Dienstag, 27. Dezember 2011

Kurze Blogpause

Der Gatte schraubt mir gerade den Schreibtisch unter dem PC weg. Bevor er gleich den Stecker zieht, darf ich noch den kurzen Hinweis schreiben, dass es hier eine kurze Blog-Pause gibt. Mein ehemaliges Büro wird zum Gästezimmer umgebaut, ich habe für ein paar Tage keinen PC, und vom Laptop aus kann ich nur schlecht bloggen.

In ein paar Tagen geht's hier weiter mit der Auslosung der Gewinnerin / des Gewinners vom Schokoevent, mit Rezepten, einem weiteren Weihnachtsmenü und so weiter.

Sonntag, 25. Dezember 2011

Heiligabend-Menü: Würstchen und Kartoffelsalat - sozusagen

Wochenlang beantwortete der Gatte die Frage, was wir Heiligabend essen, mit "Würstchen und Kartoffelsalat!" Mir sollte es recht sein. Ich bin nämlich immer noch krank, und selbst, wenn ich gesund wäre, wäre Weihnachten anstrengend genug. Zudem sind am zweiten Feiertag Schwiegermutter und Tante zum Essen eingeladen, was Streß pur ist, selbst, wenn ich normal ticke.

Eine Woche vor Weihnachten, als endlich das Menü für den zweiten Feiertag stand, meinte ich beim Frühstück zum Gatten, jetzt seien wir durch mit der Planung und könnten entspannen, denn Heiligabend gäbe es ja Würstchen mit Kartoffelsalat. Der Gatte schrie empört auf. Wie könne ich nur auf diese Idee kommen?! Ich wimmerte schwach: "Raclette? Käsefondue?" und erntete einen empörten Blick des Gatten. Okay, also koche ich. Kochen entspannt schließlich. Aber was einfaches soll es werden. Die, die Planung für das Menü am zweiten Feiertag kennen, werden jetzt laut auflachen. Da wollte ich ja eigentlich auch was ganz einfaches kochen ... 

Auf dem Frühstückstisch lag ein Prospekt mit Maggi-Fix-Rezepten. Den nehme ich mir immer aus dem Supermarkt mit. Als Anregung - nachgekocht wird ohne Tüte, klar. Flugs drin geblättert und den Gatten gefragt, was er von Hirschbraten mit Kranbeerensauce hält. "Lecker!" Okay, das Hauptgericht hätten wir. Von der Sauce mache ich gleich mehr, dann haben wir welche für den zweiten Feiertag. Und was wünscht sich der werte Herr Gemahl als Dessert? "Du, halt mich nicht für verrückt, aber ich hab' schon seit Tagen so Lust auf Rote Grütze!" - "Es ist Winter!" - "Ja, und? Dann mach halt 'ne Wintergrütze!" - "Hm, ich glaub', die Wintergrütze ist die Grüne Grütze. Mit Stachelbeeren." - "Igitt - Stachelbeeren. Nee, ich will Rote Grütze." Na, toll. Zum Glück habe ich meine grandiose virtuelle Kochgruppe, die nach kurzer Erholung vom Schock über Rote Grütze im Winter nur schulterzuckend meinte, dann müsse ich halt die Rote Grütze winterlich machen und mir auch gleich Gewürztipps mitlieferte. Auf die Jungs und Mädels ist echt Verlass.

Blieb noch die Vorspeise. "Worauf hast Du Lust?" fragte ich den Gatten. "Krabben! Und was Frisches! Avocado!" - "Bei Tschebull gibt's Heiligabend Hummer mit Vanille-Sternanis-Butter." - "Jaaaaaa!" Es könnte Ehemänner geben, die spätestens jetzt ihre Gattin kurzerhand zu Tschebull eingeladen hätten. An meinem flog der Lattenzaun vorbei.

So gab's also bei uns Heiligabend Würstchen mit Kartoffelsalat. Sozusagen.

Beim Ausdekorieren der Teller kam ich ein wenig in Hektik; die Spätzle waren ein erster, nicht auf Anhieb geglückter Versuch; und die Damwildkeule wurde etwas trocken, da zu lange im Ofen - ich habe das Zeitmanagement noch nicht wieder im Griff.

Schichtsalat mit Hummer in Vanille-Sternanis-Butter
Schichtsalat mit Hummer in Vanille-Sternanis-Butter

Damwildbraten mit Preiselbeerensauce
Damwildbraten mit Preiselbeerensauce und einem ersten Spätzle-Versuch

Weihnachtliche Rote Grütze mit Joghurtmousse
Weihnachtliche Rote Grütze mit Joghurtmousse
Die Rezepte blogge ich wie üblich in den nächsten Tagen und verlinke sie dann hier.

Freitag, 23. Dezember 2011

Arthurs Enkeltochter backt Vanillekipferln oder: Kaum sind sie da, sind sie weg

Vanillekipferln nach Demel.
Normalerweise verschwinde ich um den ersten Advent herum für einen Tag in die Küche zum Plätzchenbacken. In diesem Jahr ist alles anders. Um den ersten Advent herum ging es mir viel zu schlecht, um auch nur ans Backen zu denken. Oder ans Kochen. Oder ans Essen. Das einzige, was ging, war schlafen. Zum Glück geht hier im Blog vieles automatisch, ist vieles vorgeschrieben und wird automatisch online gestellt, sonst wäre hier schon lange das Licht aus.

Dass ich mich am ersten Advent mit terschies traf, um zu einer wunderbaren Lesung ins trific zu gehen, forderte alle Kraft, die da war. Eigentlich wollte ich nicht, aber der Gatte meinte, ich müsse mal andere Menschen als Ärzte sehen, und die Karten waren reserviert. Außerdem freute ich mich auf terschies. Die anschließende Autofahrt nach Hause war grandios. Ich wusste nicht was ich tat oder wo ich hin wollte, und terschies konnte mich nicht lotsen, weil sie den Weg nicht kannte. Das Navi wäre auch keine Hilfe gewesen, das beharrt immer noch darauf, über Hadersleben zu fahren, egal, wohin ich will. Irgendwie kamen wir an und niemand zu Schaden. Auto fahre ich inzwischen nicht mehr, von Notfällen abgesehen - der Gatte musste zwischendrin mal ins Krankenhaus. Nichts Ernstes, Gott sei Dank.

"Den da unten, den musst Du fotografieren. Der sieht
richtig kipfelig aus!"
Der Gatte blickte also dieses Jahr traurig auf eine leere Keksdosenparade, knabberte schweigsam an den Fertigteigkeksen, die seine Tante jedes Jahr backt und stellte einen um den anderen Tag fest, dass ich immer noch aussehe wie ein gehetztes Kaninchen, total neben der Spur bin. Nach seinen geliebten Zimtsternen fragte er mich erst gar nicht, und selbst die lecker Braunen Kuchen vom Keksbäcker bekam er nicht, weil ich nicht in der Lage war, den Weg zu finden, und das Navi - siehe oben.

Vor ein paar Tagen traf ich Anikó in Hamburg. Sie brachte Kekse mit, und so zogen die ersten selbstgebackenen bei uns ein. Sogar Kamele. Danke! Am vierten Advent kam dann Arthurs Enkeltochter, die gerade ein WG-Zimmer sucht, zum Vanillekipferlnbacken. Sie hatte noch nie welche gebacken. Ich auch nicht. Keine von uns hatte außerdem ihre fünf Sinne beieinander, wenn auch aus verschiedenen und bei Arthurs Enkeltochter zum Glück nur kurzfristigen Gründen. Passt.

Kaum sind sie da, schon sind sie weg.
Wenn wir schon keinen Plan haben, sollte das Rezept wenigstens von jemandem kommen, der sich auskennt: Vom Demel. Klassischer geht's kaum. Im Rezept heißt es, das Geheimnis des Vanillekipferlbackens liege in der Konsistenz des Teigs, der mürbe, aber nicht brüchig sein solle, und im Arbeitstempo. Bearbeite man den Teig zu lange mit den Händen, schmelze die Butter, werde der Teig brandig. Ich fürchte, genau das passierte uns. Aber dadurch ließ sich der Teig gut formen.

Rätselhaft blieb uns, wie es die Zuckerbäcker beim Demel schaffen, aus der Teigmenge 150 Vanillekipferln zu formen. Wir schafften etwas mehr als ein Drittel. Zum Glück plante ich von vornherein die doppelte Menge ein, denn beim Demel werden die Kipferln mit Haselnüssen gebacken, gegen die ich allergisch bin, also buk ich  noch welche mit Mandeln. Geteilt wurde gerecht: Haselnüsse für den Gatten und Arthurs Enkeltochter, Mandeln für mich ;o)

Vom Nachbacken muss ich übrigens ausdrücklich abraten. Die Dinger sind dermaßen suchtauslösend, dass es schwerfällt, sie auskühlen zu lassen und zu fotografieren. Oder anders: Kaum sind sie da, schon sind sie weg.

Fröhliche Feiertage Euch da draußen, ob Ihr nun seit Dienstag Chanukka oder ab morgen Weihnachten feiert!

Vanillekipferln vom Demel

Zutaten für ca. 50 Stück (im Original 150 Stück):
150 g gemahlene Haselnüsse (oder Mandeln, dann ist der Teig aber trockener)
250 g Butter, zimmerwarm, gewürfelt
100 g Puderzucker
1 TL Vanillezucker
300 g Mehl
Puder- und Vanillezucker zum Bestäuben, Menge nach Geschmack

Zubereitung:

Nüsse in einer Pfanne ohne Fett leicht rösten und auskühlen lassen.

Butter, Puderzucker, Vanillezucker, Haselnüsse und etwas Mehl miteinander vermengen. Idealerweise nimmt man dafür eine Küchenmaschine. Ich habe keine. Also muss es mit den Knethaken des Handrührgeräts und den Händen gehen. Nach und nach das restliche Mehl dazu geben und alles zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig mindestens eine Stunde kalt stellen.

Im Originalrezept wird nun die Arbeitsfläche mit Mehl bestäubt und der Teig zu 1,5 cm dicken Strängen gerollt, von denen 5 g schwere Stücke abgeschnitten und zu Kipferln geformt werden - okay, unsere Kekse sind "geringfügig" schwerer, was erklärt, warum wir keine 150 Stück aus dem Teig bekamen. Unser Teig war so trocken, dass wir darauf verzichteten und stattdessen portionsweise Teig abnahmen, den wir zu Kipferln formten.

Die Kipferln auf Backpapier legen und bei 160°C (Umluft) ca. 15 Minuten backen, bis sie an den Rändern goldbraun sind.

Puder- und Vanillezucker mischen und über die noch heißen Kipferln sieben. Falls nötig, die Kipferln im ausgekühlten Zustand noch einmal zuckern.

Quelle: Attila Dogudan, Demels großes Weihnachts-Backbuch aus der "Österreich kocht!"-Reihe.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

In fast eigener Sache: Arthurs Enkeltochter ist auf Herbergssuche in Hamburg

Irgendwie passt sie zu Weihnachten, die Herbergssuche ...

Arthurs Enkeltochter, die hier schon Kürbissuppe kochte, Rindfleisch un Plummen aß und Zwetschgenkuchen buk, sucht ab Februar / März 2012 ein WG-Zimmer in Hamburg. Ihre Zeit in Hamburg geht in die Verlängerung, aus dem halbjährigen Praktikum wird ein Ausbildungsplatz zur Mediengestalterin (hm, eigentlich könnte sie sich mal dem Layout des Blogs annehmen ...).

Nun muss eine neue Bleibe her, da die alte nur noch bis Ende Februar zur Verfügung steht.

Falls Du also jemanden kennst, der ab Februar / März eine nette 20jährige Mitbewohnerin sucht, oder selbst ein Zimmer frei hast, melde Dich einfach hier im Blog oder per Mail an hamburg_kocht_blog (Klammeraffe) freenet.de.

Das Zimmer sollte nicht teurer sein als 350 Euro warm / Monat und möglichst zentral liegen - also die übliche Quadratur des Kreises hier in Hamburg. Aber da hier so viele Menschen mitlesen, sollte da doch was zu machen sein.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Herbstfarben-Menü: Grießkrapfen mit Mango (Dessert)

Grießkrapfen mit Mango. Ich hatte noch Pistazien von
den Liebesäpfeln übrig und nahm ein paar davon zur Deko.
 Im Originalrezept werden die Krapfen mit Puderzucker bestäubt.
Abschluss des Herbstfarben-Menüs bildete auch ein Nelson Müller-Rezept: Grießkrapfen mit Mango. Im Originalrezept wird die Mango gebraten, aber uns gefiel sie ungebraten als frischer Kontrast zu den Krapfen besser. Die Krapfen sind ja schon fett genug. Sie können übrigens am Vortag vorbereitet und mit Umluft aufgebacken werden, wenn Du vermeiden möchtest, dass eine Wartezeit entsteht oder die Wohnung kurzfristig nach Frittenbude riecht.

Wir gönnten uns erstmals Flugmangos. Das war Zufall; sie waren an dem Tag auf dem Markt kaum teurer als Schiffsmangos. Ich hätte nicht gedacht, dass das geschmacklich tatsächlich so ein großer Unterschied zu den Schiffsmangos, die wir normalerweise kaufen, ist. Die Ausgabe lohnt sich wirklich. Aus Budgetgründen wird's die allerdings nur zu besonderen Gelegenheiten geben, denn solche Schnäppchen sind vermutlich nicht oft zu machen.

Grießkrapfen mit (gebratener) Mango

Zutaten für 4 bis 6 Portionen:
Für die Grießkrapfen:
1 Vanilleschote
250 g Buttermilch
4 El Zucker
120 g Butter
1 Zitrone, Schale davon
180 g Weichweizengrieß
6 Eier
1 l Öl zum Frittieren
Puderzucker zum Bestäuben

Für die Mango:
2 reife Mangos (im Original 1 reife Mango)
1 EL Sonnenblumenöl und 2 El Zucker, wenn man die Mango tatsächlich braten möchte.

Zubereitung:

Für die Grießkrapfen die Vanilleschote längs aufschneiden und mit einem spitzen Messer das Mark herauskratzen. Zitrone waschen, trocknen und die Schale abreiben. Buttermilch, Zucker, Butter, Vanillemark und Zitronenschale aufkochen. Grieß langsam einstreuen und unter ständigem Rühren köcheln lassen, bis sich die Masse vom Topfboden löst. Das passiert quasi sofort. Topf von der Platte ziehen.

Die Eier trennen und die Eigelbe unter die warme Teigmasse rühren. Den Teig abkühlen lassen. Die Eiweiße steif schlagen und unter den abgekühlten Teig heben.

Das Öl in einer Fritteuse oder in einem hohen Topf auf 160°C erhitzen. Aus dem Teig mit einem Esslöffel Nocken abstechen und im Öl goldbraun ausbacken. Laut Originalrezept dauert das etwa drei bis vier Minuten; mir kam's länger vor, was daran liegen kann, dass die Gäste unruhig mit den Füßen scharten ...

Für die Mango die Frucht schälen, das Fruchtfleisch vom Stein und dann in längliche Streifen schneiden. Sollen die Streifen karamellisiert werden, dann Öl in der Pfanne erhitzen und die Mangostreifen darin anbraten. Wenn sie goldbraun sind, mit dem Zucker bestreuen und karamellisieren.

Grießkrapfen und Mango auf Teller verteilen, mit Puderzucker bestäuben und servieren.

Quelle: Nelson Müller, Meine Rezepte für Body and Soul, Verlag Zabert Sandmann, München 2011.

Montag, 19. Dezember 2011

Herbstfarben-Menü: Zitronenhuhn mit Butternuss und Zwiebeln (Hauptgang)

Bei der Einladung seiner Mutter zum Herbstfarben-Menü war der Gatte voll kulinarischen Eifers: Schwiegermutter sollte unbedingt das Zitronenhuhn mit Butternuss-Kürbis und Zwiebel probieren, um sie zu überzeugen, dass Kürbis lecker ist. Schwiegermutter isst nämlich keine Kürbis, seitdem sie mal einen dieser unsäglichen Halloween-Kürbisse zu süß-saurem Kübris verarbeitete. Die schmecken ja nun wirklich wie gepresste Spanplatten (also nicht, dass ich die schon mal gegessen hätte ...).

Ich war skeptisch, denn Schwiegermutter lässt sich normalerweise nicht so leicht von einer einmal gefassten Meinung abbringen, aber erstaunlicherweise ging des Gatten Plan auf: Schwiegermutter nahm zwei Mal nach und ließ sich das Rezept mitgeben. Das kam in den 11 Jahren, die wir uns kennen, erst einmal vor.

Irgendwann lerne ich es auch noch, ein Huhn zu tranchieren
und hübsch angerichtet auf einer Platte zu servieren.
Diesmal kauften wir zwei Hühner beim Kartoffelmann auf dem Markt. Die Verkäuferin empfahl uns zwei Hühner für vier Personen, und wider besseres Wissen stimmte ich zu. Ein Huhn hätte völlig gereicht, aber so konnte der Gatte am nächsten Tag ein halbes Hähnchen mit zur Arbeit nehmen.

Dusseligerweise vergaß ich, dass ich, wenn ich zwei Hähnchen habe, auch die doppelte Menge an Kürbis nehmen sollte. Der Gedanke war zwar kurz da, wurde dann aber von "Ach, was soll's, Schwiegermutter isst ja keinen Kürbis und nimmt bestimmt nur aus Höflichkeit ein bisschen." verdrängt. Konnte ja keiner ahnen, dass auch Schwiegermutter ein neuer Kürbisfan wird ... Der Gatte ließ sie übrigens erst im Glauben, sie probiere Süßkartoffeln, was sie wegen der Farbe vermutete.
Nachdem der Kürbis schmeckte, will Schwiegermutter sich jetzt auch andere unbekannte Lebensmittel wagen. "In der Fernsehzeitung stand was mit Couscous. Kennt man ja so gar nicht. Ich dachte immer, das wäre Grütze. Vielleicht sollte man das mal probieren?" Soll sein. Weihnachten ist ja bald, und dieses Jahr kochen wir wieder für Schwiegermutter. Couscous. Und auch sonst noch so einiges.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Herbstfarben-Menü: Rinder-Consommé (Suppengang) oder: Wie kläre ich Suppe?

Rinder-Consommé mit Einlage aus Rindfleischstreifen.
Es gibt bestimmte Gerichte, die servieren wir besonders gerne des Gatten Mutter, also meiner Schwiegermutter. Jakobsmuscheln zum Beispiel. Oder klare Brühe.

Mit der klaren Brühe, das kam so: Es gab mal ein Weihnachtsessen, bei dem kochten wir des Gatten Mutter (nein, hier kommt kein Punkt!), bis dahin ihrer Meinung nach unumstrittene Küchen-Queen, gnadenlos an die Wand.

Wir hatten vier Wochen lang probegekocht, um das ultimative Menü zusammenzustellen. Für Heiligabend gab es einen Ablaufplan im 5-Minuten-Takt. Jeder kannte seine Position in der Küche. Einer musste immer bei den Gästen bleiben. Es gab mise en place. Die Küche war beim Eintreffen der Gäste blitzsauber (darauf und auf eine saubere Toilette legt Schwiegermutter besonderen Wert - ich glaube, sie tritt gelegentlich als Christian Rach auf). Es gab Latte Macchiato von der Petersilienwurzel; Jakobsmuschel in Mangold an Vanilleschaum; Rinderfilet an dreierlei Mousse von Gemüse und Marzipan-Spekulatius-Parfait auf einem Spiegel von Glühweingelee - zügig nacheinander serviert, weil Schwiegermutter Wartezeit zwischen den Gängen hasst. Schwiegermutter lobte das Essen in höchsten Tönen - nicht nur den Hauptgang, den der Gatte kochte. Ich vermutete schon, sie dächte endlich, ich könne kochen. Dass der Gatte kochen kann, sieht sie ja schon lange ein.

Am nächsten Tag wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Während Schwiegermutter demonstrativ Stunde um Stunde in der Küche stand, um eine Pute vorzubereiten, mussten der Gatte und ich ihre Gäste unterhalten. Schließlich bat sie zu Tisch. Während sie eine Clear Oxtail servierte, meinte sie, sie habe gestern sehr gut gegessen. Aber wer wirklich kochen könne, serviere keine Schäumchen und Träumchen, sondern Klassiker wie Klare Brühe und Pute. Deswegen gebe es bei ihr die klassische Küche und keine moderne Schaumschlägerei.

Ich bin ein höflicher Gast. Ich fragte nicht, ob Schwiegermutter mit Klärfleisch oder mit Eiweiß zur Suppenklärung arbeitete, als sie stundenlang in der Küche war. Es war deutlich zu schmecken, dass nicht Schwiegermutter die Suppe klärte, sondern Erasco oder Unox. Ich schwieg. Ich wusste, meine Zeit würde kommen. Rache muss auf kleiner Flamme köcheln, um heiß serviert zu werden. Wie Suppe, die geklärt wird. Seitdem gibt es bei uns so oft es geht eine klare Brühe, wenn Schwiegermutter zu Gast. Serviert mit den Worten "Die magst Du doch so gerne!" und einem entwaffnenden Lächeln, denn Lächeln ist die schönste Art, Zähne zu zeigen.

Grundlage für die Rinder-Consommé meines Herbstfarben-Menüs war Rindfleisch mit Pflaumen. Die übrig gebliebene Brühe stellte ich über Nacht kalt und nahm am nächsten Tag das Fett ab. Dann erhitze ich die Suppe langsam. Wenn die Temperatur etwas höher als Hauttemperatur ist (ganz Genaue würden sagen: Wenn die Suppe ca. 55° C hat), rühre ich Eiweiß mit einem Schneebesen in die Suppe. Für solche Fälle habe ich immer Eiweiß in der Tiefkühltruhe, denn es gibt ja immer wieder Gerichte, für die ich nur Eigelb brauche. Ganz Genaue nehmen ein Eiweiß auf zwei Liter Suppe. Ich nehme das, was da ist. Das Eiweiß darf natürlich nicht mehr tiefgefroren sein, muss also rechtzeitig vor der Suppenklärung aufgetaut werden.

Wenn das Eiweiß in die Suppe gerührt ist, rührst Du nicht mehr, sondern wartest in Ruhe ab, bis die Suppe aufwallt und achtest darauf, dass sie möglichst nicht kocht. Auf der Suppe bildet sich ein Deckel aus geronnenem Eiweiß. Das nimmst Du mit einem Schaumlöffel ab, solange, bis kein Eiweiß mehr an die Oberfläche steigt und gerinnt. Jetzt gießt Du die Suppe durch ein mit Küchenkrepp oder einem sauberen Handtuch ausgelegtes Haarsieb, das Du auf eine Schüssel gesetzt hast. Bevor Du gießt, vergewissere Dich lieber noch mal, dass unter dem Sieb eine Schüssel ist und nicht bloß das Spülbecken. Das wäre ärgerlich. Nein, mir ist das erstaunlicherweise noch nicht passiert. Ich bin nämlich zu faul, den Topf bis zum Spülbecken zu tragen und stelle Haarsieb und Schüssel auf den Herd, neben den Suppentopf. Aber ich kenne da mindestens eine, die schaffte das mit der Suppenentsorgung im Spülbecken schon mal ...

Jetzt gibst Du die Suppe wieder in den Topf zurück, falls Du sie nicht sofort servierst. Ich habe gerne meine Ruhe beim Suppenklären und mache das meistens schon am Vortag. Am Tag selbst lasse ich die Brühe dann kurz vor dem Servieren nur noch auf kleiner Flamme warm ziehen und schmecke sie ab. Diese Brühe muss etwas kräftiger abgeschmeckt werden, da sie durch die Pflaumen ziemlich süß ist. Salz, Pfeffer, eine Prise Cayenne und Sherry oder Madeira passen. Wenn Du hast, geb' ein paar Rindfleischstreifen in die Suppenteller. Oder hauchdünn geraspelte Wurzeln. Oder süß-sauer eingelegte Pflaumen. Suppe auf Teller verteilen, servieren und Dich bewundern lassen, weil Du Suppe klären kannst.

Und die Geschichte mit der Jakobsmuschel erzähle ich Dir ein anderes Mal.

Samstag, 17. Dezember 2011

Herbstfarben-Menü: Feldsalat mit Gedöns aus Vorrat und Lamäng (Vorspeise)

Feldsalat mit Orangenfilets, Granatapfelkernen
und Paté mit Kastanien und Preiselbeeren.
Salat mache ich selten stur nach Rezept. Für diesen Salat, Vorspeise meines Herbstfarben-Menüs, nahm ich zwei Hand voll Feldsalat. Eigentlich sollte es nur eine werden, aber der Verkäufer auf dem Markt hatte so kleine Hände.

Ich kaufe übrigens möglichst Bio-Feldsalat, weil ich finde, der schmeckt wirklich besser als der aus konventionellem Anbau. Diesmal war's sogar Feldsalat von Demeter, aber das war Zufall: Weil an dem Stand der Hokkaido. den ich für eine Kürbissuppe brauchte, die richtige Größe hatte, kauften wir da auch den Rest des für den nächsten Tag und in der kommenden Woche benötigten Gemüses.

Der Salat wird gewaschen und trocken geschleudert. Zwei Orangen werden filetiert, dabei wird der Saft aufgefangen. Aus einem halben Granatapfel werden die Kerne ausgelöst, und auch hier wird der Saft aufgefangen.

Granatapfel- und Orangensaft werden mit etwas Granatapfelwürzer (Granatapfelsirup, türkisch Nar ekşisi Sosu), Salz, Pfeffer und Olivenöl verquirlt (ich nehme da am liebsten den Mix-Fix von Tupper und schüttle mein Dressing schaumig - nennt mich Brian Flanagan ;o)). Im Gegensatz zu Grenadine ist dieser türkische Granatapfelsirup nicht süß, eher säuerlich.

Im Vorratsschrank finden sich noch Pasteten von Rougié, ein kulinarisches Mitbringsel. Zwei, Hirsch mit Preiselbeeren und Kastanien, öffnen wir und zerteilen sie grob.

Feldsalat, Orangenfilets und Granatapfelkerne auf vier Teller verteilen und mit dem Dressing übergießen. Die Paté auf den Tellern verteilen und servieren. Dazu passt ein kräftiges Landbrot.

Freitag, 16. Dezember 2011

Herbstfarben-Menü: Liebesäpfel von der Cocktailtomate mit Pistazien (Amuse)

Liebesäpfel von der Cocktailtomate
mit Pistazien.
Mein November-Herbstfarben-Menü leitete ich ein mit einer Erinnerung an den Sommer: Mit karamellisierten Cocktailtomaten nach einem Rezept von Nelson Müller, gereicht zum trockenen Sekt als Aperitif. Ich hatte Glück, dass wir auf dem Markt noch aromatische deutsche Tomaten bekamen, sonst hätte ich auf das Amuse verzichtet.

Liebesäpfel von der Cocktailtomate mit Pistazien

Zutaten für 4 Portionen:

12 bis16 Cocktailtomaten
200 ml Waser
200 ml weißer Zucker
1 Prise Salz (nicht im Original-Rezept. Muss auch nicht. Mir war nur so.)
50 g gehackte Pistazien (im Original 200 g. Keine Ahnung, was man mit den restlichen 150 g macht)
Zahnstocher (am Besten welche mit so einem kleinen Widerhaken, sonst rutschen die Tomaten runter)
1 Barhocker
1 Hörspiel (in meinem Fall "Alice im Wunderland" in der Kinderstunde im Radio) oder ein nicht zu spannendes Buch

Zubereitung:

Tomaten waschen und trocken tupfen. In jede Tomate einen Zahnstocher stecken - am Besten diese Plastikdinger, die unten so einen kleinen Widerhaken haben. Bei den einfachen Holzdingern machen die Tomaten nämlich gerne Fluchtversuche. Und versuch' bloß nicht, die Geflüchteten mit bloßen Fingern wieder auf den Stab zu schieben, nachdem sie im Karamell waren, außer, Deine Fingerkuppen sind aus Teflon. Falls Du das trotzdem machst, sorg' dafür, dass Eispads und Brandsalbe parat liegen.

Die Pistazien in eine kleine Schüssel geben.

Zucker und Wasser mit einer Prise Salz aufkochen, dabei anfangs ein wenig rühren, bis sich der Zucker auflöste. Ist der Zucker gelöst, die Masse ohne Rühren dickflüssig einkochen (der Zucker karamellisiert sonst zu schnell, der Wasseranteil ist zu hoch). Da das dauert, machst Du es Dir mit Blick auf den Herd auf einem Barhocker bequem und lauscht einem Hörspiel oder liest ein mäßig spannendes (ein Auge muss beim Herd bleiben) Buch.

Solche Farben vertreiben den trübsten Herbsttag.
Den Zucker einkochen, bis er zu karamellisieren beginnt. Er verfärbt sich hellbraun und riecht nach Karamell. Den Topf vom Herd ziehen.

Die Tomaten am Zahnstocher einzeln in das Karamell tunken und dann in die Pistazien tauchen. Auf eine Platte stellen, abkühlen lassen und servieren.

Die Tomaten knacken beim Anbeißen, und der fruchtig-süße Kontrast gefällt mir sehr gut. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch gesalzene Pistazien gut passen.

Quelle: Nelson Müller, Meine Rezepte für Body and Soul*, Verlag Zabert Sandmann, München 2011. *Affiliate link

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Eine fast vergessene Köstlichkeit: Wewelsflether Störkringel

Wewelsflether Störkringel. Halten und schmecken garantiert
bis Ostren - nächstes Jahr. Oder auch übernächstes ...
In diesem Jahr präsentiert Zorra zum siebten Mal ihren kulinarischen Adventskalender, bei dem ich zum ersten Mal mitmache. Der Ehre dieser Teilnahme bewusst, habe ich mir für meine Premiere ein Rezept für eine ganze besondere Spezialität ausgesucht: Wewelsflether Störkringel.

Wewelsflether Störkringel sind eine längst vergessene Gebäckspezialität von der Stör, einem Nebenfluss der Elbe in Schleswig-Holstein. Die Kringel waren Vorläufer und später schmackhaft gewürzte Alternative zum Schiffszwieback. Sie kamen normalerweise als "Patronengurt" daher, also aufgereiht auf einer Schnur. So konnten sie am Gürtel getragen oder unter Deck aufgehangen werden.

Bereits vor dem Jahr 1800 wurden die Störkringel nicht nur als Schiffsproviant, sondern auch für Hamburger Jahrmärkte hergestellt, die kurz vor Weihnachten stattfanden. Angeblich befand sich sogar in Teufelsbrück in Altona eine Bäckerei. Die Kringel sind sogenannte Sadenkringel, kleine gesottene Brezeln aus Mehl, Wasser, Rübensirup und Anis. Da sie anstatt Geld auch schon mal Menschen gegeben wurden, die snurrten, also bettelten, hießen sie auch Snurr- oder Armlüdskringel. Als Anis- oder Pfefferkringel sind sie ebenso bekannt gewesen, wobei sie keinen Pfeffer enthielten, sondern Pfeffer synonym für ein exotisches Gewürz, in diesem Falle Anis, steht.

Der Teig ist noch zu trocken und muss weiter
geknetet werden, damit er sich gut zu
Kringeln formen lässt.
Hamburger oder Altonaer kennen die Kringel heute gar nicht mehr. Ich entdeckte sie, als ich in meiner Tätigkeit als kulturelle Bordsteinschwalbe eine Weihnachtstour vorbereitete. Sie werden in der Geschichte "Knecht Niklas übers Wasserging" von Hans Leip erwähnt: Der aus Jamaika kommende Hamburger Gaffelschoner "Hoffnung" bliebt justament Heiligabend vor Schulau im Eis stecken und musste auf die nächste Flutwelle warten, die das Schiff in den Heimathafen schieben sollte.

Die Mannschaft, die gehofft hatte, Weihnachten zu Hause feiern zu können, musterte den kargen Proviant - Erbsmus, Hartbrot und Plörtee - und machte sich auf ein trauriges Fest gefasst. Da sahen sie ein Licht auf sich zukommen, das Knecht Niklas gehörte, der im Auftrag seines Herrn über die Eisschollen wanderte. Im Felleisen brachte er Äpfel, Helgoländer Pfeffernüsse, Wedeler Rosinenstuten, Bauermettwurst, Wilster Marschenkäse und eben Wewelsflether Störkringel im Umfang eines doppelten Patronengurtes mit - eine ausgesprochen großzügige Gabe. So gab es für die Matrosen der "Hoffnung" ein Weihnachtswunder.

Langsam wird's. Dusseligerweise sind die Anissamen
immer gerade da, wo der Kringel gebogen wird ...
Lange Zeit kam ich den Kringeln nicht so richtig auf die Spur. Überall hörte ich, das Rezept sei geheim, niemand kenne es mehr, gebacken würden die auch nicht mehr.

Eines kalten, frostigen Januartages machten zwei Historikerkollegen und ich uns auf nach Wewelsfleth, einfach mal gucken. Vielleicht würden wir ja jemanden finden, der die Kringel noch kennt. Wir fanden uns in einem völlig verwaisten Örtchen wieder. Auf der Straße war niemand, den man mit "Ey, haste mal 'n Störkringel?" anhauen konnte. Okay, wenigstens Kaffeetrinken zum Warmwerden sollte doch möglich sein. Ähm, nein, die einzige Gaststätte war geschlossen.

Eine Schlaufe links, dann eine Schlaufe rechts ...
Aber auch uns leuchtete ein Licht in der Einsamkeit. Es gehörte zu einer Bäckerei. Wir hechteten durch die Tür, ehe für die Mittagspause geschlossen wurde. Es gab warmen Kaffee und tatsächlich die drei letzten Beutel Wewelsflether Störkringel der Saison. Wir kauften alle drei und fragten, wo's noch mehr gäbe, woher die kämen. Die Verkäuferin verwies uns an die Bäckerei Käding in Beidenfleth, aber dort war gerade - genau: Mittagspause. Und wieder war kein geöffnetes Lokal in der Nähe, in dem wir die Pause abwarten konnten. Egal, wir hatten ja drei Beutel Störkringel und eine Adresse für den Nachschub.

Gleich kommen sie in den Ofen. Ein Kringel öffnete sich
beim Sieden, aber der Rest hielt.
Elf Monate später telefonierte ich mit der Bäckerei Käding. Ich wollte nur die Öffnungszeiten wissen, um hinzufahren und so bummelig dreihundert Störkringel zu kaufen. Ich wurde gleich in die Backstube durchgestellt. Heiko Gerulat, dem die Bäckerei gehört, bedauerte, dass die Störkringel so vergessen sind. Gerne gäbe er das Rezept an Hamburger Bäcker weiter, aber heute mache sich ja niemand mehr die Mühe, so aufwändiges Backwerk herzustellen. Ist ja alles Handarbeit. Jedes Kringelchen. Viel zu mühselig. Dauert zu lange. Und so ist Gerulat der einzige, der heute noch die Kunst des Stör-, Anis- oder Pfefferkringelbackens beherrscht. Früher kamen solche Bäcker rasch zu Wohlstand, waren hoch angesehen. Heute sieht das leider anders aus.

Freundlicherweise liefert die Bäckerei Käding die Störkringel auch per Post ins Haus. Der Paketbote wunderte sich sicher, was er da transportierte. Das Paket roch meterweit nach Anis und rasselte, denn die Störkringel lagen lose im Karton. Die Dinger sind unkaputtbar, die schaffen selbst Plomben und Zähne. So ein Posttransport macht denen nichts.

Tja, und natürlich kenne ich inzwischen auch das strenggeheime Rezept für Wewelsflether Störkringel. Frau Küchenlatein war so freundlich, es mir auf eine haushaltsübliche Menge herunterzurechnen und fernmündliche Backhilfe zu geben, denn als ungeübte Brotbäckerin hatte ich einige Probleme mit dem Kneten und dem richtigen Mehl-Wasser-Verhältnis. Und Bäcker Gerulat hat recht: Die Kringel zu backen, ist wirklich Arbeit. Aber die Mühe lohnt. Möchtest Du die Mühe sparen, erreichst Du die Bäckerei Käding unter der Telefonnummer 04829 629 und läßt Dir Deine Störkringel einfach per Post liefern. Ich weiß nicht mehr, was die kosten, aber gemessen an der Arbeit und daran, dass die Herstellung in Handarbeit geschieht, sind die nicht teuer.

In diesem Jahr lernte ich übrigens, dass es auch in Glückstadt Störkringel gibt, bei der Stadtbäckerei Witt. Sie sind weicher als die Wewelsflether und auch im Sommer erhältlich. Geht natürlich gar nicht. Ist aber entschieden zahnfreundlicher.

Kulinarischer Adventskalender 2011 - Türchen 15

Wewelsflether Störkringel

Zutaten für ca. 25 Stück:

250 g Mehl
10 g Salz
25 g Anis
25 g dunkle Kuchensirup (Zuckerrübensirup)
2,5 g Frischhefe oder 0,7 g Trockenhefe
ca. 125 ml Wasser

Zubereitung:
Aus der Hefe, dem Kuchensirup, 50 g Mehl und dem Wasser einen Vorteig herstellen, der die Konsistenz eines Pfannkuchenteigs hat. Bummelig 15 Minuten stehen lassen, bis sich das Volumen vergrößerte, der Teig Blasen zeigt.

Jetzt die übrigen Zutaten und den Teig kneten, kneten, kneten, kneten, kneten, kneten, kneten ... Ich knetete ihn so bummelig 30 Minuten per Hand, wünschte mir eine Küchenmaschine, die das kann und nahm mir vor, mein Armmuskeltraining mal wieder zu intensivieren. Zwischendrin evtl. etwas Wasser dazu geben, wenn der Teig nicht geschmeidig genug ist. Probeweise ein wenig Teig abnehmen, rollen und einen Kringel formen. Zieht sich der Teig wieder zusammen, braucht er noch ein wenig Ruhe und muss noch ein bisschen - genau: geknetet werden.

Läßt sich der Kringel problemlos formen, den Backofen auf 225 Grad (Ober-/Unterhitze) vorheizen und einen Topf mit Wasser auf dem Herd zum Sieden bringen. Die Kringel in das Wasser geben und herausnehmen, sobald sie an die Wasseroberfläche steigen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und 14 bis 18 Minuten backen, bis sie hart sind.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Herbstfarben in fünf Gängen - mein November-Menü

Mitte November bot sich die Gelegenheit, mal wieder ein kleines Menü zu kochen. Idee war, die bunten Herbstfarben draußen vorm Fenster auf die Teller zu holen. Da im Menü auch Rezepte aus Nelson Müllers neuem Kochbuch "Meine Rezepte für Body and Soul" Verwendung fanden, das ich gemeinsam mit Dorothée und Heike rezensieren durfte, und die Veröffentlichung mit Valentinas Kochbuch abgesprochen werden musste, kann ich Euch das Menü erst heute vorstellen. Nehmt es als Farbtupfer im grauen Winter. Die Rezepte blogge ich ab übermorgen und verlinke sie dann hier. Heute erscheint unsere Rezension bei Valentina.

Den Anfang bildete ein Rückblick auf den Sommer in Form von Liebesäpfeln von der Cocktailtomate nach einem Rezept von Nelson Müller als Amuse zum trockenen Sekt beim Aperitif. 
Amuse: Liebesäpfel von der Cocktailtomate.
Weiter ging's mit der Vorspeise, Feldsalat mit Gedöns aus Vorrat und Lamäng, zu der es wie zum Hauptgang einen 2009er Riesling (Rauenthaler Gehrn) von Eser gab.
Feldsalat mit Orangenfilets, Granatapfel und Paté mit Kastanien und Preiselbeeren.
Der Suppengang war praktizierte Resteverwertung. Vom Rindfleisch mit Pflaumen, das es zwei Tage vorher gab, waren noch ein kleiner Rest Fleisch und ganz viel Brühe übrig. Die wurde flugs geklärt, denn sie war so geschmacksintensiv, dass ich es schade gefunden hätte, sie als Fond zu verwenden (wobei ich natürlich nichts gegen gute Fonds habe, im Gegenteil).
Rinder-Consommé mit Fleischeinlage.
Das Hauptgericht war eine Mutprobe für die Gäste, allen voran Schwiegermutter. Sie war nämlich der festen Überzeugung, keinen Kürbis zu mögen, weil sie nur den geschmacklosen Halloween-Kürbis kannte. Der zweite Gast erinnerte den Kürbis aus der Nachkriegszeit und mag ihn seitdem ebenfalls nicht. Der Gatte, der bis vor ein paar Jahren ebenfalls noch keinen Kürbis möchte, war voller missonarischen Eifers und bestand auf disen Hauptgang. Ich vermute, es hat den Gästen geschmeckt, denn es wurde das Rezept verlangt, zwei Mal nachgenommen und noch vier Wochen später geschwärmt - ich kann kaum glauben, dass meine Schwiegermutter tatsächlich zu Gast war ... Da der Hauptgang ratzeputz aufgegessen wurde, fiel das hier eingeplante Reste-Essen aus.
Zitronenhuhn mit Butternuss-Kürbis und Zwiebeln
Das Rezept für's Dessert stammt wieder von Nelson Müller. Nach dem sättigenden Hauptgang wäre ein leichteres Dessert sicher besser gewesen. Deswegen gab's für jeden nur einen Krapfen, dafür viel Frucht.
Grießkrapfen mit Mango.
Unterm Strich war's dann doch eines der anstrengenderen Menüs. Bis zum Hauptgang konnte zwar viel vorbereitet werden, aber beim Hauptgang musste halt vorm Servieren noch die Sauce gezogen werden, was für Wartezeit sorgte. Und die Grießkrapfen habe ich auch erst zum Dessert frittiert, was ebenfalls Wartezeit bedeutete. Sie lassen sich aber auch sehr gut vorbereiten und im Umluft-Ofen schnell aufbacken. Das wäre ideal gewesen, denn der Ofen war hatte ja noch Resthitze vom Huhn. Na ja, das nächste Mal ...

Montag, 12. Dezember 2011

En slicht Gericht? En schön Gericht! Oder: Kochen für Faule

En schön Gericht: Rindfleisch un Plummen. Und: Ja, ich
weiß, der Teller ist nicht schön angerichtet. Aber das,
was drauf ist, ist lecker. Wirklich.
"Mein Mann sagt, Sie haben Brust ohne Kochen. Aber ich sehe schon, Ihre Brust hat auch Knochen."

Es gibt gewisse Sätze, die sollte man nicht zu einer Fleischereifachverkäuferin sagen, tut es dann aber doch. In zwei Geschäften war keine Rinderbrust ohne Knochen zu bekommen, obwohl der Gatte es anders sah. Da der Gatte keine Rinderbrust mit Knochen wollte, die das Originalrezept alternativ zu Querrippe empfahl, welche der Gatte erst recht nicht wollte, nahm ich falsches Filet. Ohne Knochen. Blöd für die beiden Hundeviecher. Ich kann es nicht allen recht machen.

Das falsche Filet wurde zu Rindfleisch un Plummen, hochdeutsch Rindfleisch und Pflaumen, verarbeitet. Rindfleisch un Plummen ist eine typisch norddeutsche Kombination, wie auch die überwiegend rheinländischen Kollegen von Arthurs Enkeltochter erfuhren, als sie auf ihren Mittagspausenteller blickten und entsetzt fragten, ob das da etwa Pflaumen seien. Ja, wir Norddeutschen mögen broken Seut, gebrochene Süße, die Kombination von Süßem und Deftigen, wie etwa Bohnen, Birnen und Speck.

Fritz Reuter, ein niederdeutscher Schriftsteller, setzt dem Gericht in einem Gedicht ein Denkmal. Da beklagt sich ein Lehrling beim Bürgermeister über das schlechte Essen, das er bei seinem Lehrherrn bekommt. Bürgermeister und Ratsherren empören sich. Rindfleisch un Plummen sein mitnichten "en slicht Gericht". Im Gegenteil: Ist das Fleisch schön mürbe, sind die Pflaumen gar, sei das Essen wie im Himmel. Das letzte Wort hat der Lehrling. "Rindfleisch un Plummen is en schön Gericht / Doch, mine Herren, ick krig't man nicht."

Bei uns war genug für alle da: Die Menge des Originalrezeptes sollte für vier reichen, reichte dann aber mit Kartoffeln tatsächlich für den hungrigen Gatten, für die ebenfalls hungrige Enkeltochter Arthurs, für ein nicht ganz so hungriges Mich, für je ein Büro-Mittagessen für den Gatten und Arthurs Enkeltochter am nächsten Tag sowie bei einem Menü als Consommé mit Fleischeinlagen für vier Personen am übernächsten Tag. Wir hätten glatt noch Reuters Lehrling und Arthurs Tochter satt bekommen, die spontan anreisen wollte, als sie hörte, was es geben sollte. Außerdem kocht sich das Gericht wie von selbst. Kochen für Faule at it's best.

Rindfleisch un Plummen (Rindfleisch und Pflaumen)

Zutaten für bummelig 8 Portionen:
2,5 Liter Wasser, gesalzen
300 g entsteinte Backpflaumen
1,5 kg falsches Filet (oder Tafelspitz, im Original Querrippe oder Rinderbrust, nicht zu fett)
250 g durchwachsener Speck
2 Zwiebeln (im Original 200 g Zwiebeln)
2 oder mehr Lorbeerblätter (im Original 1 Lorbeerblatt)
4 oder mehr Gewürznelken (im Original 1 Gewürznelke)
1 EL Pfefferkörner
2 Stangen Lauch (im Original statt Lauch und den folgenden Gemüsen einfach 1 Bund Suppengrün)
5 Wurzeln
1/2 Knollensellerie
1/2 Steckrübe
40 g Butter (so um und bei, ich wiege da nie)
30 g Mehl (siehe oben)
Salz
Pfeffer
Kartoffeln (Menge je nach Hunger)

Zubereitung:

Wasser zum Kochen bringen. Währenddessen das Gemüse waschen und putzen. Wenn Du das Gemüse später nicht mit servieren möchtest, kannst Du auf das Putzen auch verzichten, wäscht es nur und gibst es einfach so zur Suppe. Diese Entscheidung solltest Du jetzt treffen. Das erspart Dir hektische Fisselarbeit vorm Servieren. Bedenke außerdem: Wenn Du das Gemüse nicht mit servierst, werden von dem Rezept keine acht Personen satt, sondern nur vier.

Von einer Zwiebel die losen Schalen entfernen, dann die Zwiebel waschen und mit Nelken spicken (die zweite Zwiebel wird später gebraucht).

Fleisch, Speck, die mit Nelken gespickte Zwiebel, Lorbeerblätter und das Gemüse in das kochende Wasser geben. Bummelig 30 Minuten köcheln lassen, dann Gemüse und Speck mit einem Schaumlöffel herausnehmen und beiseite stellen. Das Fleisch etwa eine Stunde weiter köcheln lassen. Sind Gemüse und Speck etwas abgekühlt, kannst Du beides schon mal mundgerecht würfeln, in einen passenden Topf geben und wieder beiseite stellen.

Nachdem das Fleisch insgesamt ca. anderthalb Stunden leise vor sich hin kochte, ist es langsam an der Zeit, die Kartoffeln zu schälen, zu vierteln oder zu achteln und in Salzwasser zu kochen. Außerdem gibst Du jetzt die Backpflaumen zum Fleisch und läßt sie etwa 20 Minuten mit kochen. Jetzt ist auch die zweite Zwiebel dran. Sie wird fein gewürfelt und in der Butter glasig gedünstet, bevor das Mehl dazu gegeben wird. Von der Rindfleischbrühe einen guten halben Liter abnehmen und unter ständigem Rühren zur Mehl-Butter-Zwiebel-Mischung geben. Etwa 10 Minuten leise köcheln lassen und mit Salz und Pfeffer würzen. Während die Sauce köchelt, etwas Brühe auf das gewürfelte Gemüse und den Speck geben und auf kleiner Flamme warmziehen lassen. Außerdem läßt Du den Ofen schon mal auf ca. 50 Grad vorheizen.

Das Fleisch müsste jetzt so mürbe sein, dass es fast von der Fleischgabel fällt, wenn Du es aus der Brühe hebst. Du schneidest es in Scheiben und stellst es im Ofen warm. Daneben stellst Du Teller in zu den Essern passender Anzahl.

Ungefähr jetzt kommt Arthurs Enkeltochter durch die Haustür geweht und bringt einen Schwall kalte Winterluft mit. Sie schnuppert in die Küche, fragt, was sie helfen kann und beginnt, den Tisch zu decken. Kurze Zeit später kommt der Gatte nach Hause. Du verteilst Fleisch, Kartoffeln, Suppengemüse und Sauce auf drei Teller (Achtung, die sind heiß!), freust Dich, dass die beiden Mitesser keinen Speck mögen, gibst den großzügig auf Deinen und servierst. Du könntest Fleisch und Speck auch in die Mitte einer heißen Platte geben, Backpflaumen und Suppengrün darum legen und die Salzkartoffeln extra servieren.

Die Fleischbrühe könntest Du als Vorsuppe servieren. Bei uns gab es sie zwei Tage später im Rahmen eines Menüs. Davon erzähle ich Dir übermorgen.

Quelle: Metta Frank / Marieluise Schultze, Norddeutsche Küche, Bassermann Verlag, München 2008. Aus dem Buch stammen auch die Zitate Reuters.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Es geht auch anders. Aber so geht es auch.

Überraschungspaket von Tchibo: Feine milde und Sana
im neuen Design, Penachi-Kaffee aus Peru und
eine neue Kaffeemühle (doch, die hat auch einen
Deckel. Der schaffte es nur nicht aufs Foto).
Meistens bleibt mein kleines Blögchen ja von Werbeanfragen verschont. Postwurfsendungen landen ungeöffnet im Papiermüll. Elektronische Post wird meistens von Spamfiltern abgefangen und gelangt gar nicht erst in meine Mehl Mail-Box. In den letzten Tagen aber kam's über mich.

Unter anderem fragte ein Online-Supermarkt, ob ich mit einem Test-Guthaben Lebensmittel bestellen möchte. Blöderweise wohne ich so weit draußen, dass ich außerhalb des Liefergebiets wohne, selbst, wenn ich das erweiterte Liefergebiet nutze. Und überhaupt: Was soll ich mit einem Test-Guthaben? Mit 'nem echten Guthaben hätte ich mich ja noch ködern lassen, lebte ich in der Innenstadt, denn weiter scheint das Liefergebiet nicht zu reichen. Andererseits hätte ich in der Innenstadt auch genügend Einkaufsmöglichkeiten und bräuchte nichts zu bestellen. Egal. ich muss mir ja nicht den Kopf über die Geschäftskonzepte anderer zerbrechen.

Für Gelächter sorgte dann die Anfrage eines Lieferdienstes. Die gratulieren mir zu meinem gelungenen Projekt und finden, wir passen gut zueinander. Öhm, betreibe ich inzwischen Essen auf Rädern und weiß es nicht? Oder passe ich zu denen, weil ich mich seit Mitte Oktober durch meine Erkrankung  geliefert fühle? Weiter heißt es, die würden für mich einen Artikel über meinen Blog oder zu einem Thema meiner Wahl schreiben, wenn ich im Gegenzug einen Artikel über sie schriebe. Falls ich den Artikel nicht selbst schreiben möchte, lieferten sie auch - klar, ist ja auch ein Lieferdienst. Ähm, falls es Euch entgangen ist: Ich koche selbst. Täglich. Na ja, zumindest fast. In diesem Jahr haben wir tatsächlich zwei Mal einen Pizzadienst in Anspruch genommen. Das war das dritte oder vierte Mal in den sieben Jahren, die wir hier wohnen, dass wir einen Lieferdienst nutzten.

Genial war auch die Agentur, die Swiffer vertritt. Ich erwähnte den Bodenwischer hier in einem Halbsatz und bekam keine 24 Stunden später die Aufforderung, die Zugriffszahlen meines Blogs zu liefern, unterteilt nach wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Klicks. Ja, nee, is kla. Hey, ich kenne diese Zahlen noch nicht mal selbst. Ehrlich nicht. Sie interessieren mich nicht. Ich habe auch keine Ahnung, welchen Geldwert mein Blog hat, auch wenn das bei Freunden, die sich mit so was auskennen, gelegentlich für ungläubiges Kopfschütteln sorgt. Ich leiste mir immer noch den Luxus, im Wesentlichen für mich zu bloggen. Ich leiste mir außerdem den Luxus, ein Leben neben dem Blog und dem Inter-Netz zu haben. Schlimmer noch: Ich habe durch den Blog und das Inter-Netz richtig liebe Menschen kennengelernt, hole also das Netz ins reale Leben. Oder lebe ich in einer Matrix und weiß es nicht? Egal. 

Die Sorte Penachi in der Mühle.
Dann gibt es Agenturen, die wissen, was sie tun. So wie Ketchum, die gerade zahlreiche Blogs mit Braun-Geräten ausrüsten. Im letzten Jahr bekam ich auch einen Stabmixer von denen, aber in meiner üblichen Grundverpeiltheit schaffte ich es nicht, darüber zu bloggen. Sorry, ist eigentlich nicht mein Stil. Oder so wie a+o, die Deutsche See vertreten. Oder wie Edel, die Toppits in die Öffentlichkeit bringen, oder auch die Leute von Bosch. Oder wie die Leute von Tchibo.

So wie von diesen Firmen pund Agenturen wünsche ich mir Werbeanfragen. Da wird erst freundlich per Mail angefragt, ob man mich in den Presseverteiler aufnehmen darf. Klar darf man. Schon alleine, weil ich gesiezt werde und mein Name richtig geschrieben ist. Selbst der Name meines Blogs ist richtig geschrieben. Oder weil ich keine Vorgaben bekomme, was ich schreibe bzw. ob ich überhaupt was schreibe. Ich freue mich, wenn ich bei einer Anfrage sehe, dass man sich Gedanken macht, ob's passt mit dem Produkt und mir. Und Produkten gegenüber, die ich eh' im Gebrauch habe, bin ich aufgeschlossen, klar.

Tchibo sei Dank kann unsere alte
Kaffeemühle in den Ruhestand gehen.
Kurze Zeit später kam dann beispielsweise von Tchibo die Cafissimo, die uns noch immer viel Freude bereitet und von Besuchern neidisch beäugt wird (und gekauft wird - so soll's sein). Tchibo versorgt mich gelegentlich mit neuen Kapselsorten, die Kollegen und ich kaufen regelmäßig Kapsel-Nachschub, und rechtzeitig zum 1. Dezember kam ein Cafissimo-Adventskalender. Wie cool ist das bitte?!

Auch zwischendrin gibt es immer wieder Überraschungen. So trudelte erst eine Privatkaffeesorte aus Peru ein, Penachi, mit Toffee- und Akaziennote, sehr fein (und noch feiner, da Bio-zertifiziert und mit Siegel der Rainforest Alliance), und kurze Zeit später kamen Feine Milde und Sana als ganze Bohne zusammen mit einer Kaffeemühle. Die war mehr als willkommen, denn der Gatte und ich diskutieren schon seit einer gefühlten Ewigkeit wegen eines Ersatzes für unsere alte Kaffeemühle, können uns aber mal wieder nicht entscheiden.

Unsere alte Kaffeemühle, ein Braun-Designklassiker, wurde schon mehrfach geflickt und  tut seinen Dienst nur noch, wenn man den Auffangbehälter mit einem Gummiband befestigt oder festhält. Vergisst man das, staubt die ganze Arbeitsplatte ein, und man darf morgens um sechs vorm Kaffeekochen erst mal das Pulver zusammenfegen ...  Und falls Du denkst, die Braunmühle sei alt: Nö. Wir hätten noch zwei Krups im Schrank, eine D8 aus den 1950ern und eine quietschgelbe aus den späten 1960ern. Zu denen wandert jetzt auch die alte Braun KMM, denn ganz trennen können wir uns noch nicht.

Freitag, 9. Dezember 2011

Und wenn das neunte Lichtlein brennt ....

Janine und Andreas mit Alexander Herrmann
und Nelson Müller.  
Wieder mal bei den Fernsehmachern. Diesmal ganz entspannt. Keine Topfgeldjäger, sondern Küchenschlacht. Und ich kenne niemanden von denen, die da vorne kochen, persönlich. Also kann ich mich ganz entspannt in der letzten Studioreihe an die Wand lehnen. Hier oben findet mich keine Kamera.

Außerdem kann ich hinter die Sperrholzkulisse gucken, von oben. Ist spannend, was sich da tut. Alexander Herrmann, der heutige Moderator-Koch, plaudert vor Beginn der Aufzeichung mit den Kandidaten. Aus irgendeinem Grund tut er das auf Englisch. Ich muss an Ernst Busch denken. Der sprach fast alle Sprachen dieser Welt - und doch hörten sie sich immer an wie Kieler Platt. Herrmann spricht nicht Englisch, sondern Fränkisch mit englischem Akzent.

Das Studio ist das gleiche, in dem auch die Sendungen "Topfgeldjäger", "Lanz", "Lafer, Lichter, lecker" und das bescheuerte TGJ-Plagiat "Wer is(s)t besser?" aufgezeichnet werden. Nur die Perspektive ist eine andere, weil die Kulisse anders steht.

Blick von der Bank ganz oben ins Studio.
Übrigens: Die sind echt nett, die Fernsehmacher. Auch, wenn Du nur da bist, um ein bisschen zu entspannen, nicht als Fan-Kurve. Die Betreuung war genau so freundlich und kompetent wie damals, als ich auf einem Angehörigenticket rein kam. Also, wenn Du Dich auch mal ein bisschen entspannen möchtest, bekommst Du hier die Karten. Prosecco, Bier oder alkoholfreie Kaltgetränke gibt's außerdem. Nur zu essen bekommste nix, wennste keine Begleitung bist. Aber wennste auch keine Begleitung bist, hängste da auch nicht den ganzen Tag rum, sondern nur so bummelig zwei Stunden. Die schaffe selbst ich ohne Snack.

Wir sitzen in der Aufzeichnung vom 9. Dezember, oder, wie Alexander Herrmann sagt, vom 9. Advent. Er nimmt den Versprecher, der ihm im Laufe der Woche schon mal passierte, mit Humor und sich immer wieder selbst auf die Schippe. Der kann seinen Job  besser als der Einheizer und schafft schnell einen Draht zum Publikum.

Blick auf den Jourorentisch nach der Entscheidung.
Der Einheizer ist der gleiche vom zweiten Aufzeichnungstag unserer Blind Dates, sogar im gleichen Outfit. Er passt besser in eine graue Amtsstube und brachte Frau Küchenlatein und mich zur Verzweiflung. Damals haben die Damen der Silberstreifen und wir für Stimmung im Frauenblock gesorgt. Heute ist niemand da, der für Stimmung sorgt, dementsprechend verhalten ist das Publikum. Als ich zwei Tage nach dieser Aufzeichnung eine Küchenschlacht-Folge sehe, höre ich plötzlich ein einsames, lautes "Mmmmmm" und weiß, da war wieder besagter Einheizer am Werk, und wieder hat er es nicht geschafft, das Publikum mitzureißen. Schade eigentlich.  

Wir kommen in den Genuss einer Finalsendung mit nur zwei Koch-Kandidaten. Wenn alle sechs Herde besetzt sind, ist das bestimmt ganz schön eng da unten. Vom Kochen sieht man leider kaum was. Anders als bei den "Topfgeldjägern", wo zwei Zuschauermonitore in den Rückwänden der Küchenzeilen versteckt sind, hängt hier nur ein Monitor sehr seitlich - so seitlich, dass man ihn kaum sieht. Das nächste Mal kommt ein Feldstecher ins Handtäschchen, damit hätte ich von hier ganz oben eine Chance, auf den Herd zu sehen. Für die, die weiter unten sitzen, nützt der Feldstecher aber auch nichts.

Da es eine Finalsendung ist, kochen die Kandidaten Hauptgericht und Dessert nach einem Rezept des Koch-Moderators. Es gibt Rehmedaillons im Nussmantel mit Preiselbeersahne und Chicoree sowie karamellisierte Apfelspalten mit Punsch-Sabayon. Riecht lecker. Meine Begleitung wird später sagen, dass es auch lecker schmeckte, denn sie schnappte sich beim Rausgehen ein Medaillon vom Siegerteller. Und als ich Tage später dem Gatten von den Rehmedaillons erzähle, beschließt er spontan, das Reh gibt es an Weihnachten. Mal schauen.

Juror ist Nelson Müller. Während er in der Kulisse auf seinen Auftritt wartet, fragt ihm mein Nachbar von oben herab durch die Sperrholzwand leise wispernd, ob er Wiener Schnitzel mag. Müller bejaht. Für mich ist er ohnehin der Schnitzelkönig schlechthin, seitdem er Heidi in der "Küchenschlacht" die Zubereitung eines perfekten Wiener Schnitzel zeigte, die sie uns auch beim Österreich-Kochtreffen servierte.

Müller tut sich schwer mit der Wertung und findet kein Ende. Beide Gerichte sind nicht perfekt. Letztlich gibt es einen Sieg ohne die fehlende Preiselbeersahne.

Übrigens habe ich festgestellt, dass es mir mehr Spaß macht, wenn ich jemanden von denen, die da unten kochen, kenne. Ist viel spannender, wenn ich mitfiebern kann. Also: Meld' Dich zur "Küchenschlacht" oder zu den "Topfgeldjägern" und buch' mich als Deine persönliche Fankurve ;o)

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Haselnuss-Zimtsterne für nata

Haselnuss-Zimtsterne als Variation der klassischen, die mit
Mandeln zubereitet werden.
nata von pastaciutta sucht Haselnuss-Plätzchen. Ich bin gegen Haselnüsse allergisch. Der Gatte hingegen liebt sie. Also bekommt er vor Weihnachten Haselnuss-Zimtsterne ganz für sich alleine, als Alternative zu den klassischen Zimtsternen mit Mandeln.

Haselnuss-Zimtsterne

Zutaten für ca. 50 Stück:
2 Eiweiß
100 g Puderzucker
100 g Zucker
2 TL Zimt
1 Prise Nelkenpulver
400 g gemahlene Haselnüsse
200 g Nussipan
Puderzucker zum Ausrollen

Zubereitung:

Eiweiß steif schlagen, dann Puderzucker und Zucker hinzufügen und solange weiter schlagen, bis die Masse glänzt.

Etwa 1/3 der Eiweiß-Masse abnehmen. Mit 1 TL Zimt vermischen und zur Seite stellen (wird später zum Bestreichen der Zimtsterne gebraucht).

Die gemahlenen Haselnüsse in einer Pfanne ohne Fett leicht rösten, dann mit 1 TL Zimt sowie der Prise Nelkenpulver mischen und mit dem Nussipan verkneten. Dann den Eischnee unter die Masse arbeiten und den Teig in Klarsichtfolie gehüllt ca. eine Stunde kühl stellen.

Backblech mit Backpapier auslegen. Backofen auf 130 Grad (Umluft) vorheizen.

Den Teig noch mal durchkneten und auf einer mit Puderzucker bestreuten Arbeitsfläche vorsichtig ca. 1 cm dick ausrollen. Sterne ausstechen und ggf. mit einem Pfannenwender von der Arbeitsfläche lösen, um sie auf das Backblech zu geben.

Die Eischnee-Zimt-Masse mit einem Pinsel auf die Sterne auftragen.

Die Zimtsterne ca. 20 bis 25 Minuten im Backofen trocknen lassen. Im Idealfall wird dabei das Eiweiß nicht braun. Sie sind richtig, wenn sie noch einen weichen Kern haben und schmecken am Besten, wenn man sie vor dem Verzehr ein, zwei Tage liegen lässt.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Madras Curry-Mischung

Unlängst ärgerte ich mich wieder mal über das fertige Currypulver, das der Gatte anschleppte. Wir haben nämlich alle Zutaten im Haus, um selbst eine Curry-Mischung herzustellen, da ich die Gewürze auch für andere Gerichte brauche.

Richtig ärgerlich wurde ich aber beim Blick auf die Zutatenliste. Gegen Kurkuma, Koriander, Cumin, Paprika, Fenchel, Salz, Bockshornklee, Chilies, Senf(-körner)und Ingwer habe ich nichts einzuwenden. Seit ihrer Erfindung im 18. Jahrhundert, als die Briten mit der Vielzahl der Masalas, der indischen Gewürzzubereitungen, überfordert waren und eine universell einsetzbare Curry-Mischung kreierten, sind die Mischungen dem Massengeschmack angepasst. Weizenstärke, Hefextrakt und Mononatriumglutamat müssen allerdings nicht in einer Currymischung sein, genau wie Petersilie, Sellerie, Sesam sowie Spuren von Milch, Ei, Soja und Schalenfrüchten.

Ich sehe schon, ich muss öfter mal wieder selbst Curry machen, damit der Gatte nicht in Versuchung kommt, Fertigzeug anzuschleppen. Ich mag gerne schärfere Curry-Mischungen wie diese Madras Curry-Mischung, die etwa 60 Gramm ergibt:

Madras Curry

Zutaten für ca. 60 Gramm:
2 EL Korianderkörner
2 EL Kreuzkümmel (Cumin)
2 EL Kurkuma
1 EL Ingwerpulver
1 TL gelbe Senfsamen 
1 TL Bockshornkleesamen
½ TL Zimt oder ein Stück Zimtstange
½ TL Nelken
1 TL grüner Kardamom
½ bis 1 TL Chilipulver
1,5 TL schwarzer Pfeffer
20 getrocknete Curryblätter

Zubereitung:

Alle Zutaten in der Moulinette (alternativ Mixer oder Mörser nehmen) fein mahlen.
Zutaten für eine Madras-Curry-Mischung.
In einem gut verschließbaren Glas dunkel aufbewahren. Die Mischung hält sich knapp zwei Jahren, allerdings nicht bei unserem hohen Curry-Verbrauch ...

Wer's mag, kann alle Zutaten bis auf Ingwer- und Chilipulver vor dem Mahlen in einer Pfanne ohen Fett rösten. Ich lasse das, da ich nicht an jedem Gericht mit Curry Röstaromen mag.

Quelle: CK

Sonntag, 4. Dezember 2011

Zereshk Polo ba Morgh-Variante: Berberitzen-Reis mit Hähnchen Ras el Hanout

Berberitzen-Reis mit Hähnchen Ras el Hanout.
Noch acht Wochen bis zu unserem nächsten Kochtreffen, bei dem uns Heidi in die Geheimnisse der persischen Küche einweiht. Hohe Zeit also, hier mal ein persisches Gericht zu bloggen. Auf Zereshk Polo oder Sereschk Polo kam ich, als ich, lange bevor ich Heidi kannte und sie hätte fragen können, nach einer Verwendung getrockneter Berberitzen (Zereshk) suchte, die ich spontan kaufte.

Ich glaube, normalerweise wird das Hähnchen gekocht. Wir mögen es gebraten lieber. Hier habe ich es außerdem mit Ras el Hanout gewürzt.

Berberitzen-Reis mit Hähnchen Ras el Hanout

Zutaten für 2 bis 3 Portionen:

1 Hähnchen, küchenfertig, ca. 1 kg
2 TL Ras el Hanout
1 TL Honig
2 TL Olivenöl
100 g Reis
200 ml Wasser oder Gemüsebrühe
50 g getrocknete Berberitzen
1 Prise Safranfäden
2 Prisen Zucker
1 EL warmes Wasser
Salz
Pfeffer
Butter oder Butterschmalz

Zubereitung:

Die Safranfäden mit 1 Prise Zucker im Mörser zerstoßen und in 1 EL warmes Wasser ca. 60 Minuten auflösen lassen.

Das Hähnchen waschen und innen salzen und pfeffern. Ras el Hanout, Honig und Öl miteinander verrühren (evtl. noch etwas mehr Öl zugeben, wenn die Mischung zu zähflüssig ist) und das Hähnchen mit der Mischung einpinseln. Hähnchen in einen Bräter legen (ich setze es immer in eine umgedrehte Guglhupfform, dann wird es von allen Seiten schön knusprig). Bei 200 Grad (Umluft) 20 Minuten in den Ofen geben. Dann die Temperatur auf 180 Grad (Umluft) senken, und das Hähnchen weitere 40 bis 50 Minuten im Ofen garen lassen. Dabei regelmäßig mit der Honig-Öl-Mischung und dem Bratensaft bepinseln und gelegentlich drehen.

Den Reis in Salzwasser oder Gemüsebrühe garen. Vom Reis etwa die Hälfte abnehmen und mit dem Safranwasser gelb färben. Warm halten.

Die Berberitzen in einer Pfanne in etwas Butter oder Butterschmalz dünsten, dabei aufpassen, dass sie nicht schwarz werden (wie Du auf dem Foto sehen kannst, geht das schnell). Eine Prise Zucker dazugeben, alles noch mal durchschwenken und zu dem weißen Reis geben. Warm halten.

Das Hähnchen aus dem Ofen nehmen, zerteilen und auf Tellern anrichten.

Den weißen und gelben Reis im Wechsel in eine Tasse oder Form schichten und je eine Portion auf den Hähnchen-Teller stürzen.

Wer mag, mischt die Berberitzen nicht mit dem weißen Reis, sondern gibt sie als erste Schicht in das Reisförmchen.

Samstag, 3. Dezember 2011

Gewürztes Marzipan von Mandeln nach einem Rezept aus dem Jahre 1798

Das Originalrezept aus dem Jahre 1798 lautet: Man kann ihn von Mandeln, Pistazien, Haselnüssen und dergleichen machen und auf vielerlei Art. Süße Mandeln wirft man eine Nacht in kaltes Wasser, bis die Schale heruntergeht, stößt sie dann mit Rosenwasser ganz fein, mischt hierunter so viel gestoßenen Zucker als die Mandeln wiegen und ein Lot gestoßenen Kaneel, etwas Kardamom, Nelken und Muskatblüte, setzt selbiges unter beständigem Rühren auf Kohlefeuer, damit es nicht anbrenne, bis der Teig nicht mehr anklebt, tut ihn alsdann auf einen mit Zucker und, wenn man dabei sparen will, Mehl meliert bestreuten Backtisch, daß er kalt wird. Dann formiert und bäckt man davon, was man will.

Ich habe das Rezpet so interpretiert:

Gewürztes Marzipan von Mandeln

Zutaten für ca. 110 Kugeln:

1 EL Zimt
1 kg Marzipanrohmasse
1 TL Kardamom, gemahlener
½ TL Nelkenpulver
½ TL Macis (Muskatblüte), gemahlen
evtl. Puderzucker bei Bedarf
evtl. Kakaopulver oder Kuvertüre zum Verzieren

Zubereitung

Die Marzipan-Rohmasse mit den Gewürzen verkneten. Falls die Masse zu feucht ist, etwas Puderzucker unterkneten, aber die Kugel trocknen im Ofen sehr schnell. Dann kleine Kugeln formen und auf ein Backblech setzen.

Im vorgeheizten Backofen bei 125°C Umluft ca. 15 Minuten trocknen.

Nach dem Rezept einiger Hamburger Frauenzimmer aus dem Jahre 1798

Freitag, 2. Dezember 2011

Tea Tasting von Qype und Samova

Freundliche Begrüßung.
Das Portal Qype bietet unregelmäßig Veranstaltungen bei Kooperationspartnern und Kunden an. Ich kann leider nur selten teilnehmen, weil sie meistens an einem meiner Sporttage sind. Und dann werden die Plätze auch noch ausgelost, man muss also Glück haben, um dabei zu sein. Gelegentlich aber klappt es, wie beim Sushi-Kurs im Shiawase oder wie vorgestern zum Tea Tasting bei Samova im Teespeicher in der Hafencity.

Wobei: So richtig lagert ja kaum noch Tee in der Hafencity oder in der Speicherstadt. Die alten Speicher sind den modernen Anforderungen nicht mehr gewachsen, sind nicht containerkompatibel, kommen besser mit Jute als mit Plastik zurecht oder mit Teekisten aus Holz statt schnöden Pappkartons. Heute sind in den Speichern Büros, Museen, inzwischen sogar Wohnungen ... Gelagert werden die Waren am Stadtrand.

Ich gehöre zu denen, die der alten Zeit hinterher trauern, verbrachte ich doch als Kind viel Zeit im Speicher eines afghanischen Teppich-, Gewürz- und Pelzimporteurs. Der Geruch dieses Speichers hat sich tief ins olfaktorische Gedächtnis eingeprägt und mit dazu beigetragen, dass ich zwischen Wüstensand und Waterkant zu Hause bin, keine bodenständige Hanseatin (oder gar Elblette) wurde.

Mosaik im Eingang des Gebäudes in der Hongkongstraße 1.
Bei Samova ist alles klinisch weiß. Aber es riecht auch, wenn auch medizinischer als beispielsweise bei Hälssen & Lyon, einem 1879 gegründetem Tee-Importeur, der der erste (und heute älteste) Mieter in der Speicherstadt ist.  Der Geruch bei Samova hat auch nichts mit dem in den Teeläden gemeinsam, den denen es irgendwie immer nach Achtziger-Jahre-Himbeer-Sahne-Tee riecht. Samova ist modern und will das Image des Tees entstauben. Hier wird nicht nur Tee verkauft. Hier wird eine ganze Philosophie verkauft.

Ich bin unmodern. An mir gingen nicht nur Samova, sondern auch seine Mitbewerber bislang quasi vorbei, außer im vorletzten Januar / Februar, als das Unternehmen den Teilnehmern unserer Stadtführungen im Rahmen der Lessingtage des Thalia Theaters im Anschluss an die Touren heißen Tee spendierte. Irgendwie kam ich aber nie in den Genuss dieser Tees und war umso gespannter auf die Teeverkostung das Tea Tasting mit Errol Ilercil, dem Master Tea-Jay. Gibt's dafür eigentlich auch 'nen deutschen Ausdruck? Leitender Tee-Verkostungs-Vorführer vielleicht? Okay, ich sehe schon, das sieht auf der Visitenkarte, die neudeutsch sicher auch anders heißt, unsexy aus. Wie gesagt, ich bin unmodern.

In sehr entspannter Atmosphäre erfahren wir, was hinter der Marke Samova steht, wie die Tees komponiert werden und probieren verschiedene Sorten.
Team Spirit, ein Kräutertee, der 2006 zur Fußball-WM kreiert wurde.
Der Früchtetee Maybe Baby mit Hibiskus, Rote Bete, Ananas, Erdbeere und anderem.
Maybe Baby im Glas.
Total Reset, ein Kräutertee mit Griechischem Bergkraut.
Total Reset im Glas.
Errol Ilercil erklärt die Komposition der Teesorten.
Außer den vorgenannten Tees probierten wir noch Istanbul Nights und Scuba Garden. Die verkosteten Sorten schmeckten mir sehr gut, was auch daran ersichtlich ist, dass ich sie ohne Zucker mochte. Normalerweise kann man mich mit ungesüßten Tees jagen.

Zurzeit hat Samova 25 Tees im Programm, die lose, als Beutelware oder Blüte angeboten werden. Die Beutel sind übrigens teilweise aus biologisch abbaubarer Maisstärke und fühlen sich an wie eine Feinstrumpfhose. Cool. Das Sortiment wird regelmäßig überarbeitet; Sorten, die sich nicht gut verkaufen, werden aus dem Programm genommen, neue kommen dazu. Zusätzlich werden Sondereditionen und spezielle Mischungen für Geschäftskunden hergestellt, die nicht immer in den normalen Verkauf gehen.

Samova setzt auf Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau, soweit möglich.
Spannend ist der Vergleich zwischen meinem Supermarkt-Früchtetee, den ich gerne kannenweise trinke (und der in den letzten Monaten meistens von Real kommt - sage also keiner, dass ich nur über die Real-Eigenmarke meckere) und der Samova-Sorte Maybe Baby. Während der Supermarkt-Tee aus Hibiskus, Hagebutten, Äpfeln, Fliederbeeren, Orangen- und Zitronenschalen besteht, setzt sich Maybe Baby aus Hibiskusblüten, Sultaninen, Rote Bete, Ananas, Apfel, Karotte, Hagebutte, Süßholzwurzel und Erdbeerstücken aus kontrolliert bioloigischem Anbau sowie natürlichen Aromen zusammen. Angesichts der Preise der Tees war ich dann doch erstaunt über die Verwendung natürlicher Aromen. Die Lebensmittelchemikerin meines Vertrauens würde spätestens an dieser Stelle mal wieder feststellen, dass ein gutes Produkt keine zusätzlichen Aromen braucht und den Samova-Tee im Regal lassen. Ich war da vorgestern weniger konsequent.

Eine weitere Kanne mit Tee wird
zur Verkostung aufgebrüht.
Da es seit Jahresbeginn keine naturidentischen oder künstlichen Aromen mehr in Lebensmitteln geben darf, sind natürliche Aromen ein legaler Trick, den viele Unternehmen anwenden, da Verbraucher kritisch auf künstliche Aromen reagieren. Natürliche Aromen werden oft aber biotechnologisch aus anderen Ausgangsstoffen wie Bakterien, Enzymen oder Pilzen hergestellt, was preiswerter ist als beispielsweise die Gewinnung von Erdbeeraroma aus Erdbeeren.

Bei Samova hält man sich auf meine Nachfrage über die Herkunft der Aromen bedeckt und verweist auf mögliche Produktpiraterie. Stattdessen erläutert man mir in umgehender und ausführlicher Antwort die Materie am Beispiel eines Zitronenkuchens, der mit Zitronenöl, Zitronensaft oder Zitronenschale aromatisiert wird. Schon klar.

Nur: Wenn ich den Kuchen backe, weiß ich, woher das natürliche Aroma kommt, nämlich aus der Zitrone (und zurzeit sogar von den Zitronen aus dem eigenen Anbau - ich geb' mir mal 'ne Eins plus mit Sternchen für Bio und Nachhaltigkeit ;o)). Kaufte ich aber den Zitronenkuchen, wüsste ich schon gerne, ob das natürliche Bio-Zitronenaroma auf natürlichen Bio-Schimmelpilzen basiert, was zwar lebensmittelrechtlich okay, aber für Allergiker bedenklich ist, oder aus natürlichen Zitronen kommt. Generell muss ich auch bei hochwertigen Produkten davon ausgehen, dass Zitronenaroma aus Schimmelpilzen enthalten ist. Schade eigentlich, dass Samova hier nicht offener ist, denn das hinterläßt einen schalen Nachgeschmack. Meinen täglichen Früchteteekonsum decke ich also lieber mit dem bisherigen Tee, der ohne zugesetzte natürliche Aromen auskommt, und nicht mit der Sorte Maybe Baby.

Nach der Verkostung nehmen wir unsere Teegläser und machen einen Rundgang durch die Büro- und Produktionsräume.
Alle Produkte sind übersichtlich im Flur präsentiert. Wie Du siehst, bin ich nicht die einzige, die Fotos machte.

In der Logistik-Abteilung.
Tee ist nicht einfach Tee. Tee ist ein Lebensgefühl, zu dem vielfältige Accessoires gehören,
in diesem Fall Klamotten und CDs mit Kopfhörer Urban Ears.
Auch wenn das Design ein anderes ist: In den Beuteln steckt Samova-Tee.
Teedosen warten darauf, gefüllt zu werden. Eine geübte Kraft braucht für eine Dose knapp eine Minute.
Ab dieser Tür herrscht Fotografierverbot.
Im Teelabor dürfen wir unter Hinweis auf die Mitbewerber nicht fotografieren. Wir erfahren, dass die Tees nicht bei Samova gemischt werden, sondern von einem externen Tea Taster, der nach Samova-Vorgaben solange Tees, Kräuter, Gewürze, Früchte, Gemüse etc. mischt, bis das Ergebnis dem Samova-Konzept entspricht. Die Abfüllung der fertig gelieferten Mischungen erfolgt dann bei Samova - zu unserem Erstaunen per Hand. Das geht schneller und ist preiswerter als eine Maschine. Wir benötigen für die Herstellung unserer persönlichen Teedose deutlich länger, und dabei füllen wir noch nicht mal Tee ein (den gab's dann hinterher im Nachfüllpack zu kaufen).
Welchen Tee möchte ich bloß für meine Dose?
Nachdem die, die mochten, die Gelegenheit zum Teekauf nutzten, geht's in die Disco zum Cocktailmixen. Natürlich war eine der Zutaten ebenfalls Samova-Tee.
Stiller Beobachter des Treibens in der Disco.
Während der Tee abkühlt, kommen unter kundiger Anleitung schon mal Sirup und Eis in die Gläser.
Es folgen Saft und Tee.
Ich hätte den Cocktail auch so getrunken, aber richtig gut wird er erst durch das Shaken.
Jetzt gilt es, das Glas aus dem Shaker zu bekommen. In 11 von 12 Fällen gelang es.
Nun noch schnell den Cocktail aus dem Shaker ins Glas füllen ...

... und schon gibt es einen leckeren Cocktail.
Einige Cocktail-Rezepte gibt es auch online. Für mich interessant waren die Koch-Ideen mit Tee, die es im Laufe des Abends gab. Zum zehnjährigen Bestehen erscheint im nächsten Jahr ein Samova-Kochbuch, und das Fillet of Soul bietet im Janur ein Acht-Gang-Menü mit Tee-Begleitung für 65 Euro an.

Bei den Fotos zeigte sich übrigens, dass ich meine neue Kamera noch nicht wirklich beherrsche. Im Makro-Food-Modus harmonieren wir. Im IdiotenIntelligence-Modus, in dem sie sich automatisch einstellen soll, nicht. Mit Blitz sind die Fotos überbelichtet, ohne Blitz war die Automatik der Meinung, ein Feuerwerk oder wahlweise auch ein Bergpanorama fotografieren zu wollen. Gleichzeitig sind die meisten Fotos unscharf, und die Verschlusszeit ist so langsam, dass die schnellsten Objekte, die ich knipsen sollte, Schnecken sind. Ich muss mich wohl noch mal intensiver mit der Bedienungsanleitung beschäftigen.