch nicht. Es gibt die Reste vom Vortag. Und später Bratwurst auf die Hand.

Sonnabend: Auf dem Wochenmarkt. Er: Und noch einen Beutel Spinat, bitte. Händler: Okay, ich verkaufe Ihnen den Spinat. Aber beschweren Sie sich hinterher nicht, wenn er nach Grünkohl schmeckt.

Freitag, 28. Oktober 2011

Run Rabbit Run: Every Friday is Rabbit Pie Day

Mock Rabbit Pie: Kaninchenpastete ohne Kaninchen
Während der täglichen Fahrt ins Haus, das Irre macht, höre ich zurzeit keinen Hard Rock, sondern eine CD aus dem Imperial War Museum mit dem auch zu meinem Brötchengeber passenden Titel "Keep calm and carry on". Der Slogan wurde mit Beginn des Zweiten Weltkriegs in Großbritannien auf Postern veröffentlicht, aber laut Wikipedia erst im Jahr 2000 wieder entdeckt - komisch, ich könnte schwören, dass ich auch schon vorher Artikel mit diesem Slogan sah. Egal.

Auf der CD ist auch das Lied "Run Rabbit Run", das 1939 von Noel Gay und Ralph Butler geschrieben wurde. Vordergründig beschreibt es die Jagd nach einem Kaninchen für Rabbit Pie, einem beliebten Gericht während der Rationierungszeit. Popularität erhielt das Lied, als beim ersten deutschen Luftangriff auf Großbritannien, am 13. November 1939, als einzige Opfer zwei Kaninchen zu beklagen waren (wobei bis heute ungeklärt ist, ob die Mümmler nicht in Wahrheit einem britischen Schlachter zum Opfer fielen, keinem deutschen Schlächter). Bald wurde das Nazi-Spottlied "Run Adolf Run" zu der Melodie gesungen. Das Original-Lied ist bis heute ein beliebtes Kinderlied und wurde in unterschiedlichen Versionen von vielen Künstlern aufgenommen.

Falls Du das Lied "Run Rabbit Run" nicht kennst, hier die Originalversion und unsere Lieblingsversion von den Muppets.





Es gibt unzählige Rabbit Pie-Rezepte. Ich fand meines in einem der kleinen Anne Wilson-Bändchen, die, bei Könemann erschienen, immer mal wieder auf Büchergrabbeltischen zu finden sind. Dieses Heftlein heißt "Süße und pikante Pasteten", und beim Lesen fragte ich mich wieder einmal, ob es diese Anne Wilson, von der zahllose Kochbücher stammen, überhaupt gibt. Mysteriös. Aus dem gleichen Buch stammt übrigens auch das Rezept für den Tripple Berry Pie.

Tja, und da der Gatte nach dem Motto "Hasen sind Freunde, kein Futter!" lebt und Gleiches auch für Kaninchen gilt, musste ich die Hauptzutat ersetzen: Durch Rinderhack. So entstand ein Mock Rabbit Pie, eine Falsche Kaninchenpastete. Lecker. Und sehr, sehr sättigend. Ich war anfangs skeptisch, ob das mit dem vielen Mehl in der Füllung tatsächlich so soll, ob das Mehl nicht hervorschmeckt, aber das passte.

Mock Rabbit Pie

Zutaten für eine 26er Springform (ca. 12 Portionen):
1 kg Rinderhack
Olivenöl
2 EL Schinkenwürfel
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
1 Apfel, geschält, entkernt und gewürfelt (ich nahm Holsteiner Cox, also eine säuerliche Sorte)
125 ml Mehl und Mehl für die Form
brauner Zucker
333 ml rotes Ale (alternativ Cidre)
ca. 12 süß-sauer eingelegte Zwetschgen (alternativ Backpflaumen, entsteint)
2 Zweige Thymian, die Blätter davon (alternativ 1 TL getrockneter Thymian)
6 Platten TK-Blätterteig, aufgetaut
1 Eigelb, mit Wasser verquirlt

Zubereitung:

Für die Füllung Öl in eine hohe Pfanne geben und Hack, Speck, Zwiebeln, und Apfel darin dünsten. Wenn alles Farbe genommen hat, löffelweise das Mehl und eine gute Prise braunen Zucker darüber stäuben, gut umrühren und unter Rühren anschwitzen. Das Bier langsam dazugeben und die Masse einkochen lassen. Ist die Konsistenz fester geworden, die Zwetschgen und den Thymian dazu geben. Köcheln lassen, bis alle Flüssigkeit verkocht ist, die Masse eine feste Konsistenz hat. Zwischendrin mal abschmecken.

Pastete mit Pastetenpfeife
Währenddessen eine Springform mit etwas Öl auspinseln und mit Mehl ausstreuen, damit der Blätterteig nicht ansetzt. Blätterteigplatten ausrollen und die Springform inkl. Rand damit auskleiden. Am Rand kann der Teig ruhig etwas überstehen, er wird nachher überd en Deckel geklappt.

Eine Pastetenpfeife in der Mitte der Form platzieren und die Füllung in der Form verteilen. Platten für den Deckel ausrollen und auf der Füllung verteilen. Darauf achten, dass die Pastetenpfeife gut abgedichtet ist und der Teigdeckel gut schließt. Was jetzt noch an Teig übersteht, abschniden.

Eigelb mit etwas Wasser verquirlen. Den Teigdeckel damit bepinseln. Aus den Teigresten Muster schneiden, auf dem Deckel verteilen und ebenfalls mit Eigelb bepinseln.

Die Pastete bei 210 Grad (Umluft) ca. 30 Minuten backen, bis der Blätterteig goldbraun ist. Etwas abkühlen lassen und portionsweise servieren.

Das passen ein knackiger grüner Salat, HP-Sauce, Mango-Chutney, Apfel-Thymian-Marmelade, Pontack-Sauce ...

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Huhn mit 40 Knoblauchzehen, Kartoffelbrei und Dattel-Chili-Spinat

Huhn mit 40 Knoblauchzehen, Kartoffelbrei und
Dattel-Chili-Spinat
Dieses Rezept fand ich Ende der 1990er Jahre mal im "Stern", und seitdem gibt es das Gericht bei uns regelmäßig, sommers wie winters. Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Aromen-Vielfalt schmeckt, weil ich so was aus der heimischen Küche nicht kannte. Dort gab's Hähnchen aus dem Römertopf auf Gemüse in Weißwein gegart. Das Hähnchen war leichenblass, das Gemüse ungewürzt. Erst bei Tisch kam Aromat dazu. Hähnchen im Römertopf ging deswegen ganz lange gar nicht.

Inzwischen gebe ich dem Hähnchen Farbe, indem ich es gegen Ende der Garzeit kurz unter den Grill schiebe. Durchgehend knusprig ist die Haut dann zwar nicht, aber zumindest nicht mehr leichenblass.

Das Gericht ist mein Beitrag zum Gartenkoch-Event Knoblauch, dankenswerterweise organisiert von Sus. Ich vermute mal, ich bin nicht die einzige, die dieses Rezept zu diesem Anlass bloggt.

Garten-Koch-Event Oktober 2011: Knoblauch [31.10.2011]


Huhn mit 40 Knoblauchzehen, Kartoffelbrei und Dattel-Chili-Spinat

Zutaten für 4 Portionen
Für das Huhn:
40 Knoblauchzehen (ein paar mehr schaden auch nichts)
1 Hähnchen
50 g flüssiger Honig
Cayennepfeffer
Nelkenpulver
1 Zitrone, unbehandelt
Salz
2 Zweige Rosmarin
6 EL Madeira

Für den Dattel-Chili-Spinat
500 g TK-Blattspinat, aufgetaut
2 rote Chilischoten, frisch
2 kleine Zwiebeln
35 g Datteln, entsteint
2 EL Olivenöl

Für den Kartoffelbrei:
500 g Kartoffeln
Salz
Pfeffer
Muskat (ohne geht bei mir kein Püree ...)
evtl. Schwarze Oliven, ohne Stein, in Scheiben geschnitten

Zubereitung

Römertopf gründlich wässern. Währenddessen die Schale der Zitrone dünn abreiben, den Saft auspressen. Honig, Zitronensaft, Cayennepfeffer und Nelkenpulver verrühren und salzen.

Knoblauchzehen pellen. Huhn kalt waschen, trocken tupfen und von innen kräftig salzen und pfeffern.

Das Huhn mit der Brust nach oben in den Römertopf legen und mit Honigwürze einpinseln.

Rosmarinnadeln abstreifen und fein hacken. Knoblauchzehen, Zitronenabrieb und Madeira mit dem Rosmarin zur restlichen Honigwürze geben, vermengen und um das Huhn verteilen.

Das Huhn im geschlossenen Römertopf auf der 2 Einschubleiste von unten in den kalten Backofen geben, Ofen auf 180 Grad (Ober-/Unterhitze) stellen und ca. 1 Std. und 45 Min. garen. Kurz vor Ende der Garzeit den Deckel abnehmen, das Rost höher setzen und den Grill einschalten, damit das Huhn ein wenig Farbe bekommt.

Inzwischen die Chilischoten putzen, entkernen und fein würfeln. Zwiebeln schälen und würfeln. Datteln in kleine Stücke schneiden. Spinat gut ausdrücken. Chili und Zwiebeln im Öl andünsten, Spinat und Datteln  dazugeben, salzen und zu Ende garen.

Für das Kartoffelpüree die Kartoffeln schälen, vierteln, garen. abschütten und stampfen.

Das Huhn aus dem Römertopf nehmen und zerteilen. Ein paar von den Knoblauchzehen und ein bisschen von der Flüssigkeit in das Kartoffelpüree geben, bis es die gewünschte Konsistenz hat. Huhn, Püree und Spinat servieren.